Geburtseinleitung: wann ist sie notwendig?

Die Frage, wann eine Geburt eingeleitet wird, beschäftigt viele werdende Eltern. Nicht jede Schwangerschaft dauert gleich lang, und nur wenige Kinder kommen genau am errechneten Termin zur Welt. Rund 90 Prozent aller Babys werden in den zwei Wochen vor und nach dem errechneten Termin geboren.

Inhaltsverzeichnis

Der errechnete Geburtstermin: Eine Orientierung, kein festes Datum

Der im Mutterpass notierte Geburtstermin ist eine statistische Berechnung, die die Dauer der individuellen Schwangerschaft zwar annähernd, aber nicht auf den Tag genau erfassen kann. Er basiert auf der Annahme, dass die Schwangerschaft 280 Tage nach dem ersten Tag der letzten Periode dauert. Allerdings ist diese Berechnung oft ungenau, da:

  • Der genaue Tag des Eisprungs oft nicht bestimmt werden kann.
  • Die Zeit vom ersten Tag der Periode bis zum Eisprungs von Frau zu Frau unterschiedlich ist.
  • Nicht alle Frauen sich exakt an den Beginn ihrer letzten Monatsblutung erinnern.

Auch die Ultraschalluntersuchung bei der ersten Vorsorge hat eine Ungenauigkeit von wenigen Tagen. Je früher die Größe des Kindes per Ultraschall gemessen wird, desto genauer ist die Bestimmung des kindlichen Alters möglich.

Gründe für eine Terminüberschreitung

Es gibt viele Gründe, warum eine Geburt vor oder nach dem errechneten Termin beginnt. Neben der ungenauen Berechnung des Geburtstermins spielen auch folgende Faktoren eine Rolle:

  • Individuelle Entwicklung des Kindes: Ungeborene entwickeln sich im Mutterleib unterschiedlich schnell. Die Reifung des Kindes ist von vielen Faktoren abhängig, wie z.B. Der Zeit, die die befruchtete Eizelle braucht, um sich in die Gebärmutter einzunisten, der Ernährung der werdenden Mutter, ihrer Lebensweise, ihrem Hormonhaushalt und Stoffwechsel.
  • Genetische Faktoren: Vermutlich spielen auch genetische Faktoren eine Rolle bei der Dauer der Schwangerschaft.
  • Weitere mögliche Einflussfaktoren: Obwohl es keine wissenschaftlichen Belege gibt, werden auch der Stand des Mondes, das Wetter oder andere Umweltkräfte als mögliche Einflussfaktoren diskutiert.

Statt sich auf einen einzelnen Geburtstag zu fixieren, können werdende Eltern also von einem Geburts-Zeitraum ausgehen, in dem ihr Kind zur Welt kommen wird.

Anzeichen für eine nahende Geburt

Es gibt einige Anzeichen, die auf eine nahende Geburt hindeuten können:

  • Zunehmender Druck nach unten: Viele Frauen spüren einen zunehmenden Druck auf die Blase oder den Damm.
  • Häufiger harter Bauch: Senkwehen schieben das Kind in die richtige „Startposition“ und lassen den Bauch häufiger hart werden.
  • Öffnung des Muttermundes: Der Muttermund öffnet sich langsam, wodurch der Schleimpfropf, der während der Schwangerschaft den Muttermund verschließt, sich löst.
  • Veränderungen im Stuhlgang: Viele Frauen haben leichten Durchfall statt Verstopfung.
  • Rückenschmerzen: Rückenschmerzen können ebenfalls ein Anzeichen für eine nahende Geburt sein.
  • Innere Unruhe: Manche Frauen werden von einer inneren Unruhe gepackt, die sie drängt, alle Vorbereitungen für das Kind zu prüfen und abzuschließen.
  • Veränderungen in den kindlichen Bewegungen: Die Bewegungen des Kindes sind in den letzten Schwangerschaftswochen zwar nicht mehr so ausgeprägt, aber doch spürbar. Wenn sich das Verhalten des Kindes auffällig ändert, sollte die Hebamme oder der Arzt informiert werden.

Überwachung bei Terminüberschreitung

Wenn der errechnete Termin überschritten ist, wird die Schwangerschaft regelmäßiger überwacht:

37+0 bis 39+6 Schwangerschaftswochen:

Bei komplikationslosen Schwangerschaften gibt es keinen Anlass zur Geburtseinleitung. Bei einem mütterlichen Alter von über 40 Jahren kann ab 39+0 SSW eine Geburtseinleitung angeboten werden.

40+0 bis 40+6 Schwangerschaftswochen:

Am errechneten Geburtstermin wird noch einmal festgestellt, ob tatsächlich eine risikoarme Schwangerschaft vorliegt. Hierzu ist eine Ultraschallkontrolle mit Gewichtsschätzung und die Bestimmung der Fruchtwassermenge sinnvoll, damit eine intrauterine Wachstumsverzögerung des Kindes nicht übersehen wird. Ist hier alles in Ordnung und zeigt sich keine akute Gefährdung von Mutter und Kind, kann bis 40+6 SSW abgewartet werden. Allerdings wird eine Kontrolle alle 3 bis 4 Tage empfohlen, bei der unter anderem die kindlichen Herztöne mit dem CTG abgehört und aufgezeichnet werden.

41+0 bis 41+6 Schwangerschaftswochen:

Ab 41+0 SSW sollte eine Geburtseinleitung angeboten werden, ab 41+3 SSW ist sie zu empfehlen. Möchte die werdende Mutter nach Aufklärung und Beratung noch bis zum Ende der 4Woche (also 41+6 SSW) warten, ist das ärztlich vertretbar. Bedingung: Keine absehbaren Risiken, CTG-Untersuchung und Messung der Fruchtwassermenge alle zwei Tage oder sogar täglich.

Ab 42+0 Schwangerschaftswochen:

Nun ist eine Beendigung der Schwangerschaft durch die Einleitung der Wehen oder einen Kaiserschnitt auch bei bisher unkompliziertem Verlauf nicht mehr zu vermeiden, um Mutter und Kind nicht zu gefährden.

Warum eine Geburt eingeleitet werden muss?

Die Gründe für eine Geburtseinleitung sind vielfältig. Ein medizinisches Einschreiten ist notwendig, wenn:

  • Plazentainsuffizienz: In einigen Schwangerschaften kommt es zu einer Funktionseinschränkung der Plazenta, die die Versorgung des Babys mit Sauerstoff und Nährstoffen vermindert. Hinweise darauf liefern:
    • Eine reduzierte Fruchtwassermenge
    • Eine unzureichende Blutzufuhr zum Kind
    • Ein zu langsames Wachstum des Babys
  • Übertragung: Nach 42 abgeschlossenen Wochen besteht ein erhöhtes Risiko für das Kind, da die Plazenta ihre Funktion möglicherweise nicht mehr ausreichend erfüllen kann.
  • Mütterliche Komplikationen: Bei einigen mütterlichen Komplikationen, wie z.B. Schwangerschaftsdiabetes, Präeklampsie oder einem hohen Blutdruck, kann eine Geburtseinleitung notwendig sein, um das Risiko für Mutter und Kind zu minimieren.

Arbeitet die Plazenta trotz Überschreitung des Geburtstermins normal, besteht vorläufig kein Grund, die Geburt einzuleiten. Das Baby wird in der Gebärmutter weiter wachsen, was zu einem höheren Geburtsgewicht führt. Die Bestimmung des kindlichen Gewichtes mittels Ultraschall ist allerdings immer noch oft sehr ungenau und Geburtseinleitungen aufgrund darauf umstritten.

Methoden zur Wehenanregung

Es gibt verschiedene Methoden, um Wehen anzuregen:

Medikamentöse Methoden:

  • Prostaglandine: Prostaglandine in Gel- oder Zäpfchenform werden in die Vagina eingeführt, um die Kontraktionen der Gebärmutter zu stimulieren und den Muttermund zu weicher zu machen.
  • Oxytozin: Bei bereits geöffnetem Muttermund können Wehen durch eine intravenöse Gabe von Wehenhormon (Oxytozin) ausgelöst werden.

Mechanische Methoden:

  • Blasensprengung: Die künstliche Eröffnung der Fruchtblase (Amniotomie) kann Wehen auslösen.
  • Muttermunddehnung: Die Muttermunddehnung (auch Eipollösung oder Zervix-Stripping genannt) kann ebenfalls Wehen anregen, ist aber nur erfolgreich, wenn die Gebärmutter wehenbereit ist.

Alternative Methoden:

Neben den medizinischen Methoden gibt es auch alternative Möglichkeiten, eine Geburt einzuleiten oder Wehen anzuregen, wie z.B. Sex, Brustwarzenstimulation oder Akupunktur. Die Wirksamkeit dieser Methoden ist allerdings nicht wissenschaftlich belegt.

Häufige Fragen zum Thema Geburtseinleitung

Ich bin fünf Tage über dem Termin und nichts tut sich. Mein Frauenarzt hat jetzt von einer Muttermunddehnung gesprochen. Ist das schmerzhaft?

Die Muttermunddehnung (auch Eipollösung oder Zervix-Stripping genannt) gehört wie die künstliche Eröffnung der Fruchtblase (Amniotomie) zu den mechanischen Methoden der Wehenanregung. Erfolgversprechend ist sie allerdings nur, wenn die Gebärmutter wehenbereit ist. Deshalb wird diese Form der ...

Wie kann man selbst die Wehen anregen?

Die angenehmste Form der Wehenanregung ist Sex: Prostaglandine in der Samenflüssigkeit wirken gegen Ende der Schwangerschaft aufweichend auf den Gebärmutterhals, Brustwarzenstimulation führt zu einer Ausschüttung des Wehenhormons Oxytocin. Zügiges Treppensteigen - wie jede andere Form der ...

wann wird eine geburt eingeleitet - Wie viele Tage darf man über den ET

Was sind wehencocktails ?

Wehencocktails sind Getränke zur Wehenförderung, die über eine Anregung der Darmtätigkeit Wehen auslösen können. Deshalb ist in den meisten Rezepten auch eine ordentliche Portion Rhizinusöl enthalten. Das kann zu schweren Darmkrämpfen oder Durchfall führen. Ärzte raten aus gutem Grund von ...

Kann Sex vorzeitige Wehen auslösen?

Die Befürchtung, durch Geschlechtsverkehr könnten in der Schwangerschaft Wehen ausgelöst werden, ist sehr häufig, aber unbegründet. Weder die Bewegungen beim Sex noch die Kontraktionen in der Gebärmutter beim und nach dem Orgasmus schaden in der Schwangerschaft. Vorzeitige Wehen werden dadurch in ...

Fazit

Die Entscheidung, ob eine Geburt eingeleitet werden soll, ist eine individuelle Entscheidung, die in Absprache mit dem Arzt oder der Hebamme getroffen werden sollte. Es gibt viele Faktoren, die bei dieser Entscheidung berücksichtigt werden müssen, wie z.B. Die Gesundheit von Mutter und Kind, die Schwangerschaftswoche und die Art der Geburtseinleitung. Es ist wichtig, sich gut zu informieren und alle Fragen und Bedenken mit dem Arzt oder der Hebamme zu besprechen.

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