Der Kristeller-Handgriff, auch bekannt als Fundusdruck oder Kristeller-Manöver, ist ein umstrittener Eingriff während der Geburt, der durch Druck auf das Gebärmutterdach (Fundus uteri) die Geburt des Kindes beschleunigen soll. Die Anwendung des Kristeller-Handgriffs ist in vielen Ländern, darunter Deutschland, stark umstritten und wird von vielen Experten als risikoreich angesehen.

Was ist der Kristeller-Handgriff?
Der Kristeller-Handgriff wird in der Regel in der letzten Phase der Austreibungsphase angewendet, wenn der Kopf des Kindes sichtbar ist. Ein Geburtshelfer oder eine Hebamme übt dabei einen starken Druck auf das Gebärmutterdach, um den Kopf des Kindes aus dem Geburtskanal zu schieben.
Risiken des Kristeller-Handgriffs
Der Kristeller-Handgriff ist mit zahlreichen Risiken für Mutter und Kind verbunden. Zu den möglichen Komplikationen gehören:
- Hirnschäden beim Neugeborenen
- Armlähmungen beim Neugeborenen
- Damm- und Scheidenrisse
- Uterusruptur
- Ablösung des Mutterkuchens
- Rippenfrakturen bei der Mutter
- Leberriss
- Levatoravulsion (Abriss des M. Levator ani am Schambein)
- Verletzung des Plexus brachialis (Schulterdystokie)
Die Anwendung des Kristeller-Handgriffs kann auch zu Schmerzen und Unbehagen bei der Gebärenden führen.
S3-Leitlinie und Kristeller-Handgriff
Die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) empfiehlt die Anwendung des Kristeller-Handgriffs nur unter strengen Indikationsstellungen und mit Zustimmung der Gebärenden. Die Leitlinie betont, dass der Fundusdruck nur in der letzten Phase des Austritts des Kindes angewandt werden soll, und dass die Ausführung im selben Rhythmus wie die Wehen erfolgen muss.
Vetorecht der Gebärenden
Die S3-Leitlinie räumt der Gebärenden ein Vetorecht ein. Das bedeutet, dass sie sich gegen den Kristeller-Handgriff entscheiden kann, auch wenn der Geburtshelfer ihn für notwendig hält.
Alternativen zum Kristeller-Handgriff
Es gibt eine Reihe von Alternativen zum Kristeller-Handgriff, die weniger risikoreich sind und die Geburt des Kindes unterstützen können. Dazu gehören:
- Wehenförderung mit Medikamenten
- Vakuumextraktion
- Zangenentbindung
- Kaiserschnitt
Die Wahl der besten Methode hängt von der individuellen Situation der Gebärenden und des Kindes ab. Es ist wichtig, dass die Gebärende mit dem Geburtshelfer oder der Hebamme über die verschiedenen Optionen spricht und sich gemeinsam für die beste Vorgehensweise entscheidet.
Wann Kristeller-Handgriff?
Der Kristeller-Handgriff sollte nur in Ausnahmefällen angewendet werden, wenn ein akutes Risiko für Mutter oder Kind besteht. Beispiele für solche Situationen sind:
- Hypoxie (Sauerstoffmangel beim Kind)
- Erschöpfung der Mutter
- Verzögerter Geburtsverlauf unter Periduralanästhesie
Es ist wichtig zu beachten, dass der Kristeller-Handgriff keine Routinemaßnahme ist und nur in Notfällen angewendet werden sollte.
Kontraindikationen für den Kristeller-Handgriff
Es gibt eine Reihe von Situationen, in denen der Kristeller-Handgriff absolut kontraindiziert ist. Dazu gehören:
- Schulterdystokie (Verkeilen der kindlichen Schulter hinter dem mütterlichen Schambein)
- Nicht vollständig geöffneter Muttermund
- Kopf nicht mindestens Beckenboden/Beckenausgang
Es gibt auch eine Reihe von relativen Kontraindikationen, bei denen der Kristeller-Handgriff nur mit Vorsicht angewendet werden sollte. Dazu gehören:
- Fundusplazenta
- Nicht ausreichende Wehentätigkeit
- Früherer Kaiserschnitt
- Wehensturm
- Drohende Uterusruptur
Fazit
Der Kristeller-Handgriff ist ein umstrittener Eingriff, der mit zahlreichen Risiken für Mutter und Kind verbunden ist. Er sollte nur in Ausnahmefällen angewendet werden, wenn ein akutes Risiko für Mutter oder Kind besteht. Die Gebärende hat ein Vetorecht und sollte sich mit dem Geburtshelfer oder der Hebamme über die verschiedenen Optionen und Risiken informieren.
Was ist der Unterschied zwischen Kristeller-Handgriff und Crede-Handgriff?
Der Crede-Handgriff ist eine Methode zur Unterstützung der Plazentaablösung nach der Geburt. Dabei übt der Geburtshelfer oder die Hebamme einen Druck auf den Unterbauch der Gebärenden, um die Plazenta zu lösen. Im Gegensatz zum Kristeller-Handgriff wird der Crede-Handgriff in der Regel nicht als riskant angesehen, da er keinen Druck auf den Fundus uteri ausübt.
Ist der Kristeller-Handgriff verboten?
Der Kristeller-Handgriff ist in vielen Ländern, darunter Deutschland, nicht verboten, aber seine Anwendung ist stark umstritten. Die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt die Anwendung des Kristeller-Handgriffs nur unter strengen Indikationsstellungen und mit Zustimmung der Gebärenden.
Wer entscheidet, ob ein Kristeller-Handgriff durchgeführt wird?
Die Entscheidung, ob ein Kristeller-Handgriff durchgeführt wird, liegt in der Verantwortung des Geburtshelfers oder der Hebamme. Die Gebärende hat jedoch ein Vetorecht und kann sich gegen den Eingriff entscheiden, auch wenn der Geburtshelfer ihn für notwendig hält.
Was kann ich tun, um einen Kristeller-Handgriff zu vermeiden?
Es gibt eine Reihe von Dingen, die Sie tun können, um einen Kristeller-Handgriff zu vermeiden. Dazu gehören:
- Sprechen Sie mit Ihrem Geburtshelfer oder Ihrer Hebamme über Ihre Wünsche und Ängste bezüglich des Kristeller-Handgriffs.
- Informieren Sie sich über die Risiken und Alternativen zum Kristeller-Handgriff.
- Wählen Sie eine Klinik oder Hebamme, die den Kristeller-Handgriff nur in Ausnahmefällen anwendet.
Welche Alternativen gibt es zum Kristeller-Handgriff?
Es gibt eine Reihe von Alternativen zum Kristeller-Handgriff, die weniger risikoreich sind und die Geburt des Kindes unterstützen können. Dazu gehören:
- Wehenförderung mit Medikamenten
- Vakuumextraktion
- Zangenentbindung
- Kaiserschnitt
Die Wahl der besten Methode hängt von der individuellen Situation der Gebärenden und des Kindes ab. Es ist wichtig, dass die Gebärende mit dem Geburtshelfer oder der Hebamme über die verschiedenen Optionen spricht und sich gemeinsam für die beste Vorgehensweise entscheidet.
Tabelle mit Risiken und Alternativen
| Risiken des Kristeller-Handgriffs | Alternativen zum Kristeller-Handgriff |
|---|---|
| Hirnschäden beim Neugeborenen | Wehenförderung, Vakuumextraktion, Zangenentbindung, Kaiserschnitt |
| Armlähmungen beim Neugeborenen | Wehenförderung, Vakuumextraktion, Zangenentbindung, Kaiserschnitt |
| Damm- und Scheidenrisse | Wehenförderung, Vakuumextraktion, Zangenentbindung, Kaiserschnitt |
| Uterusruptur | Wehenförderung, Vakuumextraktion, Zangenentbindung, Kaiserschnitt |
| Ablösung des Mutterkuchens | Wehenförderung, Vakuumextraktion, Zangenentbindung, Kaiserschnitt |
| Rippenfrakturen bei der Mutter | Wehenförderung, Vakuumextraktion, Zangenentbindung, Kaiserschnitt |
| Leberriss | Wehenförderung, Vakuumextraktion, Zangenentbindung, Kaiserschnitt |
| Levatoravulsion | Wehenförderung, Vakuumextraktion, Zangenentbindung, Kaiserschnitt |
| Verletzung des Plexus brachialis | Wehenförderung, Vakuumextraktion, Zangenentbindung, Kaiserschnitt |
Es ist wichtig, dass Sie sich mit Ihrem Geburtshelfer oder Ihrer Hebamme über die Risiken und Alternativen zum Kristeller-Handgriff informieren. Gemeinsam können Sie die beste Vorgehensweise für Ihre individuelle Situation finden.
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