Hodenhochstand: ursachen, behandlung & folgen

Die Frage, warum die Eier hoch rutschen, beschäftigt viele Eltern. Der medizinische Begriff für dieses Phänomen ist Hodenhochstand oder Maldescensus testis. Dabei befindet sich ein oder sogar beide Hoden nicht im Hodensack, sondern außerhalb ihrer normalen Position. Dieser Zustand betrifft etwa 3% der termingerecht geborenen Jungen und sogar 9-30% der Frühgeborenen. In diesem Artikel erklären wir Ihnen alles Wissenswerte über Hodenhochstand, von den Ursachen über die Behandlung bis hin zu den möglichen Folgen.

Inhaltsverzeichnis

Warum rutschen die Eier hoch? - Ursachen des Hodenhochstands

Während der vorgeburtlichen Entwicklung wandert der Hoden vom Bauchraum, wo er zunächst liegt, über den Leistenkanal in den Hodensack. Dieser Abstieg, der Hodendeszensus genannt wird, ist ein komplexer Prozess, der von verschiedenen Hormonen gesteuert wird. Wenn dieser Prozess gestört ist, kann der Hoden im Leistenkanal oder sogar im Bauchraum stecken bleiben. Mögliche Ursachen für einen Hodenhochstand sind:

  • Hormonmangel : Zu wenig Androgene (männliche Geschlechtshormone) können den Abstieg des Hodens behindern.
  • Enzymdefekte : Auch wenn ausreichend Androgene vorhanden sind, können Enzymdefekte dazu führen, dass die Hormone nicht richtig auf die Zielorgane wirken.
  • Angeborene genetische Defekte : Manchmal ist der Hodenhochstand Teil einer größeren genetischen Störung.
  • Medikamenteneinnahme der Mutter : Die Einnahme von Clomifem durch die Mutter während der Schwangerschaft, beispielsweise im Rahmen einer künstlichen Befruchtung, kann ebenfalls zu Hodenhochstand führen.
  • Bauchdeckendefekte : Ein verminderter Druck in der Bauchhöhle, der durch einen angeborenen Bauchdeckendefekt wie Omphalozele oder Gastroschisis verursacht wird, kann den Abstieg des Hodens erschweren.
  • Mütterlicher Alkoholkonsum : Alkohol während der Schwangerschaft kann ebenfalls zu Hodenhochstand führen.
  • Mütterlicher Nikotinkonsum : Auch Nikotin während der Schwangerschaft kann den Abstieg des Hodens beeinträchtigen.

Formen des Hodenhochstands

Je nachdem, wo sich der Hoden befindet, unterscheidet man verschiedene Formen des Hodenhochstands:

Leistenhoden (Inguinalhoden)

Der Leistenhoden ist die häufigste Form des Hodenhochstands (ca. 70%). Dabei befindet sich der Hoden im Leistenkanal. Oft tritt diese Form in Kombination mit einem angeborenen Leistenbruch auf.

Bauchhoden

Beim Bauchhoden bleibt der Hoden im Bauchraum. Meistens ist er weder sichtbar noch tastbar. In diesem Fall muss eine Anorchie (vollständiges Fehlen eines oder beider Hoden) ausgeschlossen werden.

Gleithoden

Der Gleithoden liegt knapp oberhalb des Hodensacks. Der Samenstrang im Leistenkanal ist zu kurz, sodass der Hoden zwar in den Hodensack gezogen werden kann, aber nach dem Loslassen sofort wieder zurückgleitet.

Ektoper Hoden

Beim ektopen Hoden befindet sich der Hoden außerhalb der natürlichen Abstiegsstrecke. Er kann beispielsweise unter der Bauchhaut im Bereich der Leiste, nahe der Peniswurzel oder im Bereich des Oberschenkels liegen.

Drohende Folgen und Komplikationen

Die normale Hodenlage ist wichtig, da die Spermienproduktion nur im kühlen Hodensack optimal funktioniert. Bei unbehandeltem beidseitigem Hodenhochstand droht in 70% der Fälle Unfruchtbarkeit, da die Stammzellen geschädigt werden können. Weitere Komplikationen können sein:

  • Leistenbrüche : Hodenhochstand erhöht das Risiko für Leistenbrüche, da die Leistenregion durch den nicht vollständig abgestiegenen Hoden geschwächt ist.
  • Hodentorsion : Eine Hodentorsion ist ein Notfall, bei dem sich der Hoden um seinen eigenen Samenstrang dreht. Dies kann zu einer Unterversorgung des Hodens mit Blut führen und ihn dauerhaft schädigen.
  • Hodenkrebs : Das Risiko für Hodenkrebs ist bei Hodenhochstand um ein Vielfaches erhöht. Dies liegt daran, dass die Zellen des Hodens bei erhöhter Temperatur nicht optimal funktionieren und anfälliger für Veränderungen sind.

Diagnosesicherung

Der Arzt versucht zunächst, den Hoden durch Abtasten im Hodensack oder in der Leiste zu finden. Ist dies nicht möglich, wird ein Ultraschall durchgeführt. In seltenen Fällen kann eine Kernspinuntersuchung notwendig sein, um weitere Fehlbildungen auszuschließen. Sind die Hoden weiterhin nicht auffindbar, werden Laboruntersuchungen durchgeführt, um festzustellen, ob überhaupt Hodengewebe vorhanden ist.

Dabei wird dem Kind das Schwangerschaftshormon Beta-HCG ins Muskelgewebe gespritzt. Normalerweise stimuliert dies die Hormonproduktion des Hodens, wodurch der Testosteronwert im Blut ansteigt. Bleibt der Testosteronwert niedrig, geht der Arzt von einer Anorchie (vollständiges Fehlen eines oder beider Hoden) aus.

Bei Verdacht auf Bauchhoden kann eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) durchgeführt werden, um die Hoden aufzufinden und zu entscheiden, ob sie entfernt oder in den Hodensack verlagert werden sollen.

Behandlung des Hodenhochstands

Die Behandlung des Hodenhochstands hängt von der Form und dem Alter des Kindes ab. In den meisten Fällen wandert der Hoden innerhalb der ersten drei Lebensmonate spontan in den Hodensack. Ist dies nicht der Fall, wird die Behandlung ab dem Lebensmonat begonnen und sollte bis zum Geburtstag abgeschlossen sein.

Hormonbehandlung

Eine Hormontherapie stimuliert die Bildung von Testosteron und unterstützt damit das spontane Herabwandern des Hodens. Die Hormone werden in Form von Nasenspray (LHRH = Luteinisierendes Hormon Releasing Hormon) oder Spritzen (Beta-HCG = Humanes Choriongonadotropin) verabreicht. Die Hormontherapie kommt nur beim Hodenhochstand in Frage, beim ektopen Hoden zeigt sie keine Wirkung.

Die Hormontherapie ist jedoch umstritten, da die Erfolgsrate begrenzt ist und es verschiedene Nebenwirkungen gibt. Einige Experten lehnen die Hormontherapie sogar komplett ab.

Operative Behandlung

Bei der Operation wird der Samenstrang freigelegt und der Hoden in den Hodensack verlagert. Der Eingriff wird unter Vollnarkose durchgeführt. Nach der Operation sollte sich das Kind körperlich schonen, um eine Nachblutung zu vermeiden. Bei Anzeichen einer Infektion (Rötung, Schwellung des Hodens) oder starken Schmerzen ist der Arzt sofort zu konsultieren.

Bei beidseitigem Hodenhochstand empfehlen einige Experten eine postoperative Hormonbehandlung, um die Fruchtbarkeit zu verbessern. Wenn die Hoden sehr klein sind (häufig bei Bauchhoden), sollten sie wegen des Tumorrisikos entfernt werden. Das Einsetzen einer Hodenprothese aus kosmetischen Gründen ist möglich, sollte aber erst nach der Pubertät erfolgen.

Ektoper Hoden

Beim ektopen Hoden ist eine Hormonbehandlung zum Anstoßen des natürlichen Abstiegs zwecklos. Hier muss immer operiert werden.

Nachsorge

Im ersten Jahr nach der Operation wird der Hoden alle drei Monate kontrolliert, um sicherzustellen, dass er sich in der korrekten Position befindet. Ab dem 1Lebensjahr muss der Patient regelmäßig auf Hodenkrebs untersucht werden.

Prognose

Bis zu 80% der verlagerten Hoden wandern innerhalb von drei Monaten nach der Geburt spontan in den Hodensack. Die Prognose hängt von der Form des Hodenhochstands, der Behandlung und dem Alter des Kindes ab.

Unbehandelter Hodenhochstand führt zu einer eingeschränkten Zeugungsfähigkeit. Ob die Operation die Fruchtbarkeit verbessert, ist umstritten. Die Rate eines Hodentumors ist bei allen Betroffenen 3-8-fach erhöht. Bei unbehandeltem Hodenhochstand steigt das Risiko sogar noch an und liegt bis zu 30-fach über dem Risiko der Normalbevölkerung.

Häufig gestellte Fragen

Was passiert, wenn der Hodenhochstand nicht behandelt wird?

Unbehandelter Hodenhochstand kann zu Unfruchtbarkeit, Hodentorsion, Leistenbrüchen und einem erhöhten Risiko für Hodenkrebs führen.

Wie kann ich den Hoden meines Kindes selbst untersuchen?

Eltern sollten ihre Söhne ab dem 1Lebensjahr anleiten, ihre Hoden regelmäßig auf Verhärtungen abzutasten. Die Selbstuntersuchung sollte in entspannter Stellung unter der Dusche oder in der Badewanne erfolgen.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Wenn der Hoden Ihres Kindes nicht im Hodensack zu tasten ist, sollten Sie in den nächsten Wochen einen Arzt aufsuchen. Auch wenn der Hoden in der warmen Badewanne nicht im Hodensack zu finden ist, sollten Sie einen Arzt konsultieren.

Gibt es eine Möglichkeit, Hodenhochstand zu verhindern?

Es gibt keine bewährten Methoden, um Hodenhochstand zu verhindern. Eine gesunde Lebensweise der Mutter während der Schwangerschaft kann jedoch das Risiko für viele Geburtsfehler, einschließlich Hodenhochstand, verringern.

Zusammenfassung

Hodenhochstand ist eine häufige Erkrankung, die in den meisten Fällen erfolgreich behandelt werden kann. Die Behandlung hängt von der Form und dem Alter des Kindes ab. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind wichtig, um die Folgen für die Fruchtbarkeit und das Risiko für Hodenkrebs zu minimieren.

Wenn Sie Fragen zu Hodenhochstand haben, sollten Sie sich an Ihren Kinderarzt oder einen Urologen wenden.

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