Das Spielen ist für Kinder von Anfang an ein fundamentaler Bestandteil ihres Lebens, genauso wichtig wie Nahrung, Schlaf und Bewegung. Doch warum ist Spielen für Kinder so essenziell? Was macht das Spielen so besonders, dass wir Eltern es mit einer gewissen Ehrfurcht betrachten sollten, wie der Pädagoge Friedrich Fröbel einst sagte: „Halte die Spiele der Kinder heilig und störe sie nicht. Denn in ihnen ist weder Torheit noch Müßiggang“?
Spielen ist Lernen: Eine Entdeckungsreise für den jungen Geist
„Spielen, Spiel ist die höchste Stufe der Kindesentwicklung.“ Christoph Martin Wieland
Kinder lernen unglaublich viel, während sie spielen. Wichtige Wachstums- und Entwicklungsschritte meistern sie spielerisch:
- Fantasie und Kreativität entfalten: Im Spiel erschaffen Kinder eigene Welten, erfinden Geschichten und entwickeln kreative Lösungen für Herausforderungen.
- Soziale und emotionale Fähigkeiten entwickeln: Durch Rollenspiele, gemeinsames Bauen oder kooperative Spiele lernen Kinder, mit anderen Menschen umzugehen, Konflikte zu lösen und Empathie zu entwickeln.
- Wortschatz erweitern und motorische Fähigkeiten trainieren: Beim Spielen lernen Kinder neue Wörter, üben ihre Sprachfähigkeit und verbessern ihre motorische Koordination und Feinmotorik.
- Konzentrationsfähigkeit und Geschicklichkeit fördern: Spiele fordern Kinder heraus, sich zu konzentrieren, ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren und ihre Geschicklichkeit zu verbessern.
- Alltagserlebnisse verarbeiten: Das Spiel bietet Kindern einen sicheren Raum, um ihre Erfahrungen und Gefühle zu verarbeiten und zu verstehen.
- Denk- und Beurteilungsvermögen schulen: Durch spielerisches Problemlösen lernen Kinder, logisch zu denken, Entscheidungen zu treffen und verschiedene Lösungsansätze zu bewerten.
- Begabungen und Potenziale entdecken: Im Spiel können Kinder ihre Interessen und Stärken ausprobieren und ihre eigenen Begabungen und Talente entdecken.
Das Gehirn ist beim Spielen hochaktiv. Für Kinder gibt es keinen Unterschied zwischen Spielen und Lernen. Sie lernen, während sie spielen, und sie spielen, während sie lernen.
Leider wird diese natürliche Einheit von Spielen und Lernen in der Schule oft getrennt. Kinder lernen, dass es einen Unterschied zwischen Lernen und Spielen gibt, und dass diese beiden Aktivitäten an entgegengesetzten Enden der Ernsthaftigkeitsskala stehen. Diese Differenzierung ist für Kinder jedoch nicht natürlich. Von Geburt an waren Spielen und Lernen für sie eine untrennbare Einheit.
„Mein Spielen ist Lernen, mein Lernen ist Spielen.“ Friedrich Fröbel
Tipp: Beobachte dein Kind beim Spielen und ersetze in deinen Gedanken das Wort „Spielen“ durch „Lernen“. Was passiert in dir, wenn du jede spielerische Tätigkeit deines Kindes als wichtige Lerntätigkeit einordnest?
Spielen ist Versunkensein im Hier und Jetzt: Eine Oase der Ruhe und Entspannung
„Denn, um es endlich einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Friedrich Schiller
Nur im gegenwärtigen Moment können wir uns selbst als lebendig erfahren. In der Bewusstwerdung der Gegenwart, um die es auch beim zunehmenden Trend der Achtsamkeit geht, liegt ein Geheimnis verborgen, welches man wohl durchaus mit dem altmodischen Wort „Glückseligkeit“ beschreiben könnte. Wir sind mit uns selbst in Verbindung, kommen wieder ins Gleichgewicht, kommen innerlich zur Ruhe, kommen an, und erfahren darin tiefste Zufriedenheit.
Wir Erwachsenen wissen, wie sich ein Leben anfühlt, bei dem man meist entweder gedanklich noch an der Vergangenheit hängt oder an die Zukunft denkt: an Sorgen, an Vorhaben und Pläne, oder einfach daran, was man noch alles heute erledigen muss. Dieses Herausgerissen sein vom Bewusstsein des gegenwärtigen Moments ist zwar für viele zur Gewohnheit geworden – doch sie ist tatsächlich äußerst anstrengend und kräftezehrend. Wie bei einem Gummi, der überdehnt wird, ist es wichtig, wieder zur Entspannung zurückzukommen – und diese finden wir nur im gegenwärtigen Moment.
Erinnere dich an die erholsamsten Momente in einem schönen Urlaub. Waren diese Zeiten der Entspannung und des Glücks nicht dadurch geprägt, dass du vollständig im gegenwärtigen Moment gelebt hast und ihn genossen hast?
Kinder kennen die Entfremdung von sich selbst bzw. Vom gegenwärtigen Moment nicht. Sie leben stets ganz im Hier und Jetzt, mit all ihrem Sein. Besonders im Spiel kann man beobachten, dass Kinder geradezu versunken sind im gegenwärtigen Moment und darin sichtlich aufblühen. Es ist, als würde das ihnen innewohnende Licht noch stärker leuchten.

Wer einmal in die vor Glück strahlenden Augen eines Kindes beim Spielen geblickt hat, oder den Frieden spürte, der von diesem Moment ausgeht, wenn sich ein Kind ganz dem Spiel hingibt, der versteht, welcher unbeschreibliche Schatz dem Spiel innewohnt.

Kein Wunder, dass Kinder, die durchs Spiel ganz im Hier und Jetzt versunken sind, nicht herausgerissen werden wollen und einfach nur weiterspielen wollen. Die Erfahrung und Selbsterfahrung, die sie in diesen Zeiten machen, ist unendlich kostbar.
Tipp: Wenn du dein Kind beim Spielen beobachtest oder gemeinsam mit ihm spielst, dann nutze diese Zeit, um all deine Gedanken an vorhin oder später, an die Vergangenheit oder Zukunft, loszulassen und in der Gegenwart anzukommen. Denke an nichts, das etwas anderes als Hier und Jetzt wäre; werde dir des gegenwärtigen Moments bewusst, nimm ihn wahr, schätze und genieße ihn – denn nur im gegenwärtigen Moment kannst du dich selbst als lebendig erfahren. „Im Spiel verrinnt die Zeit wie im Flug, denn sie steht still.“ Andreas Tenzer
Spielen ist wichtig für die Gesundheit: Wohlbefinden für Körper und Seele
„Zwischen Lachen und Spielen werden die Seelen gesund“ Aus Arabien
Spielen ist ein elementares Grundbedürfnis von Kindern, genau wie Nahrung oder Schlaf. Es ist mit ausschlaggebend für das kindliche Wohlbefinden.
Spielen tut der Seele gut:
- Emotionale Verarbeitung: Das Spiel hilft Kindern dabei, ihre Erlebnisse emotional zu verarbeiten und zu verstehen.
- Glück und Zufriedenheit: Spielen begeistert und beglückt Kinder, schafft tiefe innere Zufriedenheit und stärkt ihr Selbstwertgefühl.
- Geborgenheit und Freiheit: Das Spiel verbindet auf wundersame Weise Geborgenheitsempfinden mit Freiheitsgefühl.
Spielen tut dem Körper gut:
- Bewegung und Koordination: Fast immer bewegen sich Kinder beim Spiel. Sie trainieren beim Rennen, Klettern und Toben ihre Bewegungsfähigkeiten, ihre Koordination und ihren Gleichgewichtssinn.
- Frische Luft und Sonnenvitamin D: Kinder, die draußen spielen, tanken frische Luft und Sonnenvitamin D, welches wichtig für ihr Immunsystem ist.
- Feinmotorik und Konzentration: Auch beim ruhigen Spielen bewegen sich Kinder. Sie trainieren beim Bauen mit Bausteinen oder beim Anziehen ihrer Puppe ihre Feinmotorik, ihre Hand-Augen-Koordination und ihre Konzentrationsfähigkeit.
- Gehirnentwicklung: Die Körpererfahrung, die Kinder beim Spielen machen, ist essentiell für die Entwicklung ihres Gehirns. „Nur wer das richtige Gefühl für seinen Körper entwickelt, kann auch seine kognitiven Potentiale entfalten.“ Gerald Hüther
Tipp: Wenn Spielen für Kinder wohltuend und gesund ist, gilt das auch für Erwachsene? Die gute Nachricht ist: Sobald wir Kinder haben, haben wir, wann immer wir Zeit mit ihnen verbringen, eine außergewöhnliche Chance, selber wieder neu die Freude am Spielen zu entdecken. Unsere Kinder sind dabei die besten Coaches, um uns beizubringen, wie Spielen geht.
Wohl alle Eltern wissen, dass Spielen für Kinder sehr wichtig ist. Das betrifft jedoch nicht erst Rollenspiele oder Brettspiele: Schon Säuglinge spielen, wenn sie mit ihren kleinen Händchen ein weiches Stoffspielzeug erkunden oder wenn sie angesichts eines in der Luft tanzenden Mobiles herzerfrischend auflachen.
Häufig gestellte Fragen
Was sind die wichtigsten Vorteile des Spielens für Kinder?
Spielen fördert die Entwicklung von Fantasie, Kreativität, sozialen und emotionalen Fähigkeiten, Wortschatz, motorischen Fähigkeiten, Konzentrationsfähigkeit, Denk- und Beurteilungsvermögen und hilft Kindern dabei, ihre Alltagserlebnisse zu verarbeiten. Es stärkt das Selbstwertgefühl, fördert die Gesundheit und sorgt für Wohlbefinden.
Wie kann ich mein Kind zum Spielen anregen?
Biete deinem Kind vielfältige Spielmöglichkeiten an, sowohl drinnen als auch draußen. Ermutige es, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen und eigene Spielideen zu entwickeln. Spiele gemeinsam mit deinem Kind und zeige ihm, wie viel Spaß Spielen machen kann.
Wie viel Zeit sollten Kinder mit Spielen verbringen?
Es gibt keine feste Regel für die Spielzeit. Wichtig ist, dass Kinder genügend Zeit zum Spielen haben und dabei nicht durch andere Aktivitäten oder Medienkonsum gestört werden.
Wie kann ich als Erwachsener wieder mehr Freude am Spielen finden?
Beobachte deine Kinder beim Spielen und lass dich von ihrer Freude und Spontaneität anstecken. Versuche, deine eigenen inneren Spielregeln zu lockern und dich auf Neues einzulassen. Spiele mit deinen Kindern oder mit Freunden und genieße die gemeinsame Zeit.

Zusammenfassung
Das kindliche Spiel ist ein unschätzbarer Schatz, der die Entwicklung von Kindern in vielerlei Hinsicht fördert. Es ist ein wichtiger Bestandteil ihrer kognitiven, sozialen, emotionalen und körperlichen Entwicklung. Als Eltern sollten wir die Bedeutung des Spielens für unsere Kinder erkennen und ihnen genügend Raum und Möglichkeiten zum Spielen bieten. Denn im Spiel lernen Kinder, wachsen und werden zu glücklichen und selbstbewussten Menschen.
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