Kristeller-handgriff: risikoreich & umstritten

Der Kristeller-Handgriff, auch bekannt als Kristeller-Hilfe, ist eine umstrittene Geburtshilfemethode, die seit über 150 Jahren angewendet wird. Dabei übt ein Geburtshelfer mit seinen Händen Druck auf den Uterus der Gebärenden aus, um das Kind schneller durch den Geburtskanal zu bewegen. Die Methode wird oft in Situationen eingesetzt, in denen die Geburt verzögert ist oder das Kind in Notlage gerät. Doch trotz ihrer langen Tradition ist der Kristeller-Handgriff in der modernen Geburtshilfe zunehmend in der Kritik, da er sowohl für die Mutter als auch für das Kind erhebliche Risiken birgt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Hintergrund des Kristeller-Handgriffs

Der Kristeller-Handgriff wurde 1867 von dem Berliner Geburtshelfer Samuel Kristeller entwickelt. Er verwendete die Methode, um ein Kind mit schwachen Herztönen aus der Mutter herauszudrücken. In der damaligen Zeit gab es nur wenige Möglichkeiten, um eine schwierige Geburt zu unterstützen. Die Geburtszange war bereits in Misskredit geraten und der Kaiserschnitt wurde nur in Notfällen durchgeführt. Der Kristeller-Handgriff schien daher eine praktikable Alternative zu sein.

Heute gibt es jedoch modernere und sicherere Methoden, um eine verzögerte Geburt zu unterstützen, wie beispielsweise die Saugglocke oder den Kaiserschnitt. Dennoch wird der Kristeller-Handgriff in einigen Ländern und Kliniken immer noch angewendet. Dies liegt zum Teil daran, dass die Methode einfach und schnell durchzuführen ist und eine gewisse Tradition in der Geburtshilfe hat.

Wie funktioniert der Kristeller-Handgriff?

Der Kristeller-Handgriff wird in der Regel von einem oder zwei Geburtshelfern durchgeführt. Die Hebamme oder der Arzt stellt sich dabei über die Gebärende und übt mit ihren Händen Druck auf den Uterus. Die Druckrichtung kann dabei variieren, aber in der Regel wird von oben nach unten gedrückt. Der Druck soll das Kind durch den Geburtskanal bewegen und die Geburt beschleunigen.

Die Methode ist nicht einheitlich definiert und kann in unterschiedlichen Variationen angewendet werden. So kann der Druck mit einer oder beiden Händen ausgeübt werden, und es kann eine Schlinge verwendet werden, um die Hebelwirkung zu verstärken.

Risiken für die Mutter

Der Kristeller-Handgriff birgt erhebliche Risiken für die Mutter. Zu den häufigsten Komplikationen gehören:

  • Tiefe Dammrisse: Der starke Druck auf den Uterus kann zu schweren Rissen im Dammbereich führen. Diese Risse können sehr schmerzhaft sein und eine lange Heilungszeit erfordern.
  • Beckenbodenschäden: Der Druck kann den Beckenbodenmuskel, den Levator ani, schädigen. Dieser Muskel ist wichtig für die Kontrolle der Blase und des Darms. Ein Riss des Levator ani kann zu Inkontinenz führen.
  • Blutergüsse: Der starke Druck kann zu Blutergüssen am Bauch und im Beckenbereich führen.
  • Schmerzen: Der Kristeller-Handgriff kann sehr schmerzhaft für die Gebärende sein. Die Schmerzen können während und nach der Geburt anhalten.
  • Psychische Belastung: Der Kristeller-Handgriff kann für die Gebärende eine sehr unangenehme und traumatisierende Erfahrung sein. Die Anwendung der Methode kann zu Angst und Unsicherheit führen.

Risiken für das Kind

Auch für das Kind birgt der Kristeller-Handgriff erhebliche Risiken. Zu den häufigsten Komplikationen gehören:

  • Sauerstoffmangel: Der Druck auf den Uterus kann die Sauerstoffversorgung des Kindes beeinträchtigen. Dies kann zu Hirnschäden führen.
  • Knochenschäden: Der Druck kann zu Verletzungen des Schädels und des Knochengerüsts des Kindes führen.
  • Nervenschäden: Der Druck kann zu Nervenschäden am Kind führen. Dies kann zu Lähmungen oder anderen neurologischen Problemen führen.
  • Hirndruck: Der Druck auf den Uterus kann zu erhöhtem Hirndruck beim Kind führen. Dies kann zu schweren Komplikationen führen.

Kritik am Kristeller-Handgriff

In den letzten Jahren hat sich die Kritik am Kristeller-Handgriff verstärkt. Experten und Fachgesellschaften sprechen sich gegen die Anwendung der Methode aus, da sie als unnötig und gefährlich angesehen wird. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet den Kristeller-Handgriff als „nutzlos und vermutlich nicht sicher“ und empfiehlt, dass die Methode nur noch im Rahmen von wissenschaftlichen Studien angewendet werden sollte.

Die Kritik an der Methode basiert auf folgenden Argumenten:

  • Keine wissenschaftlichen Beweise: Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass der Kristeller-Handgriff die Geburt beschleunigt oder das Kind vor Komplikationen schützt. Im Gegenteil, Studien zeigen, dass die Methode mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen sowohl für die Mutter als auch für das Kind verbunden ist.
  • Unnötige Schmerzen: Der Kristeller-Handgriff ist für die Gebärende sehr schmerzhaft. Es gibt andere, schonendere Methoden, um eine verzögerte Geburt zu unterstützen.
  • Mangelnde Dokumentation: In vielen Fällen wird die Anwendung des Kristeller-Handgriffs nicht dokumentiert. Dies erschwert die Analyse der Risiken und die Aufklärung der Eltern über die Methode.
  • Ethische Bedenken: Die Anwendung des Kristeller-Handgriffs ohne Einverständnis der Gebärenden ist ethisch bedenklich. Die Methode sollte nur dann angewendet werden, wenn die Mutter darüber aufgeklärt wurde und ihr Einverständnis gegeben hat.

Alternativen zum Kristeller-Handgriff

Es gibt verschiedene Alternativen zum Kristeller-Handgriff, die für die Mutter und das Kind sicherer sind. Zu den gängigsten Methoden gehören:

  • Saugglocke: Die Saugglocke ist ein Gerät, das auf den Kopf des Kindes gesetzt wird, um es sanft aus dem Geburtskanal zu ziehen. Die Saugglocke ist eine schonendere Methode als der Kristeller-Handgriff und birgt weniger Risiken für die Mutter und das Kind.
  • Kaiserschnitt: Der Kaiserschnitt ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem das Kind durch einen Schnitt im Bauch der Mutter entbunden wird. Der Kaiserschnitt ist eine sichere Methode, die in Fällen angewendet wird, in denen eine vaginale Geburt zu riskant ist.
  • Positionierung der Mutter: Die Position der Mutter kann einen großen Einfluss auf den Verlauf der Geburt haben. Es gibt verschiedene Positionen, die die Geburt erleichtern und das Risiko von Komplikationen verringern können. Dazu gehören beispielsweise das Aufstehen, das Gehen und das Sitzen auf einem Geburtshocker.
  • Warten: In vielen Fällen ist es sinnvoll, abzuwarten und der Geburt ihren natürlichen Lauf zu lassen. Der Körper der Frau ist dafür gemacht, ein Kind zur Welt zu bringen, und die meisten Geburten verlaufen ohne Probleme, wenn man dem Körper Zeit gibt, sich anzupassen.

Häufig gestellte Fragen

Wann wird der Kristeller-Handgriff angewendet?

Der Kristeller-Handgriff wird in der Regel angewendet, wenn die Geburt verzögert ist oder das Kind in Notlage gerät. Die Methode kann auch eingesetzt werden, wenn die Mutter erschöpft ist oder nicht mehr die Kraft hat, das Kind zu pressen.

Ist der Kristeller-Handgriff schmerzhaft?

Ja, der Kristeller-Handgriff kann sehr schmerzhaft für die Gebärende sein. Der starke Druck auf den Uterus kann zu starken Schmerzen führen.

Welche Risiken hat der Kristeller-Handgriff für die Mutter?

Der Kristeller-Handgriff birgt verschiedene Risiken für die Mutter, darunter tiefe Dammrisse, Beckenbodenschäden, Blutergüsse und Schmerzen. Die Methode kann auch zu psychischen Belastungen führen.

Welche Risiken hat der Kristeller-Handgriff für das Kind?

Der Kristeller-Handgriff birgt auch Risiken für das Kind, darunter Sauerstoffmangel, Knochenschäden, Nervenschäden und Hirndruck. Die Methode kann zu schweren Komplikationen führen.

Gibt es Alternativen zum Kristeller-Handgriff?

Ja, es gibt verschiedene Alternativen zum Kristeller-Handgriff, die für die Mutter und das Kind sicherer sind. Dazu gehören die Saugglocke, der Kaiserschnitt, die Positionierung der Mutter und das Warten.

Wie kann ich mich gegen den Kristeller-Handgriff schützen?

Es ist wichtig, sich vor der Geburt über die Risiken des Kristeller-Handgriffs zu informieren. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme über Ihre Wünsche und Bedenken. Sie können auch eine Geburtshilfeeinrichtung wählen, die den Kristeller-Handgriff nicht anwendet.

Fazit

Der Kristeller-Handgriff ist eine umstrittene Geburtshilfemethode, die in der modernen Geburtshilfe zunehmend in der Kritik steht. Die Methode birgt erhebliche Risiken sowohl für die Mutter als auch für das Kind und es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass sie die Geburt beschleunigt oder das Kind vor Komplikationen schützt. Es gibt verschiedene Alternativen zum Kristeller-Handgriff, die für die Mutter und das Kind sicherer sind. Es ist wichtig, sich vor der Geburt über die Risiken des Kristeller-Handgriffs zu informieren und mit Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme über Ihre Wünsche und Bedenken zu sprechen.

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