Eine Wunde, die nicht aufhört zu bluten, kann ein beunruhigender Anblick sein. Während eine leichte Blutung nach einer kleinen Verletzung normal ist, kann eine anhaltende Blutung ein Zeichen für eine zugrunde liegende Erkrankung sein. Eine erhöhte Blutungsneigung, auch bekannt als Hämorrhagische Diathese, kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter Störungen der Blutgerinnung, Erkrankungen der Blutplättchen und Blutgefäßerkrankungen. In diesem Artikel werden wir die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten einer Blutungsneigung im Detail erläutern.
Was ist eine Blutungsneigung?
Eine Blutungsneigung liegt vor, wenn das Blut nicht richtig gerinnt und Wunden länger als normal bluten. Dies kann zu übermäßigen Blutungen nach kleinen Verletzungen, häufigem Nasenbluten, Zahnfleischbluten und leichter Bildung von Blutergüssen führen. In schweren Fällen können sogar spontane Blutungen unter die Haut, in Gelenke oder innere Organe auftreten.
Das Blutgerinnungssystem ist ein komplexer Prozess, der viele verschiedene Faktoren umfasst. Es ist wichtig, dass das Blut nicht an einer verletzten Stelle verklumpen kann, um einen Gefässverschluss zu verhindern. Gleichzeitig muss das Blutgerinnungssystem effektiv funktionieren, um Blutungen zu stoppen. Die Hämostase, wie die Blutstillung auch genannt wird, ist ein fein abgestimmter Prozess, der aus zwei Phasen besteht:
- Primäre Hämostase: Hier bilden die Blutplättchen einen Thrombus, der die undichte Stelle in einem Blutgefäss provisorisch verschliesst. Dieser Pfropf ist jedoch instabil und hält nur wenige Minuten lang.
- Sekundäre Hämostase: In dieser Phase wird der Pfropf aus Blutplättchen mithilfe von Fibrin, das durch das Enzym Thrombin gebildet wird, nachhaltig abgedichtet.
Eine Blutungsneigung kann auftreten, wenn entweder die primäre oder die sekundäre Hämostase gestört ist. Dies kann durch verschiedene Faktoren wie einen Mangel an Blutplättchen, eine Funktionsstörung der Blutplättchen, einen Mangel an Gerinnungsfaktoren oder durch Medikamente verursacht werden, die die Blutgerinnung beeinflussen.
Ursachen für eine Blutungsneigung
Die Ursachen für eine Blutungsneigung können sowohl angeboren als auch erworben sein. Angeborene Blutungsneigungen sind in der Regel genetisch bedingt und betreffen meist das Blutgerinnungssystem oder die Blutplättchen. Erworbene Blutungsneigungen können durch verschiedene Faktoren wie Medikamente, Erkrankungen oder Mangelernährung verursacht werden.
Blutungsneigung durch eine Blutgerinnungsstörung
Eine Blutgerinnungsstörung kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter:
- Nebenwirkungen von Medikamenten: Viele Medikamente können die Blutgerinnung beeinflussen, darunter Heparin, Antikoagulanzien, Schmerzmittel wie Aspirin, Kortison und Antibiotika.
- Leberfunktionsstörungen: Die Leber produziert wichtige Gerinnungsfaktoren. Ausgeprägte Leberfunktionsstörungen können zu einer Blutungsneigung führen.
- Vitamin-K-Mangel: Vitamin K ist essentiell für die Bildung einiger Gerinnungsfaktoren. Ein Mangel an Vitamin K kann die Blutgerinnung beeinträchtigen.
- Von-Willebrand-Syndrom: Dies ist die häufigste angeborene Ursache einer Blutungsneigung. Beim Von-Willebrand-Syndrom liegt ein Mangel oder eine Funktionsstörung des von-Willebrand-Faktors vor, der eine wichtige Rolle bei der Blutstillung spielt.
- Hämophilie: Die Bluterkrankheit ist eine seltene, angeborene Form der Blutungsneigung, bei der die Blutgerinnung gestört ist. Sie wird geschlechtsgebunden vererbt, so dass Männer häufiger betroffen sind als Frauen.
Blutungsneigung durch eine Störung der Blutplättchen (Thrombozyten)
Die Blutplättchen spielen eine wichtige Rolle bei der Blutstillung. Sind zu wenige Blutplättchen vorhanden oder funktionieren diese nicht richtig, kann dies zu einer erhöhten Blutungsneigung führen. Erkrankungen der Blutplättchen können durch folgende Faktoren verursacht werden:
- Blutplättchenmangel (Thrombozytopenie): Dies kann durch Infektionen, eine vergrösserte Milz, Alkoholmissbrauch, Schwangerschaft oder bestimmte Medikamente wie Ibuprofen oder Heparin verursacht werden. Auch eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Blutplättchen angreift (Immunthrombozytopenie), kann ursächlich sein.
- Funktionsstörungen der Blutplättchen (Thrombozytopathie): Die Anzahl der Blutplättchen ist hierbei häufig normal, diese funktionieren aber nicht richtig. Ursache hierfür sind häufig Medikamente, aber auch Erkrankungen wie eine Leukämie (Blutkrebs) oder angeborene Thrombozytenfunktionsstörungen.
Blutungsneigung durch Blutgefässerkrankungen
Sind die Blutgefässe krankhaft verändert, können sie weniger stabil sein und leichter bluten. Erkrankungen, die zu einer Blutungsneigung führen können, sind sowohl erblich bedingt als auch erworben und können das gesamte Blutgefässsystem oder einzelne Stellen betreffen. Beispiele für solche Erkrankungen sind:
- Morbus Osler: Diese seltene, erblich bedingte Erkrankung führt zu einer Erweiterung der Blutgefässe, wodurch sie sehr verletzlich werden und leichter bluten.
- Senila Purpura: Bei älteren Menschen kann die Brüchigkeit der kleinsten Blutgefässe zu Blutungen unter der Haut führen, vor allem am Handrücken und an den Unterarmen. Diese Blutungen sind in der Regel harmlos und verschwinden wieder.
- Erhöhte Durchlässigkeit von Gefässen: Dies kann im Alter oder nach einer langdauernden Cortisontherapie auftreten.
- Schwäche des Gefässbindegewebes: Ein Vitamin-C-Mangel (Skorbut) kann die Festigkeit des Gefässbindegewebes schwächen und zu einer erhöhten Blutungsneigung führen.
- Angeborene Gefässveränderungen: Diese sind jedoch insgesamt selten.
Symptome einer Blutungsneigung
Die Symptome einer Blutungsneigung können von leicht bis schwerwiegend reichen. Einige Menschen bemerken nur leichte Symptome, während andere schwere und lebensbedrohliche Blutungen erleben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat verschiedene Schweregrade für Blutungen festgelegt, wobei Grad 1 eine minimale Blutungsneigung und Grad 4 eine lebensbedrohliche Blutung bezeichnet.
Allgemeine Symptome einer Blutungsneigung:
- Starke und ungewöhnlich lange Blutungen, auch nach geringfügigen Verletzungen
- Häufiges Nasenbluten
- Häufiges Zahnfleischbluten
- Häufige blaue Flecken, schon nach kleinen Stössen
- Spontan auftretende Blutungen unter die Haut, in Gelenke oder innere Organe
- Verstärkte und verlängerte Menstruation
Spezielle Symptome, die auf bestimmte Ursachen hinweisen können:
- Blutgefässerkrankungen und Kortison-Nebenwirkungen: Häufige Blutergüsse, vor allem an den Unterarmen und Händen
- Störungen der plasmatischen Blutgerinnung: Grossflächige Blutergüsse und Neigung zu spontanen Blutungen in Weichteile, Gelenke usw.
- Blutplättchenmangel: Blutergüsse, Schleimhautblutungen und stecknadelgrosse Blutungen in der Haut, die nicht verschwinden, wenn man draufdrückt (Petechien)
- Funktionsstörung der Blutplättchen oder Von-Willebrand-Syndrom: Blutergüsse, Schleimhautblutungen, Petechien, Nasenbluten und starke Menstruationsblutungen
Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?
Bei Verdacht auf eine Blutungsneigung sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen. Ein Verdacht besteht, wenn:
- Sie häufiger oder ausgeprägter als früher blaue Flecken bekommen und nicht wissen, woher diese kommen
- Sie häufig Nasen- oder Zahnfleischbluten haben
- Sie eine ungewöhnlich starke Menstruation haben
- Sie punktförmige Einblutungen (Petechien) auf der Haut und Schleimhaut bemerken
- Nach Zahnextraktionen, Operationen oder Geburten ungewöhnlich starke Blutungen auftreten
- In der Familie eine Blutungsneigung bekannt ist, deren Abklärung auch bei Ihnen sinnvoll ist (beispielsweise vor einem anstehenden Eingriff)
- Sich eine Blutung nicht stoppen lässt (in diesem Fall sollten Sie unverzüglich einen Arzt aufsuchen)
Diagnose einer Blutungsneigung
Die Diagnose einer Blutungsneigung beginnt mit einer ausführlichen Anamnese, bei der der Arzt dem Patienten Fragen zu seiner Blutungsgeschichte stellt, zum Beispiel:
- Tritt bei Ihnen häufiges Nasenbluten auf?
- Bekommen Sie leicht blaue Flecken?
- Haben Sie den Eindruck, dass Wunden lange nachbluten?
- Traten ungewöhnliche Blutungen im Zusammenhang mit Zahnextraktionen, Operationen oder Geburten auf?
- Welche Medikamente nehmen Sie ein?
- Gibt es Fälle erhöhter Blutungsneigung in der Familie?
Danach werden in der Regel Blutuntersuchungen durchgeführt, um die Anzahl der Blutplättchen und die Gerinnungsfähigkeit des Blutes zu bestimmen. Hierzu gehören:
- Blutplättchenzählung: Ermittelt die Anzahl der Blutplättchen im Blut.
- Gerinnungstests: Messen die Geschwindigkeit, mit der das Blut gerinnt (Quick/INR, aPTT und Thrombinzeit).
- Rumpel-Leede-Test: Dieser Test dient zum Nachweis von Gefässschäden.
Bei Verdacht auf eine Störung der Blutplättchenbildung kann auch eine Knochenmarkuntersuchung notwendig sein.
Behandlung einer Blutungsneigung
Die Behandlung einer Blutungsneigung hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Ist die Ursache bekannt, kann sie in vielen Fällen behandelt oder beseitigt werden.
Medikamentöse Behandlung:
- Gerinnungsfaktoren: Bei einem Mangel an Gerinnungsfaktoren, wie bei der Hämophilie, können diese als Medikament verabreicht werden.
- Blutplättchenkonzentrat: Bei einem Blutplättchenmangel kann eine Transfusion von Blutplättchenkonzentrat die Anzahl der Blutplättchen im Blut erhöhen.
- Medikamente zur Verbesserung der Blutgerinnung: In einigen Fällen können Medikamente wie Desmopressin oder Tranexamsäure eingesetzt werden, um die Blutgerinnung zu verbessern.
- Absetzen von Medikamenten: Wenn die Blutungsneigung durch Medikamente verursacht wird, sollten diese abgesetzt werden, sobald dies medizinisch vertretbar ist.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten:
- Behandlung der Grunderkrankung: Ist eine Grunderkrankung wie eine Leukämie die Ursache der Blutungsneigung, muss diese behandelt werden.
- Veränderung des Lebensstils: Patienten mit einer Blutungsneigung sollten ihr Verletzungsrisiko minimieren, indem sie bestimmte Sportarten mit hoher Verletzungsgefahr vermeiden und auf eine gesunde Ernährung achten.
- Vorsichtsmassnahmen: Patienten mit einer Blutungsneigung sollten bei allen Eingriffen, wie Zahnextraktionen oder Operationen, ihren Arzt über ihre Erkrankung informieren, damit entsprechende Vorsichtsmassnahmen getroffen werden können.
Prognose einer Blutungsneigung
Die Prognose einer Blutungsneigung hängt von der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung ab. Einige Blutungsneigungen sind leicht behandelbar und verschwinden, sobald die Ursache behoben ist. Andere Blutungsneigungen, wie die Hämophilie oder das Von-Willebrand-Syndrom, sind nicht heilbar, aber mit einer entsprechenden Behandlung kann ein fast normales Leben möglich sein.
Es ist wichtig, dass Patienten mit einer Blutungsneigung regelmässig von einem Arzt kontrolliert werden, um den Verlauf der Erkrankung zu beobachten und bei Bedarf die Behandlung anzupassen.
Häufig gestellte Fragen zur Blutungsneigung
Was ist die häufigste Ursache für eine Blutungsneigung?
Die häufigste Ursache für eine Blutungsneigung ist eine Störung der Blutgerinnung. Diese kann durch verschiedene Faktoren wie Medikamente, Leberfunktionsstörungen, Vitamin-K-Mangel oder das Von-Willebrand-Syndrom verursacht werden.
Kann eine Blutungsneigung vererbt werden?
Ja, einige Blutungsneigungen, wie die Hämophilie oder das Von-Willebrand-Syndrom, sind genetisch bedingt und können vererbt werden.
Welche Medikamente können eine Blutungsneigung verursachen?
Viele Medikamente können die Blutgerinnung beeinflussen und zu einer Blutungsneigung führen. Zu den häufigsten Medikamenten, die eine Blutungsneigung verursachen können, gehören Heparin, Antikoagulanzien, Schmerzmittel wie Aspirin, Kortison und Antibiotika.
Wie kann ich das Risiko einer Blutungsneigung verringern?
Um das Risiko einer Blutungsneigung zu verringern, sollten Sie auf eine gesunde Ernährung achten, ausreichend Vitamin K zu sich nehmen und den Konsum von Alkohol und Tabak vermeiden. Wenn Sie Medikamente einnehmen, die die Blutgerinnung beeinflussen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Risiken und Nebenwirkungen.

Was kann ich tun, wenn ich eine Blutungsneigung habe?
Wenn Sie eine Blutungsneigung haben, ist es wichtig, dass Sie einen Arzt aufsuchen, um die Ursache der Blutungsneigung zu klären und eine geeignete Behandlung zu erhalten. Ihr Arzt wird Ihnen auch Empfehlungen für Ihren Lebensstil geben, um das Risiko von Blutungen zu minimieren.
Zusammenfassung
Eine Blutungsneigung kann ein ernstes Problem sein, aber mit einer entsprechenden Behandlung kann ein fast normales Leben möglich sein. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie eine Blutungsneigung haben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um die Ursache der Blutungsneigung zu klären und eine geeignete Behandlung zu erhalten.
Wenn Sie andere Artikel kennenlernen möchten, die Blutungsneigung: ursachen, symptome & behandlung ähneln, können Sie die Kategorie Gesundheit & schwangerschaft besuchen.
