Sprachentwicklungsstörungen bei kindern: ursachen, symptome & therapie

Die Entwicklung der Sprache ist ein komplexer Prozess, der sich über mehrere Jahre erstreckt und von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Bei einigen Kindern verläuft dieser Prozess jedoch nicht so reibungslos, wie es eigentlich sein sollte. Sie zeigen eine Sprachentwicklungsstörung (SES), die sich durch eine nicht altersgemäße Sprachentwicklung auszeichnet. Diese Störungen können sich in verschiedenen Bereichen der Sprache zeigen, wie z.B. In der Aussprache, im Wortschatz, in der Grammatik oder in der Kommunikation.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Sprachentwicklungsstörungen?

Eine Sprachentwicklungsstörung (SES) liegt vor, wenn ein Kind die Sprache nicht in dem Tempo und mit der Qualität erlernt, die für sein Alter typisch sind. Diese Störungen können sich bereits im Kleinkindalter zeigen, aber auch im Vorschul- und Grundschulalter auftreten.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Sprachentwicklungsstörungen nicht mit einer allgemeinen geistigen Behinderung gleichzusetzen sind. Viele Kinder mit SES haben eine normale Intelligenz und zeigen nur in der Sprachentwicklung Auffälligkeiten.

Klassifizierung von Sprachentwicklungsstörungen

Sprachentwicklungsstörungen werden in zwei Hauptkategorien eingeteilt:

  • Spezifische Sprachentwicklungsstörungen (SSES) , auch primäre Sprachstörungen genannt, betreffen ausschließlich die sprachlichen Fähigkeiten. Alle anderen Fähigkeiten sind altersgemäß entwickelt.
  • Sprachentwicklungsstörungen (SES) , auch sekundäre Sprachstörungen genannt, treten in Verbindung mit anderen Entwicklungsstörungen auf, z.B. Im Rahmen von genetischen Syndromen oder neurologischen Erkrankungen.

Ursachen von Sprachentwicklungsstörungen

Die Ursachen für Sprachentwicklungsstörungen sind vielfältig und können sowohl genetische, neurologische, organische, psychische, soziokulturelle als auch umweltbedingte Faktoren umfassen.

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Genetische und neurologische Faktoren

Genetische Faktoren können eine Rolle spielen, wenn in der Familie bereits Sprachentwicklungsstörungen aufgetreten sind. Neurologische Faktoren wie z.B. Frühkindliche Hirnschädigungen können ebenfalls zu Sprachentwicklungsstörungen führen.

Organische und medizinische Faktoren

Organische Faktoren wie Hörstörungen können die Sprachentwicklung erheblich beeinträchtigen, da Kinder die Sprache nicht richtig hören und somit auch nicht lernen können. Auch medizinische Faktoren wie z.B. Lippen-Kiefer-Gaumenspalten können die Aussprache erschweren.

Psychische Faktoren

Psychische Faktoren wie z.B. Trennung der Eltern, Rivalität zwischen Geschwistern oder ein schwieriges Familienklima können sich ebenfalls negativ auf die Sprachentwicklung auswirken.

Soziokulturelle Faktoren

Soziokulturelle Faktoren wie z.B. Mangelnde Sprachanregung im häuslichen Umfeld, der Erwerb von mehreren Sprachen (Zweit- und Mehrsprachenerwerb) oder ein niedriger sozioökonomischer Status können die Sprachentwicklung ebenfalls beeinflussen.

Umweltbedingte Faktoren

Umweltbedingte Faktoren wie z.B. Reizüberflutung durch Fernsehen, Computer oder andere Medien können die Konzentration und Aufmerksamkeit des Kindes beeinträchtigen und somit die Sprachentwicklung behindern.

Symptome von Sprachentwicklungsstörungen

Die Symptome von Sprachentwicklungsstörungen können je nach Art und Schweregrad der Störung sehr unterschiedlich sein. Einige häufige Symptome sind:

Phonetisch-phonologische Störungen (Dyslalie)

Phonetisch-phonologische Störungen betreffen die Aussprache von Lauten. Diese Störungen können sich auf verschiedene Arten äußern, z.B. Durch:

  • Phonetische Störungen : Der Laut kann sprechmotorisch nicht störungsfrei gebildet werden (z.B. Lispeln, wenn der Laut /s/ nicht korrekt gebildet wird).
  • Phonologische Störungen : Der Laut wird im sprachlichen Kontext nicht korrekt gebildet, obwohl er isoliert korrekt produziert werden kann.

Semantisch-lexikalische Störungen

Semantisch-lexikalische Störungen betreffen den Wortschatz und das Sprachverständnis. Kinder mit diesen Störungen haben Schwierigkeiten, neue Wörter zu lernen und zu verstehen. Sie haben einen eingeschränkten Wortschatz und können Wörter nicht korrekt verwenden oder verstehen.

Syntaktisch-morphologische Störungen (Dysgrammatismus)

Syntaktisch-morphologische Störungen betreffen die Grammatik. Kinder mit diesen Störungen haben Schwierigkeiten, grammatikalische Regeln anzuwenden und Sätze korrekt zu bilden. Sie können z.B. Probleme mit der Artikelbildung, der Pluralbildung oder der Satzstellung haben.

Pragmatisch-kommunikative Störungen

Pragmatisch-kommunikative Störungen betreffen die Kommunikation und den Dialog. Kinder mit diesen Störungen haben Schwierigkeiten, sich in Gesprächen angemessen zu verhalten, die Gesprächsregeln einzuhalten oder ihre Gedanken und Gefühle klar auszudrücken. Sie haben oft Probleme mit dem Erzählen von Geschichten, der Beschreibung von Bildern oder der Interpretation von nonverbalen Signalen.

Rezeptive Störungen

Rezeptive Störungen betreffen das Sprachverständnis. Kinder mit diesen Störungen haben Schwierigkeiten, Sprache zu verstehen. Sie können z.B. Schwierigkeiten haben, Anweisungen zu verstehen, Fragen zu beantworten oder Geschichten zu verstehen.

Therapie von Sprachentwicklungsstörungen

Die Therapie von Sprachentwicklungsstörungen ist ein langwieriger Prozess, der individuell auf die Bedürfnisse des Kindes angepasst werden muss. Die Therapieziele sind:

  • Verbesserung der sprachlichen Fähigkeiten des Kindes
  • Förderung der sprachlichen Entwicklung des Kindes
  • Kompensation von sprachlichen Defiziten
  • Integration des Kindes in die Gesellschaft

Inhalte der Sprachtherapie

Die Inhalte der Sprachtherapie hängen von der Art und Schweregrad der Sprachentwicklungsstörung ab. Einige Beispiele für Therapieinhalte sind:

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  • Bei phonetischen Störungen : Mundmotorikübungen zur Verbesserung der Beweglichkeit von Lippen und Zunge, Artikulationsübungen zur korrekten Bildung von Lauten, Transfer der korrekten Lautbildung in die Alltagskommunikation.
  • Bei phonologischen Störungen : Training der auditiven Wahrnehmung, Reime erkennen und bilden, Silben segmentieren, Laut-zu-Wort-Vergleich, Erkennen von Wörtern in Sätzen und Texten.
  • Bei syntaktisch-morphologischen Störungen : Aufbau des Grammatikerwerbs, Training der Satzbildung, Übungen zur Artikelbildung und Pluralbildung.
  • Bei pragmatisch-kommunikativen Störungen : Training der Gesprächsführung, Übungen zur Interpretation nonverbaler Signale, Förderung der Fähigkeit, Geschichten zu erzählen und Bilder zu beschreiben.
  • Bei rezeptiven Störungen : Training des Sprachverständnisses, Übungen zum Verstehen von Anweisungen, Fragen und Geschichten.

Angewandte Methoden

Es gibt verschiedene Therapiemethoden, die bei Sprachentwicklungsstörungen eingesetzt werden können. Einige Beispiele sind:

  • Neurofunktionelle Reorganisation® nach Padovan : Diese Methode zielt darauf ab, die neuronalen Verbindungen im Gehirn zu stärken und die Sprachentwicklung zu fördern.
  • Psycholinguistisch orientierte Phonologie Therapie (P.O.P.T.) nach Fox-Boyer : Diese Methode konzentriert sich auf die Verbesserung der phonologischen Fähigkeiten des Kindes.
  • Patholinguistische Therapie nach Kauschke und Siegmüller : Diese Methode zielt darauf ab, die sprachlichen Fähigkeiten des Kindes auf allen Ebenen (Phonetik, Phonologie, Semantik, Syntax, Pragmatik) zu verbessern.
  • Kontextoptimierung nach Motsch : Diese Methode zielt darauf ab, die sprachliche Umgebung des Kindes so zu gestalten, dass es optimal lernen kann.
  • Frühe Sprachentwicklungstherapie nach Zollinger : Diese Methode zielt darauf ab, die Sprachentwicklung des Kindes in den ersten Lebensjahren zu fördern.
  • Orofaziale Regulationstherapie (ORT) nach Castillo Morales : Diese Methode zielt darauf ab, die motorischen Fähigkeiten des Mundes und der Gesichtsmuskulatur zu verbessern.
  • Sensorische Integration® (SI) nach Ayres : Diese Methode zielt darauf ab, die sensorischen Fähigkeiten des Kindes zu verbessern.
  • Brain-Gym® nach Dennison : Diese Methode zielt darauf ab, die Gehirnfunktionen des Kindes zu verbessern.
  • NOVAFON® : Schallwellengerät zur lokalen Vibrationstherapie, das bei der Behandlung von Sprachstörungen eingesetzt werden kann.

Wegweiser für Sprachentwicklungsstörungen

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Wenn Sie sich Sorgen um die Sprachentwicklung Ihres Kindes machen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Dies gilt insbesondere, wenn Ihr Kind:

  • Mit 3 Jahren nur wenig, sehr undeutlich und schwer verständlich spricht
  • Mit 4 Jahren einen nicht altersgemäßen Satzbau, Aussprache und Wortschatz hat

In der U8/U9 wird der Sprachentwicklungsstand des Kindes überprüft. Sollten Auffälligkeiten festgestellt werden, wird der Kinderarzt Sie an einen Facharzt für Sprachtherapie (Logopädie) überweisen.

Wie und wo findet die Sprachtherapie statt?

Die Sprachtherapie findet in der Regel in einer Logopädie-Praxis statt. Sie wird von einem qualifizierten Logopäden durchgeführt. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Sprachtherapie. Bei gesetzlich Versicherten über 18 Jahren ist in der Regel eine gesetzliche Zuzahlung zu leisten.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu Sprachentwicklungsstörungen finden Sie auf den Websites der folgenden Organisationen:

  • Deutscher Bundesverband für akademische Sprachtherapie und Logopädie (dbs) e.V.
  • Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP) e.V.
  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) e.V.
  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (dgkjp) e.V.
  • Informationsangebot für Eltern der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Zu Sprachentwicklungsstörungen

Was ist der Unterschied zwischen einer Sprachentwicklungsstörung und einer Sprachbehinderung?

Eine Sprachentwicklungsstörung bezeichnet eine nicht altersgemäße Sprachentwicklung, während eine Sprachbehinderung eine dauerhafte Beeinträchtigung der Sprachfähigkeit ist. Sprachentwicklungsstörungen können durch Therapie verbessert werden, während Sprachbehinderungen in der Regel nicht vollständig behoben werden können.

Kann man Sprachentwicklungsstörungen vorbeugen?

Es gibt keine Garantie, dass man Sprachentwicklungsstörungen vorbeugen kann, aber man kann das Risiko durch verschiedene Maßnahmen reduzieren. Dazu gehören:

  • Viel mit dem Kind sprechen und singen
  • Dem Kind Bücher vorlesen
  • Das Kind zum Erzählen von Geschichten anregen
  • Das Kind in spielerische Aktivitäten einbeziehen, die die Sprachentwicklung fördern
  • Auf eine gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf achten
  • Das Kind vor übermäßigen Medienkonsum schützen

Was kann ich tun, wenn mein Kind eine Sprachentwicklungsstörung hat?

Wenn Sie befürchten, dass Ihr Kind eine Sprachentwicklungsstörung hat, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Er kann Ihr Kind untersuchen und Ihnen gegebenenfalls eine Überweisung zu einem Logopäden ausstellen. Es ist wichtig, dass Ihr Kind so früh wie möglich mit der Sprachtherapie beginnt, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.

Wie lange dauert eine Sprachtherapie?

Die Dauer der Sprachtherapie hängt von der Art und Schweregrad der Sprachentwicklungsstörung ab. In der Regel dauert die Therapie mehrere Monate bis zu mehreren Jahren. Es ist wichtig, dass die Therapie regelmäßig durchgeführt wird, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.

Was passiert, wenn ein Kind mit einer Sprachentwicklungsstörung nicht behandelt wird?

Wenn ein Kind mit einer Sprachentwicklungsstörung nicht behandelt wird, kann dies zu verschiedenen Problemen führen, z.B. Zu:

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  • Schwierigkeiten in der Schule
  • Soziale Isolation
  • Selbstwertprobleme
  • Probleme bei der Berufswahl

Es ist daher wichtig, dass Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen so früh wie möglich behandelt werden, um diese Probleme zu vermeiden.

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