Das Simson SL1 ist ein Kleinkraftrad, das von der Firma Simson in der DDR hergestellt wurde. Es wurde als Mofa konzipiert, aber aufgrund seiner Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h gehört es nicht in diese Fahrzeugklasse. Der Produktionsstart war im Juli 1970, aber das SL1 konnte sich nicht gegen die Konkurrenz durchsetzen und wurde im März 1972 eingestellt.
Die Geschichte des Simson SL1
Die Entwicklung des Simson SL1 war von verschiedenen Faktoren beeinflusst. In der Bundesrepublik Deutschland etablierten sich Ende der 1960er-Jahre 25-km/h-Mofas als eine neue Fahrzeugkategorie, die viel Zuspruch in der Bevölkerung fand. Simson wollte mit dem SL1 diesem Trend folgen. Die Fachpresse sah in einem Mofa auch die Chance, die große Nachfrage nach den Simson-Kleinkrafträdern teilweise durch den Verkauf eines simplen Mofas abzudecken. Außerdem sollte es diejenigen ansprechen, denen die Vogelserie zu teuer oder zu kompliziert war, und sich auch zum Fahrradfahren eignen.
Die Erwartungen an das SL1 erfüllten sich jedoch nur teilweise. Der Gesetzgeber stufte das SL1 in die Klasse der Fahrräder mit Hilfsmotor mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h ein. Diese Klasse war fahrerlaubnispflichtig. Der angestrebte niedrige Preis von 550 Mark konnte ebenfalls nicht erreicht werden. Das SL1 kam schließlich für 695 Mark in den Verkauf. Auch war es in der Praxis nicht einfacher zu bedienen als die Simson-Mokicks.
Im Jahr 1970 wurde eine Variante mit gefederter Vorderradgabel und Gepäckträger vorn als Mofa SL 1 S eingeführt. Diese brachte jedoch keine Trendwende, ebenso wenig der auf 640 Mark abgesenkte Preis für die ungefederte Ausführung. Im Frühjahr 1971 produzierte man sogar auf Halde, während die Nachfrage nach den schnelleren Mokicks von Simson ungebrochen groß blieb. Nach nur 60.200 Exemplaren wurde die Produktion des SL1 im März 1972 eingestellt.
Technische Merkmale des Simson SL1
Das Simson SL1 weicht technisch von den anderen Simson-Zweirädern stark ab. Standardisierte Bauteile finden sich am Typ SL1 kaum. Der Hauptrahmen und die zunächst ungefederte Vorderradgabel bestehen aus verschweißten Kastenprofilen. Der Hinterrahmen ist angeschraubt. Der Schwingsattel mit Zentralfeder ist beim Typ SL1 die einzige Federung. Lenker und Sattel sind höhenverstellbar. Anstatt eines Gepäckträgers befindet sich über dem Hinterrad der Kraftstoffbehälter. Anfangs sollten schmalere Reifen (20x2,00) eingebaut werden, die allerdings wegen (angeblicher) Überlastung vom DAMW nicht zugelassen wurden. Somit wurden letztendlich Ballonreifen der Größe 20x2,25 verwendet. Das Modell SL1 S besaß eine Vorderradgabel mit Kurzschwinge mit 50 mm Federweg.
Der liegend angeordnete 50-cm³-Motor mit radialer Verrippung ist konstruktiv auf eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h ausgelegt. Der sehr einfache Vergaser arbeitet ohne Ausgleichsmechanismen im gesamten Betriebsbereich. Um trotz der nicht vorhandenen Gangschaltung eine annehmbare Beschleunigung ohne hohe Drehzahlen zu gewährleisten, entfaltet der Motor sein maximales Drehmoment von 0,38 kpm bereits bei 2500/min.
Eine Fliehkraftkupplung überträgt das Motormoment auf eine kleine Riemenscheibe, die mittels Keilriemen mit einer großen Scheibe auf der Pedalwelle verbunden ist. Über einen daran gekuppelten Kettenantrieb geht die Kraftübertragung auf das Hinterrad. Ein zweiter Kettenantrieb mit Freilauf im hinteren Zahnkranz und größerer Übersetzung dient zum Fahrrad fahren. Durch einen Hebelmechanismus kann der Riemenantrieb von der Fahrradkette abgekuppelt werden, um das Radfahren zu erleichtern. Genau genommen besitzt das Mofa SL1 daher zwei Gänge und sogar drei Kupplungen.
Technische Daten des Simson SL1
| Kenngröße | Mofa SL1 | Mofa SL 1S |
|---|---|---|
| Motor | Simson-Zweitakt Typ M 51 A | Simson-Zweitakt Typ M 51 A |
| Zylinder | 1 | 1 |
| Starter | Pedaltrieb | Pedaltrieb |
| Kühlung | Fahrtwind | Fahrtwind |
| Bohrung (mm) | 40 | 40 |
| Hub (mm) | 39,5 | 39,5 |
| Hubraum (cm³) | 49,6 | 49,6 |
| Verdichtung | 8:1 | 8:1 |
| Zündkerze | M14-240 | M14-240 |
| Zündzeitpunkt | 1,8 mm vor OT | 1,8 mm vor OT |
| Leistung (PS/min) | 1,6/4000 | 1,6/4000 |
| maximales Drehmoment (Nm) | 3,2 | 3,2 |
| Getriebe | 1-Gang, Automatik | 1-Gang, Automatik |
| Vergaser | BVF 11 N1-1 | BVF 11 N1-1 |
| Tankinhalt (l) | 3,2 | 3,2 |
| Rahmen | Kasten-Trägerrahmen | Kasten-Trägerrahmen |
| Bereifung | 20x2,25 | 20x2,25 |
| Bremse vorn/hinten | Trommel | Trommel |
| Radführung vorn | starre Gabel | Kurzschwinge auf Schraubenfedern |
| Radführung hinten | starre Aufhängung | starre Aufhängung |
| Eigengewicht (kg) | 38,5 | 40 |
| Höchstgeschwindigkeit (km/h) | 30 | 30 |
| Bauzeit | 1970–1971 | 1971–1972 |
| Stückzahl | 60 200 | 60 200 |
| Kraftstoff | Gemisch 1:33 | Gemisch 1:33 |
| Verbrauch je 100 km (l) | 1,6–1,8 | 1,6–1,8 |
| Sitzplätze | 1 | 1 |
Kritik am Simson SL1
Das Simson SL1 wurde von der Fachpresse und den Nutzern eher misstrauisch aufgenommen. Die Kritikpunkte waren:
- Der Startvorgang war umständlich.
- Der Kaltstart gestaltete sich hakelig.
- Der Vergaser war durch einen wenig haltbaren Gummischlauch mit dem Zylinderflansch verbunden.
- Der Gepäckträger vorn mit Korb war zwar praktisch, aber anfangs werksseitig nicht – und im Zubehörhandel nur schwer – erhältlich.
- Der Fahrkomfort war dürftig.
- Das Äußere war spartanisch.
- Es kam zu enormer Ölkohlebildung im Motor.
- Das SL1 wurde als Verkehrshindernis gesehen, da es auf Radwegen mit Motorkraft nicht gefahren werden durfte.
Rechtliche Situation des Simson SL1
Zu DDR-Zeiten wurde das Simson SL1 als Mofa zur Gruppe der „Fahrräder mit Hilfsmotor“ gezählt. Es bestand aber sowohl Haftpflichtversicherungs- als auch Führerscheinpflicht. Laut Einigungsvertrag werden Fahrräder mit Hilfsmotor im Sinne der bisherigen Vorschriften der DDR auch in der BRD als Fahrräder mit Hilfsmotor anerkannt. Der entsprechende § 18 der StVZO wurde im Jahr 2007 gestrichen. Seitdem muss demnach auch für das Simson SL1 eine Betriebserlaubnis vorgelegt werden. Diese kann beim Kraftfahrtbundesamt beantragt werden.
Das Simson SL2
Im Jahr 1990 wurde von einem Simson-Mofa SL 2 gesprochen. Es handelte sich dabei um ein Mofa von Solo aus Sindelfingen, dessen Produktion nach Suhl verlegt und als „Simson SL 2“ verkauft werden sollte. Für 1991 wurde dessen Serienproduktion in Suhl angekündigt, die jedoch nicht eintrat.
Zum Simson SL1
Wie schnell ist ein Simson SL1?
Die Höchstgeschwindigkeit des Simson SL1 beträgt 30 km/h.
Ist ein Simson SL1 ein Mofa?
Obwohl es als Mofa konzipiert wurde, gilt das Simson SL1 aufgrund seiner Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h nicht als Mofa. Es gehört zur Klasse der Fahrräder mit Hilfsmotor.
Wie viel kostet ein Simson SL1?
Der Preis eines Simson SL1 hängt vom Zustand und der Ausstattung ab. Ein gebrauchtes SL1 kann zwischen 500 und 1500 Euro kosten.
Wo kann man ein Simson SL1 kaufen?
Ein Simson SL1 kann bei privaten Anbietern oder bei spezialisierten Händlern für Oldtimer und Motorräder gekauft werden.
Was sind die Vor- und Nachteile des Simson SL1?
Vorteile:
- Einfache Bedienung
- Günstiger Preis
- Relativ sparsam im Verbrauch
- Nostalgischer Charme
Nachteile:
- Langsame Höchstgeschwindigkeit
- Dürftiger Fahrkomfort
- Anfälliger Motor
- Ersatzteile können schwierig zu finden sein
Fazit
Das Simson SL1 war ein ambitioniertes Projekt, das jedoch nicht den Erwartungen gerecht werden konnte. Es war zu langsam, zu teuer und zu unzuverlässig. Dennoch hat es seine Fans und Sammler gefunden, die es für seinen Nostalgischen Charme schätzen. Heute ist das Simson SL1 ein seltenes und begehrtes Sammlerstück.
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