Die Geburt von Ferkeln, auch bekannt als Abferkeln, ist ein wichtiger Prozess in der Schweinezucht. Eine erfolgreiche Geburt hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Gesundheit der Sau, die optimale Umgebung und die rechtzeitige Erkennung von Anzeichen für Komplikationen. In diesem Artikel werden wir die wichtigsten Anzeichen für eine bevorstehende Geburt bei Schweinen beleuchten, den Geburtsprozess im Detail erklären und wichtige Maßnahmen zur Geburtshilfe und zur Vermeidung von Komplikationen erläutern.
- Anzeichen einer bevorstehenden Geburt
- Der Geburtsprozess
- Geburtshilfe und Komplikationen
- Geburtsstörungen (Dystokien)
- Maßnahmen bei Geburtskomplikationen
- Hygiene bei der Geburtshilfe
- Häufig gestellte Fragen
- Wie lange dauert es, bis ein Schwein seine Ferkel geboren hat?
- Was sind die häufigsten Ursachen für Geburtskomplikationen bei Schweinen?
- Was kann ich tun, wenn ein Schwein Schwierigkeiten bei der Geburt hat?
- Was sind die Anzeichen für eine bevorstehende Geburt bei Schweinen?
- Wie kann ich Geburtskomplikationen bei Schweinen vorbeugen?
- Zusammenfassung
Anzeichen einer bevorstehenden Geburt
Die Trächtigkeit einer Sau dauert durchschnittlich 114 Tage, mit Schwankungsbreiten von etwa zwei Tagen. In den Tagen vor der Geburt zeigt die Sau verschiedene Anzeichen, die auf eine bevorstehende Geburt hindeuten. Diese Anzeichen können helfen, den Geburtstermin zu prognostizieren und rechtzeitig Maßnahmen zur Geburtshilfe zu ergreifen.
Typische Anzeichen für eine bevorstehende Geburt:
- Nestbauverhalten: Die Sau beginnt, ein Nest zu bauen, indem sie Stroh oder andere Materialien in ihrer Bucht zusammenträgt und umlagert. Dieses Verhalten ist ein deutliches Zeichen für eine bevorstehende Geburt.
- Gesäugeentwicklung: Das Gesäuge der Sau entwickelt sich in den Tagen vor der Geburt deutlich. Die Zitzen werden größer und roter, und es kommt zum Milcheinschuss, der die Zitzen sichtbar anschwellen lässt.
- Ruhelosigkeit: Die Sau wird unruhiger und nervöser, als dies in der Regel der Fall ist.
- Temperaturveränderung: Die Körpertemperatur der Sau kann in den Tagen vor der Geburt leicht sinken.
Diese Anzeichen können jedoch variieren und nicht alle Sauen zeigen alle Symptome. Es ist wichtig, die Sauen in den Tagen vor der Geburt genau zu beobachten und auf Auffälligkeiten zu achten.
Der Geburtsprozess
Der Geburtsprozess bei Schweinen lässt sich in drei Phasen unterteilen:
Vorbereitungsstadium:
Das Vorbereitungsstadium beginnt bereits einige Tage vor dem Abferkeln. In dieser Phase zeigen die Sauen das oben beschriebene Nestbauverhalten, das Gesäuge entwickelt sich deutlich, und es kommt zum Milcheinschuss unmittelbar vor der Geburt (ante partum).
Öffnungsstadium:
Das Öffnungsstadium ist der eigentliche Beginn der Geburt. In dieser Phase öffnet sich der Muttermund zunächst passiv. Im weiteren Verlauf setzen die Wehen ein, die für die Öffnung des Geburtskanals und den Abgang des Fetus verantwortlich sind.
Austreibungsstadium:
Das Austreibungsstadium beginnt mit dem Sprung der Fruchtblase der ersten Frucht. Es ist charakterisiert durch starke und häufige Presswehen, die den Abgang der Ferkel aus dem Geburtskanal bewirken. Beim Schwein dauert das Austreibungsstadium aufgrund der Geburt vieler Ferkel relativ lange. Im Laufe dessen wird alle zehn bis 30 Minuten ein Ferkel geboren. Die Gesamtdauer des Austreibungsstadiums beträgt durchschnittlich vier Stunden und sollte sechs Stunden nicht überschreiten.
Nach der Geburt jedes Ferkels wird die Nachgeburt, die Plazenta, ausgeschieden. Der Abgang der Nachgeburten kann entweder nach jedem Ferkel erfolgen, oder es gehen zwischen der Geburt zweier Ferkel mehrere Nachgeburten ab. Innerhalb von vier Stunden nach der Geburt (postpartal) sollte der Abgang aller Nachgeburten erfolgt sein.
Geburtshilfe und Komplikationen
Die intensive Geburtsüberwachung ermöglicht frühzeitiges Eingreifen bei Problemen und erhöht die Überlebensrate der Ferkel. Eine visuelle Geburtsüberwachung sollte alle 30 bis 60 Minuten erfolgen. Werden eine oder mehrere der folgenden Parameter beobachtet, ist von einem gestörten Geburtsverlauf auszugehen:
Anzeichen für Komplikationen:
- Verzögerte Geburt: Wenn nach mehr als sechs Stunden kein Ferkel geboren wurde.
- Starke Blutungen: Wenn die Sau stark blutet, kann dies auf einen Riss im Geburtskanal oder eine andere Komplikation hindeuten.
- Verschmutzung des Fruchtwassers: Wenn das Fruchtwasser mit Mekonium (erster Kot der Ferkel) verunreinigt ist, kann dies auf eine Sauerstoffarmut beim Ferkel hindeuten.
- Schwierigkeiten beim Abgang der Nachgeburt: Wenn die Nachgeburt nicht innerhalb von vier Stunden nach der Geburt abgegangen ist.
- Unregelmäßige Wehen: Wenn die Wehen schwach oder unregelmäßig sind.
Bei verzögerten Geburten wird zudem häufig eine Verschmutzung des Fruchtwassers mit Mekonium beobachtet. Dies kann ein Zeichen für eine Sauerstoffarmut beim Ferkel sein.
Geburtsstörungen (Dystokien)
Geburtsstörungen, auch bekannt als Dystokien, kommen bei Schweinen seltener vor als bei anderen Nutztieren. Studien bei Hausschweinen zeigen Komplikationen bei etwa 0,25 bis 2,9 Prozent der Würfe. Geburtskomplikationen können maternalen (von der Mutter) oder fetalen (vom Ferkel) Ursprungs sein.
Maternale Dystokien:
- Mechanische Geburtshindernisse: Übermäßige Beckenbemuskelung oder die Trächtigkeit unterentwickelter Jungsauen stellen mögliche Ursachen für eine zu enge Beckenpassage dar. Bei mechanisch bedingten Geburtshindernissen sind häufig im Becken eingekeilte Ferkel fühlbar.
- Wehenschwäche: In diesem Fall ist im Bereich des Beckens kein Ferkel zu fühlen.
Fetale Dystokien:
- Zu große Ferkel: Zu große Ferkel sind äußerst selten und treten meist in Zusammenhang mit geringen Ferkelzahlen bei körperlich unterentwickelten Jungsauen auf.
- Fehllage oder -stellung des Fetus: Ferkel können in Vorder- (Kopf zuerst) und Hinterendlage (Hinterbeine zuerst) in oberer (Rückenlinie nach oben) und unterer (Rückenlinie nach unten) Stellung entbunden werden. Einzig die Querlage bedarf ein manipulatives Eingreifen.
Maßnahmen bei Geburtskomplikationen
Bei Komplikationen während der Geburt ist es wichtig, schnell und fachgerecht zu handeln, um die Gesundheit der Sau und der Ferkel zu schützen. Hier sind einige wichtige Maßnahmen:
Geburt einleiten:
Beträgt die Trächtigkeitsdauer bereits mehr als 116 Tage, kann die Geburt eingeleitet werden. Eine Geburtseinleitung vor dem 11Trächtigkeitstag ist in jedem Fall zu vermeiden, da die Ferkel aufgrund der nicht abgeschlossenen Lungenreifung nicht überlebensfähig sind.
Für die Geburtseinleitung kommen Prostaglandin Typ F– 2-alpha oder Clostropenol zum Einsatz. 24 Stunden später wird Oxytocin verabreicht, woraufhin nach einer bis drei Stunden in der Regel die Geburt beginnt.
Manuelle Geburtshilfe:
Ist die Geburt verzögert oder ist dem Fruchtwasser viel Mekonium beigemengt, ist unverzüglich eine manuelle Geburtshilfe durchzuführen. Hierbei wird zunächst die äussere Scheide mit einem trockenen Papiertuch grob gereinigt. Anschliessend werden die Hände und Arme bis zu den Schultern gewaschen und ein Rektalisierungshandschuh angezogen. Unter Verwendung von viel Gleitmittel wird vorsichtig die Hand in den Geburtskanal eingeführt.
Hierbei wird versucht, eventuelle Geburtshindernisse zu ertasten und wenn möglich zu entfernen. Wenn beim Eingreifen ein Ferkel entbunden wird, ist zu warten, bis ein weiteres Ferkel von selbst geboren wird. Kann kein geburtsverzögerndes Hindernis ertastet werden, kann Oxytocin verabreicht werden.
Oxytocin verabreichen:
Oxytocin ist ein Wehen stimulierendes Medikament, welches bei verzögerten Geburten oder der Geburtseinleitung eingesetzt werden kann. Dem Einsatz von Oxytocin im Rahmen der Geburtshilfe geht immer eine manuelle Geburtshilfe voraus. Ist dies nicht der Fall, kann ein den Geburtskanal blockierendes Hindernis (z. B. Ein steckendes Ferkel) die Geburt von Ferkeln trotz Wehentätigkeit verhindern. Dies kann im schlimmsten Fall zum Riss des Uterus und zum Tod der Sau und des gesamten Wurfes führen.
Ist der Geburtskanal frei, wird 0,7 ml Oxytocin bei Jungsauen oder maximal ein Milliliter Oxytocin bei Altsauen intramuskulär hinter dem Ohr verabreicht. Daraufhin kommt es in der Regel innerhalb von 15 Minuten zur Geburt eines oder mehrerer Ferkel. Ist dies nicht der Fall, kann nach erneutem Eingreifen nach zirka 20 Minuten nochmals Oxytocin verabreicht werden. Auf keinen Fall darf mehr als zwei Milliliter Oxytocin auf einmal oder innerhalb von 20 Minuten verabreicht werden, da dies den Uterus für die Wehenstimulation für mehrere Stunden unempfindlich macht und die Geburt somit zum Stillstand kommt.
Hygiene bei der Geburtshilfe
Auf die Hygiene ist bei der Geburtshilfe besonderer Wert zulegen. Hierbei ist unbedingt ein Rektalisierungshandschuh zu tragen. Reichlich Gleitgel erleichtert das Eingreifen. Diese Maßnahmen helfen, Infektionen bei der Sau und den Ferkeln zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert es, bis ein Schwein seine Ferkel geboren hat?
Die Gesamtdauer des Austreibungsstadiums beträgt durchschnittlich vier Stunden und sollte sechs Stunden nicht überschreiten.
Was sind die häufigsten Ursachen für Geburtskomplikationen bei Schweinen?
Häufige Ursachen für Geburtskomplikationen sind mechanische Geburtshindernisse, Wehenschwäche, zu große Ferkel und Fehllagen des Fetus.
Was kann ich tun, wenn ein Schwein Schwierigkeiten bei der Geburt hat?
Bei Komplikationen während der Geburt ist es wichtig, schnell und fachgerecht zu handeln. Wenden Sie sich an einen Tierarzt, der Ihnen bei der manuellen Geburtshilfe, der Verabreichung von Oxytocin oder anderen Maßnahmen helfen kann.
Was sind die Anzeichen für eine bevorstehende Geburt bei Schweinen?
Die Sau zeigt verschiedene Anzeichen, wie Nestbauverhalten, Gesäugeentwicklung, Ruhelosigkeit und eine leicht sinkende Körpertemperatur.
Wie kann ich Geburtskomplikationen bei Schweinen vorbeugen?
Eine gesunde Ernährung, eine optimale Umgebung und eine regelmäßige Überwachung der Sauen können Geburtskomplikationen vorbeugen. Es ist auch wichtig, die Sauen in den Tagen vor der Geburt genau zu beobachten und auf Auffälligkeiten zu achten.
Zusammenfassung
Die Geburt von Ferkeln ist ein komplexer Prozess, der von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Die rechtzeitige Erkennung von Anzeichen für eine bevorstehende Geburt, die intensive Geburtsüberwachung und das frühzeitige Eingreifen bei Komplikationen sind entscheidend für eine erfolgreiche Geburt und die Gesundheit der Sau und der Ferkel. Durch die Anwendung der in diesem Artikel beschriebenen Maßnahmen können Sie die Geburt Ihrer Sauen optimal unterstützen und die Überlebensrate der Ferkel erhöhen.
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