Die meisten Schwangerschaften verlaufen ohne Komplikationen und enden mit der Geburt eines gesunden Kindes. Doch es gibt Situationen, in denen das Risiko für Komplikationen erhöht ist. In diesen Fällen spricht man von einer Risikoschwangerschaft. Obwohl der Begriff beängstigend klingen mag, bedeutet eine Risikoschwangerschaft nicht automatisch, dass es zu Komplikationen kommen wird. Es bedeutet lediglich, dass eine engmaschigere Überwachung und gegebenenfalls zusätzliche Untersuchungen notwendig sind, um Mutter und Kind bestmöglich zu schützen.

Wann ist eine Schwangerschaft eine Risikoschwangerschaft?
Die Kriterien für eine Risikoschwangerschaft werden vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), dem höchsten Beschlussgremium im deutschen Gesundheitswesen, festgelegt. Es gibt 52 Kriterien, die eine Risikoschwangerschaft definieren. Diese Kriterien werden bei der Erstuntersuchung durch die Frauenärztin oder den Frauenarzt erhoben und können sich im Laufe der Schwangerschaft ändern.
Gründe und Faktoren für eine Risikoschwangerschaft
Zu den häufigsten Gründen für eine Risikoschwangerschaft zählen:
- Alter der Schwangeren: Frauen unter 18 Jahren und Frauen über 35 Jahre haben ein erhöhtes Risiko für Komplikationen. Bei Mehrgebärenden liegt die Altersgrenze bei 40 Jahren.
- Mehrlingsschwangerschaft: Die Belastung für den Körper ist bei einer Mehrlingsschwangerschaft deutlich höher, was das Risiko für Komplikationen erhöht.
- Vorherige Komplikationen: Frühere Fehlgeburten, Frühgeburten, Kaiserschnitte oder Komplikationen bei früheren Entbindungen können das Risiko für Komplikationen in einer weiteren Schwangerschaft erhöhen.
- Vorerkrankungen: Diabetes, Bluthochdruck, Schilddrüsenerkrankungen, Herzerkrankungen, Asthma oder Epilepsie können die Schwangerschaft beeinflussen und das Risiko für Komplikationen erhöhen.
- Übergewicht: Übergewicht erhöht das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes, Präeklampsie und andere Komplikationen.
- Rhesusunverträglichkeit: Wenn die Blutgruppe der Mutter Rhesus-negativ und die des Kindes Rhesus-positiv ist, kann es zu Komplikationen kommen.
- Veränderungen am Gebärmutterhals oder an der Gebärmutter: Myome, Gebärmutterhalskrebs oder andere Veränderungen an der Gebärmutter können das Risiko für Komplikationen erhöhen.
- Einnahme bestimmter Medikamente: Einige Medikamente können während der Schwangerschaft schädlich für das Kind sein. Es ist wichtig, die Frauenärztin oder den Frauenarzt über alle Medikamente zu informieren, die Sie einnehmen.
Auch bestimmte Komplikationen in der Schwangerschaft, wie zum Beispiel Blutungen, Schwangerschaftsdiabetes, Präeklampsie, schwerer Eisenmangel, ungünstige Lage des Kindes in der Gebärmutter, vorzeitige Wehen oder Muttermundschwäche, können zu einer Einstufung als Risikoschwangerschaft führen.
Was bedeutet die Einstufung als Risikoschwangerschaft?
Eine Einstufung als Risikoschwangerschaft bedeutet, dass Sie und Ihr Baby engmaschiger überwacht werden. Das bedeutet:
- Häufigere Vorsorgeuntersuchungen: In der Regel werden Sie bis zur 3Schwangerschaftswoche alle vier Wochen und in den letzten acht Wochen der Schwangerschaft alle zwei Wochen untersucht.
- Zusätzliche Untersuchungen: Je nach Situation können zusätzliche Untersuchungen wie zum Beispiel Plazentapunktion, Fruchtwasseruntersuchung oder Nabelschnurpunktion durchgeführt werden.
- Enge Zusammenarbeit mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt: Sie sollten bei jeder Veränderung oder Unsicherheit Kontakt mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt aufnehmen.
Die Einstufung als Risikoschwangerschaft bedeutet nicht, dass die Schwangerschaft automatisch schlecht verlaufen wird. Mit der richtigen Vorsorge und einer engen Zusammenarbeit mit den medizinischen Fachkräften können Sie eine sichere und gesunde Schwangerschaft erleben.
Welche Leistungen und Zusatzuntersuchungen gibt es bei einer Risikoschwangerschaft?
Bei einer Risikoschwangerschaft können verschiedene Zusatzuntersuchungen durchgeführt werden, um Mutter und Kind bestmöglich zu schützen.
Plazentapunktion (Chorionzottenbiopsie)
Die Plazentapunktion, auch Chorionzottenbiopsie genannt, wird zwischen der und 1Schwangerschaftswoche durchgeführt. Dabei wird Zellgewebe aus der Plazenta entnommen und auf genetische Unregelmäßigkeiten wie Trisomie 21 und bestimmte Stoffwechselerkrankungen untersucht.
Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese)
Die Fruchtwasseruntersuchung, auch Amniozentese genannt, wird in der Regel nach der 1Schwangerschaftswoche durchgeführt. Dabei wird Fruchtwasser aus der Fruchtblase entnommen und auf Chromosomenabweichungen oder andere Erbkrankheiten untersucht. Die Fruchtwasseruntersuchung wird häufig auch nach unklarem Befund einer Plazentapunktion durchgeführt.
Nabelschnurpunktion (Cordozentese)
Die Nabelschnurpunktion, auch Cordozentese genannt, wird durchgeführt, um das kindliche Blut zu untersuchen. Dabei können Blutarmut oder Infektionen beim Baby festgestellt werden. Die Untersuchung wird auch nach unklarem Chromosomen-Befund einer Fruchtwasseruntersuchung angewandt.
Wehenschreiben (Tokographie)
Das Wehenschreiben, auch Tokographie genannt, wird bei Verdacht auf vorzeitige Wehentätigkeit durchgeführt. Die Untersuchung ist auch vor der 2Schwangerschaftswoche möglich.
Ausführliche Informationen zur Notwendigkeit, Nutzen und Risiken dieser Untersuchungen bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
Die Wahl des Geburtsortes bei einer Risikoschwangerschaft
Bei einer Risikoschwangerschaft ist eine Hausgeburt oder eine Geburt im Geburtshaus manchmal nicht möglich. In diesen Fällen empfiehlt die Frauenärztin oder der Frauenarzt eine Klinik mit besonderer medizinischer Ausstattung. Die Geburtsklinik kann den Informationen aus dem Mutterpass entnehmen, ob für Mutter und Kind besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden müssen.
Es kann auch sein, dass das Neugeborene eine besondere medizinische Versorgung benötigt. Das betrifft sowohl personelle Möglichkeiten als auch entsprechend erforderliche medizinische Ausstattung.
Was bedeutet es, wenn ich als risikoschwanger eingestuft werde?
Eine Einstufung als Risikoschwangerschaft bedeutet, dass Sie und Ihr Baby engmaschiger überwacht werden. Das bedeutet häufigere Vorsorgeuntersuchungen, zusätzliche Untersuchungen und eine enge Zusammenarbeit mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt. Es bedeutet nicht, dass die Schwangerschaft automatisch schlecht verlaufen wird.
Welche Untersuchungen werden bei einer Risikoschwangerschaft durchgeführt?
Bei einer Risikoschwangerschaft können verschiedene Zusatzuntersuchungen durchgeführt werden, wie zum Beispiel Plazentapunktion, Fruchtwasseruntersuchung, Nabelschnurpunktion und Wehenschreiben. Die Notwendigkeit und Art der Untersuchungen hängen von der individuellen Situation ab.

Kann ich bei einer Risikoschwangerschaft eine Hausgeburt haben?
Bei einer Risikoschwangerschaft ist eine Hausgeburt oder eine Geburt im Geburtshaus manchmal nicht möglich. Die Entscheidung darüber trifft die Frauenärztin oder der Frauenarzt in Absprache mit Ihnen.
Was kann ich tun, um das Risiko für Komplikationen in der Schwangerschaft zu senken?
Es gibt verschiedene Dinge, die Sie tun können, um das Risiko für Komplikationen in der Schwangerschaft zu senken. Dazu gehören:
- Gesunde Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Obst, Gemüse und Vollkornprodukten.
- Regelmäßige Bewegung: Bewegung ist wichtig, um fit zu bleiben und das Gewicht zu kontrollieren.
- Verzicht auf Alkohol, Nikotin und Drogen: Alkohol, Nikotin und Drogen können die Schwangerschaft negativ beeinflussen.
- Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen: Besuchen Sie Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt regelmäßig zu den Vorsorgeuntersuchungen.
- Frühzeitige Beratung bei Vorerkrankungen: Wenn Sie an einer Vorerkrankung leiden, sollten Sie sich schon vor der Schwangerschaft von Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt beraten lassen.
Zusammenfassung
Eine Risikoschwangerschaft bedeutet, dass das Risiko für Komplikationen erhöht ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Schwangerschaft automatisch schlecht verlaufen wird. Mit der richtigen Vorsorge, einer engen Zusammenarbeit mit den medizinischen Fachkräften und einer besonderen Achtsamkeit für sich und das Baby können Sie eine sichere und gesunde Schwangerschaft erleben.
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