Die Geburt eines Kindes ist ein natürlicher und kraftvoller Prozess, der jedoch in den letzten Jahrzehnten zunehmend von medizinischen Interventionen geprägt ist. Während einige Eingriffe im Falle von Komplikationen notwendig sind, werden andere routinemäßig durchgeführt, ohne dass ihre Wirksamkeit oder Sicherheit wissenschaftlich belegt ist. In diesem Artikel betrachten wir die Praxis des Pressens bei der Geburt und hinterfragen die gängigen Interventionen, die häufig ohne ausreichende Begründung eingesetzt werden.
- Pressen bei der Geburt: Ein natürlicher Instinkt
- Routineinterventionen: Kritik an der Standardpraxis
- Warum werden diese Interventionen immer noch durchgeführt?
- Häufig gestellte Fragen
- Was ist der beste Weg, um sich auf die Geburt vorzubereiten?
- Wie kann ich eine natürliche Geburt fördern?
- Welche Rechte habe ich bei der Geburt?
- Was kann ich tun, wenn ich mich bei der Geburt nicht wohlfühle?
- Was ist der Unterschied zwischen einer natürlichen Geburt und einer medizinisch unterstützten Geburt?
- Fazit: Selbstbestimmte Entscheidungen für eine positive Geburtserfahrung
Pressen bei der Geburt: Ein natürlicher Instinkt
Das Pressen ist ein natürlicher Reflex, der durch die Kombination von hormonellen Veränderungen, dem Druck des Kindes auf den Gebärmutterhals und den zunehmenden Druck auf die Blase ausgelöst wird. Die meisten Frauen erleben diesen Drang zum Pressen, wenn der Muttermund vollständig geöffnet ist und das Kind in den Geburtskanal wandert. Dieser natürliche Prozess ermöglicht es der Frau, aktiv an der Geburt ihres Kindes teilzunehmen und die Kraft ihres Körpers zu nutzen, um das Kind auf die Welt zu bringen.
Routineinterventionen: Kritik an der Standardpraxis
Trotz der natürlichen Fähigkeit des Körpers, die Geburt zu bewältigen, werden in vielen Krankenhäusern routinemäßig Interventionen während der Austreibungsphase durchgeführt, die den natürlichen Geburtsprozess stören können. Zu diesen Interventionen gehören:
Dauer-CTG-Überwachung
Die kontinuierliche Überwachung der Herzfrequenz des Babys mittels CTG (Kardiotokografie) ist in vielen Krankenhäusern zur Standardpraxis geworden. Obwohl das CTG in bestimmten Situationen hilfreich sein kann, um Komplikationen zu erkennen, wird es oft übermäßig eingesetzt und kann zu einer unnötigen Einengung des Geburtsprozesses führen.
Studien haben gezeigt, dass:
- Dauer-CTG NICHT zu fitteren Kindern führt.
- Dauer-CTG häufig die Mutter stört und zu mehr Kaiserschnitten führt.
- 75% der Babys in der Austreibungsphase auffällige Herzfrequenzen aufweisen, obwohl es ihnen nach der Geburt gut geht.
- Auffällige Herztöne in der Austreibungsphase für das Kind meist kein Problem darstellen, es sei denn, sie waren bereits in der Eröffnungsphase auffällig.
Die S3-Leitlinie „Vaginale Geburt am Termin“ empfiehlt bei Niedrig-Risiko-Schwangeren explizit keine CTG-Aufzeichnung und stattdessen die Auskultation der Herztöne (vgl. Empfehlung 1, S. 43 der Langfassung).
Angeleitetes Pressen
In vielen Krankenhäusern werden Frauen angewiesen, nach einem bestimmten Schema zu pressen, zum Beispiel durch das sogenannte „Valsalva-Pressen“. Diese Methode beinhaltet, den Kopf auf die Brust zu legen, tief Luft zu holen und für die Dauer der Wehe zu pressen.
Studien haben jedoch gezeigt, dass:
- Valsalva-Pressen die Austreibungsphase NICHT verkürzt.
- Valsalva-Pressen zu unerwünschten Nebenwirkungen wie schlechterer Sauerstoffversorgung des Kindes, ineffektiven Wehen und schlechten Herztönen führen kann.
- Valsalva-Pressen das Risiko von Dammverletzungen erhöht.
Die S3-Leitlinie „Vaginale Geburt am Termin“ empfiehlt EXPLIZIT keine Anleitung zum Pressen. Die Gebärende soll „sich von ihrem eigenen Pressdrang leiten lassen“ (vgl. Empfehlung 6, S. 138 der Langfassung).
Geburtspositionen
Die traditionelle Rückenlage während der Geburt ist in vielen Krankenhäusern immer noch die Standardposition. Diese Position kann jedoch für die Mutter und das Kind Nachteile mit sich bringen, da sie den Druck auf das Becken erhöht und die natürliche Bewegung des Kindes behindert.
Studien haben gezeigt, dass:
- Geburten in Rückenlage zu mehr Dammverletzungen führen können.
- Geburten in Rückenlage die Gefahr einer Unterversorgung des Kindes erhöhen können.
Die S3-Leitlinie „Vaginale Geburt am Termin“ empfiehlt, dass die Gebärende die für sie angenehmste Position für die Geburt wählen soll (vgl. Empfehlung 35, S. 116 der Langfassung).
Dammschutz durch Geburtshelfer
Der Dammschutz ist eine weitere Intervention, die häufig während der Geburt durchgeführt wird. Dabei sollen Dammverletzungen durch verschiedene Maßnahmen wie Anweisungen zum Pressen, Stützung des Kopfes oder warme Kompressen verhindert werden.
Studien haben jedoch gezeigt, dass:
- Dammverletzungen in vielen Fällen durch Faktoren beeinflusst werden, die nicht durch Geburtshelfer beeinflusst werden können, wie z.B. Das Gewicht des Kindes, die Größe des Beckens oder die ethnische Zugehörigkeit der Mutter.
- Angeleitetes Pressen und bestimmte Geburtspositionen das Risiko von Dammverletzungen erhöhen können.
- Warme Kompressen zumindest schweren Dammverletzungen vorbeugen können.
Nabelschnur um den Hals
Die routinemäßige Abtastung der Nabelschnur auf eine Lage um den Hals des Kindes ist eine weitere gängige Praxis. Obwohl eine enge Nabelschnur theoretisch die Geburt behindern könnte, ist dies in der Praxis selten der Fall.
Studien haben gezeigt, dass:
- Eine lockere Nabelschnur um den Hals keinen Einfluss auf den Geburtsfortgang hat.
- Das Anfassen der Nabelschnur zu einer zeitweiligen Beeinträchtigung des Blutflusses in der Nabelschnur führen kann.
- Ein frühzeitiges Abnabeln die Versorgung des Kindes unterbricht, bevor der Reflex zum Atmen ausgelöst wurde.
Warum werden diese Interventionen immer noch durchgeführt?
Die Frage, warum diese Interventionen trotz der wissenschaftlichen Erkenntnisse immer noch so verbreitet sind, ist komplex. Es gibt verschiedene Faktoren, die eine Rolle spielen:
- Haftungstechnische Gründe: Geburtshelfer müssen in Krankenhäusern oft nachweisen, dass sie etwas getan haben, um sich vor möglichen Haftungsansprüchen zu schützen.
- Zeitfenster: Geburtshelfer sind in Krankenhäusern oft an bestimmte Zeitfenster gebunden, innerhalb derer eine Geburt abgeschlossen sein muss.
- Kulturelle Einflüsse: Frauen erwarten oft diese Interventionen, weil sie glauben, dass ihnen sonst bei der Geburt nicht geholfen wird.
Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass die Geburtshilfe stark von kulturellen Einflüssen geprägt ist und dass die medizinische Evidenz nicht immer im Vordergrund steht. Es ist jedoch wichtig, dass Frauen über die verfügbaren Informationen und die möglichen Folgen von Interventionen aufgeklärt werden, um selbstbestimmte Entscheidungen über ihren Geburtsprozess treffen zu können.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der beste Weg, um sich auf die Geburt vorzubereiten?
Die beste Vorbereitung auf die Geburt ist eine Kombination aus körperlicher und geistiger Vorbereitung. Das bedeutet, dass du dich über die verschiedenen Phasen der Geburt informierst, deine körperliche Fitness stärkst, Atemtechniken lernst und dich mit Entspannungstechniken vertraut machst.
Wie kann ich eine natürliche Geburt fördern?
Um eine natürliche Geburt zu fördern, ist es wichtig, dass du dich wohlfühlst und Vertrauen in deinen Körper hast. Wähle eine Gebärposition, die sich für dich gut anfühlt, bewege dich frei und atme tief durch. Sprich mit deinem Geburtshelfer über deine Wünsche und Bedürfnisse und lass dich von ihm unterstützen.
Welche Rechte habe ich bei der Geburt?
Du hast das Recht, über alle Interventionen informiert zu werden, die während deiner Geburt durchgeführt werden sollen. Du hast das Recht, Fragen zu stellen und deine Zustimmung zu erteilen oder zu verweigern. Du hast das Recht, eine Gebärposition zu wählen, die sich für dich gut anfühlt, und du hast das Recht, Unterstützung von deinem Partner, deiner Hebamme oder anderen Personen zu erhalten.
Was kann ich tun, wenn ich mich bei der Geburt nicht wohlfühle?
Wenn du dich bei der Geburt nicht wohlfühlst, sprich mit deinem Geburtshelfer oder deiner Hebamme. Erkläre deine Bedenken und deine Wünsche. Du hast das Recht, dass deine Bedürfnisse ernst genommen werden.

Was ist der Unterschied zwischen einer natürlichen Geburt und einer medizinisch unterstützten Geburt?
Eine natürliche Geburt ist eine Geburt, die ohne medizinische Interventionen stattfindet. Eine medizinisch unterstützte Geburt ist eine Geburt, bei der medizinische Interventionen durchgeführt werden, um die Geburt zu unterstützen oder zu beschleunigen. Die Entscheidung, ob du eine natürliche Geburt oder eine medizinisch unterstützte Geburt wünschst, ist eine persönliche Entscheidung.
Fazit: Selbstbestimmte Entscheidungen für eine positive Geburtserfahrung
Die Geburt eines Kindes ist ein kraftvolles und individuelles Erlebnis. Es ist wichtig, dass Frauen über die verfügbaren Informationen und die möglichen Folgen von Interventionen aufgeklärt werden, um selbstbestimmte Entscheidungen über ihren Geburtsprozess treffen zu können. Eine respektvolle und unterstützende Geburtshilfe, die die natürlichen Fähigkeiten des Körpers respektiert und die Wünsche der Frau berücksichtigt, ist der Schlüssel zu einer positiven Geburtserfahrung.
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