Der Mutterpass ist ein wichtiges Dokument, das die gesamte Schwangerschaft einer Frau begleitet. Er enthält alle wichtigen Informationen über die Schwangerschaft, die Entwicklung des Kindes und den Gesundheitszustand der Mutter. Seite 7 und 8 des Mutterpasses widmen sich dem Gravidogramm, einem wichtigen Bestandteil der Schwangerschaftsvorsorge.
Was ist ein Gravidogramm?
Das Gravidogramm ist ein Diagramm, in dem die Untersuchungsbefunde der Hebamme oder des Arztes während der Schwangerschaftsvorsorge festgehalten werden. Es dient dazu, den Verlauf der Schwangerschaft zu dokumentieren und eventuelle Risiken frühzeitig zu erkennen. Die Untersuchungen finden in der Regel alle 4 Wochen zu Beginn der Schwangerschaft statt und werden im späteren Verlauf auf alle 2 Wochen verkürzt. Bei bestimmten Risikofaktoren, wie z.B. Einer Mehrlingsschwangerschaft, Bluthochdruck oder einer Übertragung, können die Intervalle noch kürzer sein.
Im Gravidogramm werden verschiedene Parameter erfasst, die Aufschluss über den Gesundheitszustand der Mutter und das Wachstum des Kindes geben. Diese Parameter werden in der Regel bei jeder Vorsorgeuntersuchung erhoben und im Gravidogramm dokumentiert.

Wichtige Parameter im Gravidogramm
- Datum: Das aktuelle Untersuchungsdatum.
- Schwangerschaftswoche: Die aktuelle Schwangerschaftswoche, die auf Seite 6b des Mutterpasses angegeben ist.
- SSW ggf. Korr.: Die korrigierte Schwangerschaftswoche, die ebenfalls auf Seite 6b des Mutterpasses angegeben ist.
- Fundusstand: Der Fundusstand beschreibt die Höhe des oberen Endes der Gebärmutter (Fundus uteri). Dieser Wert gibt Aufschluss über das Wachstum des Kindes. Früher war der Fundusstand neben dem Bauchumfang und dem Symphysen-Fundus-Abstand ein wichtiger Parameter zur Beurteilung des kindlichen Wachstums, insbesondere bei Frauen mit Übergewicht. Der Fundusstand wird in der Regel in cm oder in Fingerbreiten (QF) angegeben. Zum Beispiel: 2 QF über Sy (S+2QF) oder 4 QF über N oder 3 QF unter Rb (Rb-39).
- Kindslage: Die Kindslage beschreibt die Position des Kindes in der Gebärmutter. Zu Beginn der Schwangerschaft ist die Kindslage noch nicht relevant und wird daher meist nicht eingetragen. Erst im späteren Verlauf der Schwangerschaft, wenn der Geburtstermin näher rückt, spielt die Kindslage eine wichtige Rolle. Die häufigsten Kindslagen sind:
- SL (Schädellage): Das Köpfchen liegt unten.
- BEL (Beckenendlage): Der Po liegt unten.
- QL (Querlage): Kopf und Po liegen seitlich.
- Herztöne: Die kindlichen Herztöne sollten bei jeder Untersuchung mit einem Doppler-Ultraschallgerät abgehört werden, sofern keine Ultraschall- oder CTG-Untersuchung durchgeführt wird.
- Kindsbewegung: Die Bewegungen des Kindes werden im Mutterpass ab der 20. Schwangerschaftswoche (bei Erstgebärenden) bzw. Ab der 1Schwangerschaftswoche (bei Mehrgebärenden) dokumentiert.
- Ödeme: Ödeme sind Wassereinlagerungen im Gewebe, die im späteren Verlauf der Schwangerschaft häufig vorkommen. Sie treten vor allem an den Füßen, Unterschenkeln und Fingern auf, können aber auch im ganzen Körper auftreten. Ödeme sind in der Regel harmlos, solange sie nachts und im Liegen weniger werden. Ödeme, die mit weiteren Symptomen wie Eiweissausscheidung im Urin und erhöhtem Blutdruck einhergehen, können ein Hinweis auf eine Schwangerschaftserkrankung (Gestose) sein.
- Varikosis: Varikosis beschreibt das Auftreten von Krampfadern, die in der Schwangerschaft aufgrund einer generellen Bindegewebsschwäche verstärkt werden können. Krampfadern treten häufig an den Beinen auf, können aber auch am Damm (Vulvavarikosis) vorkommen. In der Regel verschwinden die Krampfadern nach der Geburt wieder.
- Gewicht: Die durchschnittliche Gewichtszunahme in der Schwangerschaft beträgt ca. 12 kg. Diese Gewichtszunahme verteilt sich auf das Kind, die Plazenta, das Fruchtwasser, die erhöhte Blutmenge der Schwangeren und das eingelagerte Gewebswasser. Die Gewichtszunahme kann je nach Ausgangsgewicht vor der Schwangerschaft variieren. Schlanke Frauen nehmen meist etwas mehr zu (12-18 kg), mittelgewichtige 12-16 kg und übergewichtige Frauen manchmal nur 7-11,5 kg. Die Gewichtszunahme sollte in der Regel wie folgt erfolgen:
- – 1SSW: wenig Gewichtszunahme
- 1– 2SSW: 200 – 250 g/Woche
- Ab 2SSW: 400 g/Woche
- RR syst./diast.: Blutdruckmessung. Der systolische Blutdruck (syst.) ist der obere Wert und der diastolische Blutdruck (diast.) der untere Wert. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck (>140/90) muss streng kontrolliert werden, da er unter Umständen ein Hinweis auf eine Gestose sein kann.
- Hb (Ery): Hb steht für Hämoglobin, den roten Blutfarbstoff. Ein leicht fallender Hb-Wert im Verlauf der Schwangerschaft ist normal, sollte aber nicht zu tief sinken (unter 12). In diesem Fall sollte frühzeitig ein Eisenpräparat eingenommen werden. Ery steht für Erythrozyten, die roten Blutkörperchen, die den Sauerstofftransport im mütterlichen und kindlichen Körper gewährleisten. Die Erythrozyten werden meist im Rahmen eines kleinen Blutbildes errechnet.
- (Urin)Sediment (Eiweiß, Zucker, Nitrit, Blut): Diese Werte beziehen sich auf die regelmäßige Urinuntersuchung mit Hilfe eines einfachen Streifentests. Eiweiß ist in geringen Spuren in der Schwangerschaft eher häufig und erst ab einem gewissen Schwellenwert ein Hinweis auf eine Erkrankung. Auch Zucker kann nach dem Genuss von süßen Speisen nachgewiesen werden, ohne dass dies krankhaft ist. Die sicherste Abklärung einer Zuckerkrankheit in der Schwangerschaft (Gestationsdiabetes) erfolgt über den oralen Glucose-Toleranztest (OGT), der in der 2-2SSW durchgeführt werden sollte. Nitrit und Blut im Urin können ein Hinweis auf eine bisher symptomlos verlaufende Blasenentzündung sein. Falsch auffällige Werte können durch die Verunreinigung des Urins durch Scheidenschleim entstehen.
- Vaginale Untersuchung: Bei der vaginalen Untersuchung werden folgende Befunde erhoben:
- Die Länge und Festigkeit des Gebärmutterhalses (Zervix erhalten/verkürzt; weich/fest)
- Der Verschluss des Muttermundes (MM geschlossen/erhalten oder für xQF geöffnet)
- Der Säurewert der Scheide (Schutz vor Infektionen und damit Frühgeburt (pH 4 bzw. Höher)
- Zeichen für eine Infektion der Scheide
- Ggf. Fruchtwasserspiegelung (Amnioskopie), die nur bei 1-2 cm geöffnetem Muttermund erfolgen kann.
- Risiko-Nr.: Eintrag aufgetretener Risiken gemäß der Seite 6 im Mutterpass.
- Sonstiges/Therapie/Maßnahmen: Hier werden alle weiteren, bisher nicht aufgeführten Befunde eingetragen, wie Laborergebnisse, Medikamente etc..
Was passiert, wenn die Werte im Gravidogramm auffällig sind?
Wenn die Werte im Gravidogramm auffällig sind, wird die Hebamme oder der Arzt weitere Untersuchungen durchführen. Die Art der Untersuchungen hängt von den auffälligen Werten ab. In einigen Fällen kann es notwendig sein, die Schwangerschaft genauer zu beobachten oder zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen.
Welche Risiken können im Gravidogramm erkannt werden?
Im Gravidogramm können verschiedene Risiken erkannt werden, wie z.B. Eine Schwangerschaftserkrankung (Gestose), eine Infektion, eine Fehlgeburt, eine Frühgeburt oder eine Fehlbildung des Kindes.
Kann ich die Werte im Gravidogramm selbst interpretieren?
Nein, die Werte im Gravidogramm sollten nur von einer Hebamme oder einem Arzt interpretiert werden. Die Werte können je nach Schwangerschaftswoche und individueller Situation unterschiedlich sein.
Was ist, wenn ich Fragen zum Gravidogramm habe?
Wenn Sie Fragen zum Gravidogramm haben, sollten Sie sich an Ihre Hebamme oder Ihren Arzt wenden. Sie können Ihnen die Werte im Gravidogramm erklären und Ihnen alle notwendigen Informationen geben.
Zusammenfassung
Das Gravidogramm ist ein wichtiger Bestandteil der Schwangerschaftsvorsorge. Es dient dazu, den Verlauf der Schwangerschaft zu dokumentieren und eventuelle Risiken frühzeitig zu erkennen. Die Werte im Gravidogramm sollten nur von einer Hebamme oder einem Arzt interpretiert werden. Wenn Sie Fragen zum Gravidogramm haben, wenden Sie sich an Ihre Hebamme oder Ihren Arzt.
Hinweis: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ersetzt nicht die Beratung durch eine Hebamme oder einen Arzt. Bei Fragen zur Schwangerschaft sollten Sie sich immer an eine Fachkraft wenden.
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