Legasthenie: ursachen, diagnose & hilfe bei lese-rechtschreibstörung

Legasthenie, auch bekannt als Lese-Rechtschreibstörung, ist eine komplexe Störung, die das Lesen und Schreiben beeinträchtigt. Sie stellt eine große Herausforderung für Betroffene und ihre Familien dar. In diesem Artikel werden wir die Ursachen, die Diagnose und den Umgang mit Legasthenie genauer beleuchten.

Inhaltsverzeichnis

Ursachen der Legasthenie

Die Ursachen für Legasthenie sind noch nicht vollständig geklärt, aber es scheint sich um ein multifaktorielles Geschehen zu handeln. Verschiedene Faktoren spielen dabei eine Rolle:

Genetische Faktoren

Genetische Faktoren spielen eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Legasthenie. Studien mit eineiigen und zweieiigen Zwillingen zeigen, dass die Erblichkeit der Lese- und Rechtschreibfähigkeit bei etwa 60 bis 70% liegt. Dies bedeutet, dass ein erheblicher Teil der genetischen Veranlagung für Legasthenie verantwortlich ist. Wenn ein Elternteil an Legasthenie leidet, besteht für das Kind ein erhöhtes Risiko, ebenfalls an der Störung zu erkranken. Dieses Risiko steigt weiter, wenn beide Elternteile Legastheniker sind.

Die bisher identifizierten genetischen Veränderungen beeinflussen die neuronale Plastizität in frühen Entwicklungsphasen des Gehirns. Diese Veränderungen betreffen sogenannte Kandidatengene, die in Gehirnregionen aktiv sind, die mit der sprachlichen Verarbeitung, der Buchstaben-Laut-Zuordnung und der Wortverarbeitung verbunden sind.

Neurologische Faktoren

Legasthenie ist mit Veränderungen in der neuronalen Aktivität im Gehirn verbunden. Studien mit bildgebenden Verfahren haben gezeigt, dass Kinder mit Legasthenie eine geringere Aktivität in den temporalen Gehirnregionen der linken Hemisphäre aufweisen. Diese Regionen sind normalerweise an der Buchstaben-Laut-Zuordnung beteiligt. Die gestörte neuronale Aktivität kann zu Schwierigkeiten beim Erlernen der Buchstaben-Laut-Zuordnung führen, was wiederum zu Problemen beim Lesen und Schreiben führt.

Sprachliche Verarbeitung

Ein wesentlicher Prädiktor für Legasthenie ist die eingeschränkte Fähigkeit, einzelne Laute zu unterscheiden, im Gedächtnis zu speichern und abzurufen. Diese Fähigkeit ist für den erfolgreichen Lese- und Rechtschreibprozess von entscheidender Bedeutung, da die Buchstaben-Laut- und die Laut-Buchstaben-Zuordnung die Grundlage für das Lesen und Schreiben bilden. Kinder mit Legasthenie entwickeln diese Fähigkeit deutlich verzögert und oft unvollständig.

Wortwahrnehmung und -verarbeitung

Weitere Ursachen für Legasthenie sind die gestörte Wortwahrnehmung und -verarbeitung sowie eine Beeinträchtigung im Aufbau von orthographischem Wissen. Orthographisches Wissen bezieht sich auf das erworbene Wissen über Regelmäßigkeiten und die Struktur der deutschen Schriftsprache sowie über Rechtschreibregeln. Kinder mit Legasthenie haben Schwierigkeiten, Wörter richtig zu erkennen und zu verarbeiten, was zu Fehlern beim Lesen und Schreiben führt.

Schulische Faktoren

Der schulische Unterricht kann ebenfalls einen Einfluss auf die Entwicklung von Legasthenie haben. Ein unsystematischer Unterricht, der den Stufenaufbau des Lese- und Rechtschreiblernprozesses missachtet, kann die Problematik bei Kindern mit einem Risiko für Legasthenie verstärken. Ein gut strukturierter und individualisierter Unterricht, der auf die Bedürfnisse von Kindern mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten eingeht, kann hingegen die Entwicklung von Legasthenie positiv beeinflussen.

Diagnose der Legasthenie

Die Diagnose von Legasthenie wird in der Regel von einem Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie gestellt. Die Diagnose kann oft erst in der zweiten Klasse erfolgen, da sich das Lerntempo der Kinder in den ersten Schuljahren noch stark unterscheidet. Probleme zu Beginn des Schriftspracherwerbs müssen nicht unbedingt auf eine Legasthenie hinweisen.

Der Arzt führt ein ausführliches Gespräch mit dem Kind und den Eltern, um die Entwicklung des Kindes zu erfragen. Er möchte wissen, ob das Kind gerne zur Schule geht, wo die Probleme auftreten und ob jemand in der Familie bereits an Legasthenie leidet. Darüber hinaus werden verschiedene Tests durchgeführt, um die Lese- und Rechtschreibfähigkeiten des Kindes zu beurteilen. Diese Tests umfassen:

  • Lesegeschwindigkeit und -verständnis
  • Rechtschreibfähigkeit
  • Laut-Buchstaben-Zuordnung
  • Wortschatz
  • Sprachverständnis

Die Diagnose von Legasthenie ist komplex und erfordert eine sorgfältige Beurteilung durch einen Facharzt. Es ist wichtig, dass Eltern bei Verdacht auf Legasthenie frühzeitig einen Arzt aufsuchen, um eine frühzeitige Diagnose und Behandlung zu ermöglichen.

Umgang mit Legasthenie

Legasthenie ist eine chronische Störung, die nicht vollständig geheilt werden kann. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, um die Symptome zu lindern und den Betroffenen zu helfen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die Behandlung von Legasthenie umfasst verschiedene Ansätze:

Lese- und Rechtschreibförderung

Lese- und Rechtschreibförderung ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Legasthenie. Spezielle Förderprogramme helfen Kindern mit Legasthenie, ihre Lese- und Rechtschreibfähigkeiten zu verbessern. Diese Programme beinhalten:

  • Training der Buchstaben-Laut-Zuordnung
  • Förderung der phonologischen Bewusstheit
  • Verbesserung der Wortwahrnehmung und -verarbeitung
  • Aufbau von orthographischem Wissen
  • Entwicklung von Lese- und Rechtschreibstrategien

Die Förderung kann im Einzelunterricht oder in kleinen Gruppen stattfinden. Es ist wichtig, dass die Förderung individuell auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt ist.

Kompensationsstrategien

Kompensationsstrategien helfen Kindern mit Legasthenie, die Auswirkungen ihrer Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten zu minimieren. Diese Strategien können umfassen:

  • Verwendung von Diktierprogrammen
  • Einsatz von Text-to-Speech-Software
  • Verwendung von Lernkarten
  • Anpassung von Prüfungen und Hausaufgaben

Kompensationsstrategien können den Kindern helfen, ihre Schwächen zu kompensieren und ihren schulischen und beruflichen Erfolg zu unterstützen.

Psychologische Unterstützung

Legasthenie kann zu emotionalen Belastungen führen. Kinder mit Legasthenie können sich aufgrund ihrer Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben unsicher, frustriert oder sogar depressiv fühlen. Psychologische Unterstützung kann den Kindern helfen, mit diesen Emotionen umzugehen und ihre Selbstwirksamkeit zu stärken. Die Unterstützung kann in Form von Einzeltherapie oder in Gruppen angeboten werden.

Elternberatung

Eltern spielen eine wichtige Rolle bei der Unterstützung ihrer Kinder mit Legasthenie. Elternberatung kann den Eltern helfen, die Störung besser zu verstehen und ihre Kinder effektiv zu unterstützen. Die Beratung kann Informationen über Legasthenie, Behandlungsmöglichkeiten und Kompensationsstrategien liefern. Eltern können lernen, wie sie ihre Kinder motivieren und ihnen helfen, mit ihren Schwierigkeiten umzugehen.

Häufige Fragen zur Legasthenie

Ist Legasthenie eine Krankheit?

Legasthenie ist keine Krankheit im medizinischen Sinne, sondern eine Entwicklungsstörung. Sie ist nicht ansteckend und es gibt keine Heilung.

Hat Legasthenie etwas mit Intelligenz zu tun?

Legasthenie hat nichts mit Intelligenz zu tun. Kinder mit Legasthenie können genauso intelligent sein wie andere Kinder. Die Störung betrifft nur die Fähigkeit zum Lesen und Schreiben.

Kann Legasthenie überwunden werden?

Legasthenie kann nicht vollständig überwunden werden, aber mit der richtigen Unterstützung können Kinder lernen, mit ihren Schwierigkeiten umzugehen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die Symptome der Legasthenie können durch gezielte Förderung und Kompensationsstrategien deutlich reduziert werden.

Was kann ich tun, wenn ich vermute, dass mein Kind an Legasthenie leidet?

Wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind an Legasthenie leidet, sollten Sie sich an Ihren Kinderarzt wenden. Der Kinderarzt kann eine erste Einschätzung vornehmen und Sie gegebenenfalls an einen Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie überweisen.

Was sind die Langzeitfolgen von Legasthenie?

Legasthenie kann zu verschiedenen Langzeitfolgen führen, z. B. Zu Schulproblemen, Schwierigkeiten im Berufsleben und emotionalen Belastungen. Mit der richtigen Unterstützung und den richtigen Strategien können diese Folgen jedoch minimiert werden.

Zusammenfassung

Legasthenie ist eine komplexe Entwicklungsstörung, die das Lesen und Schreiben beeinträchtigt. Die Ursachen für Legasthenie sind vielfältig und umfassen genetische, neurologische und sprachliche Faktoren. Die Diagnose von Legasthenie wird von einem Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie gestellt. Die Behandlung von Legasthenie umfasst Lese- und Rechtschreibförderung, Kompensationsstrategien, psychologische Unterstützung und Elternberatung. Trotz der Herausforderungen, die Legasthenie mit sich bringt, können Betroffene mit der richtigen Unterstützung ein selbstbestimmtes Leben führen.

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