Es ist ein Phänomen, das viele Eltern kennen: Das Kleinkind, das an seiner Mutter klebt wie ein Kletten. Egal ob beim Essen, beim Spielen oder beim Einschlafen, Mama ist die Nummer eins. Doch warum sind Kinder so Mama-fixiert? Und was können Eltern tun, wenn der Vater kaum eine Chance hat, sich einzubringen?
Die Mama-Kind-Bindung: Eine natürliche Entwicklung
Die enge Bindung zwischen Mutter und Kind ist eine natürliche und wichtige Entwicklung in den ersten Lebensmonaten. Durch die intensive Betreuung und Fürsorge der Mutter entwickelt das Baby ein tiefes Vertrauen und eine starke emotionale Verbindung zu ihr. Dieses mama-kind ist in den ersten Monaten völlig normal und sogar notwendig für die gesunde Entwicklung des Kindes.
Ab dem vierten bis fünften Monat beginnt sich die Welt des Kindes jedoch zu erweitern. Die Mutter hat die Aufgabe, dem Kind zu vermitteln, dass es auch andere Menschen gibt, die es lieben und für es da sind. Der Vater, Geschwister, Großeltern – all diese Personen können dem Kind helfen, seine Welt zu entdecken und eine sichere Bindung zu entwickeln.
Warum bleibt das Kind trotzdem ein Mama-Kind?
Manchmal bleibt die enge Mama-Kind-Bindung jedoch bestehen, obwohl das Kind älter wird. Es gibt verschiedene Gründe dafür:
- Überforderung der Mutter: Wenn die Mutter sich von den Anforderungen der Kindererziehung überfordert fühlt, kann sie innerlich auf Distanz zum Kind gehen. Das Kind spürt diese Distanz und sucht umso mehr die Nähe seiner Mutter, um sich emotional sicher zu fühlen.
- Verunsicherung durch Veränderungen: Ein Umzug, die Geburt eines Geschwisterchens oder andere Veränderungen im Leben des Kindes können zu Verunsicherung führen. Das Kind klammert sich dann an seine Mutter, um wieder ein Gefühl von Sicherheit zu erlangen.
- Mutterliche Überbehütung: Manche Mütter fühlen sich so stark überfordert, dass sie dem Kind die Führung überlassen. Sie tun, was das Kind will und lassen sich so von ihm vereinnahmen. Das Kind lernt dadurch nicht, selbstständig zu werden und sich auf andere Menschen zu verlassen.
- Mutter-Kind-Einheit als Schutzschild: In schwierigen Partnerschaften kann das Mama-Kind zur einheit werden, die die Mutter und das Kind gegen den Vater abschirmt. Die Mutter genießt die Nähe des Kindes und gleichzeitig wird dem Vater die Möglichkeit genommen, eine enge Beziehung zum Kind aufzubauen.
- Mangelndes Selbstwertgefühl der Mutter: Manche Mütter fühlen sich durch die Anhänglichkeit ihres Kindes aufgewertet. Sie genießen die Aufmerksamkeit und das Gefühl, gebraucht zu werden.
- Vaterschaftliche Abwesenheit: Auch ein Mangel an Engagement des Vaters kann dazu führen, dass das Kind ein Mama-Kind bleibt. Wenn der Vater sich nicht aktiv um das Kind kümmert, entwickelt es keine tiefe Bindung zu ihm.
Was können Eltern tun, um das Mama-Kind zu unterstützen?
Es ist wichtig, zunächst die Ursachen für die starke Mama-Fixierung des Kindes zu verstehen. Ein Gespräch mit einem Erziehungsberater kann dabei helfen. Wenn die Eltern die Gründe kennen, können sie gezielt Maßnahmen ergreifen:
- Mehr Sicherheit vermitteln: Eltern können dem Kind mehr Sicherheit vermitteln, indem sie seine positiven Eigenschaften hervorheben und ihm zeigen, dass sie es lieben und für es da sind. Das Kind sollte spüren, dass es wertgeschätzt wird und dass es nicht ständig um die Aufmerksamkeit seiner Mutter kämpfen muss.
- Die Welt des Kindes aktiv erweitern: Die Mutter kann die Welt des Kindes aktiv erweitern, indem sie es zum Vater, zu anderen Familienmitgliedern oder zu anderen Kindern bringt. Sie kann dem Kind vermitteln, dass es auch mit anderen Menschen schöne Momente erleben kann.
- Vater aktiv einbeziehen: Der Vater sollte sich aktiv um das Kind kümmern, ihm Zeit schenken und ihm zeigen, dass er für es da ist. Gemeinsame Aktivitäten, wie zum Beispiel Spielen, Vorlesen oder Basteln, können die Bindung zwischen Vater und Kind stärken.
- Gemeinsames Vorgehen: Eltern sollten sich einig sein, wie sie mit der Mama-Kind-Situation umgehen. Ein gemeinsames Vorgehen stärkt die Partnerschaft und vermittelt dem Kind ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit.
- Vater-Kind-Tag: Ein Vater-Kind-Tag kann die Beziehung zwischen Vater und Kind weiter stärken. Der Vater kann mit dem Kind etwas unternehmen, das ihm Spaß macht, und ihm so zeigen, dass er ihm viel bedeutet.
Wann lösen sich Kinder von der Mutter?
Eine gelungene Bindung zwischen Eltern und Kind ist die Basis für eine funktionierende Ablösung. Ist die Bindung in der Kindheit eng und das Verhältnis harmonisch, fällt das Ablösen meist leichter. War das Verhältnis allerdings schwierig und instabil, kann es dem Jugendlichen schwerer fallen, sich von den Eltern zu lösen.
Wenn zum Beispiel immer das Bedürfnis da war, etwas von den Eltern zu wollen, beispielsweise Aufmerksamkeit oder Wertschätzung, dies aber nie erfüllt wurde, dann kann es später schwieriger werden, sich von den Eltern zu lösen. Ist das der Fall, sollten Eltern während der Pubertät des Kindes genau hinschauen.
Denn das Verhalten kann in zwei Richtungen ausschlagen: Klammern, soziale Phobien und auch Essstörungen können ein Indiz dafür sein, dass das Kind nicht bereit ist, sich von den Eltern zu lösen. Auf der anderen Seite kann es auch vorkommen, dass das Kind nichts mehr akzeptiert, Grenzen überschreitet und gegen Verabredungen rebelliert.
Eine gute Bindung kann trotz Eigenständigkeit der Kinder zu einer Kommunikation auf Augenhöhe beitragen und dazu, dass Ratschläge und Ansagen der Eltern eher berücksichtigt oder respektiert werden. Das funktioniert nicht, wenn die Erziehung zuvor rein auf Druck oder Angst vor Konsequenzen basierte.
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Was tun, wenn das Kind nur bei der Mutter schlafen möchte?
Es ist wichtig, dass das Kind ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit hat, wenn es schlafen geht. Wenn das Kind nur bei der Mutter schlafen möchte, kann es helfen, einen festen Einschlaf-Ritus zu etablieren. Der Vater kann das Kind zum Beispiel ins Bett bringen, ihm eine Geschichte vorlesen oder ihm ein Lied singen. Es kann auch hilfreich sein, wenn der Vater in der Nähe des Kindes schläft, zum Beispiel auf dem Sofa im Kinderzimmer. Wichtig ist, dass das Kind spürt, dass es auch ohne die Mutter sicher schlafen kann.
Wie kann ich dem Vater helfen, eine stärkere Bindung zu seinem Kind aufzubauen?
Der Vater sollte sich aktiv um das Kind kümmern und ihm Zeit schenken. Gemeinsame Aktivitäten, wie zum Beispiel Spielen, Vorlesen oder Basteln, können die Bindung zwischen Vater und Kind stärken. Es kann auch hilfreich sein, wenn der Vater das Kind regelmäßig ins Bett bringt oder es morgens weckt. Wichtig ist, dass der Vater dem Kind zeigt, dass er für es da ist und dass es ihm wichtig ist.
Was kann ich tun, wenn ich mich als Mutter überfordert fühle?
Es ist wichtig, dass Sie sich Hilfe suchen, wenn Sie sich als Mutter überfordert fühlen. Sprechen Sie mit Ihrem Partner, Ihren Freunden oder Ihrer Familie. Sie können sich auch an eine Erziehungsberatung wenden. Es ist wichtig, dass Sie sich Unterstützung suchen, damit Sie sich nicht in die Enge getrieben fühlen und weiterhin eine gesunde Beziehung zu Ihrem Kind pflegen können.
Fazit
Die Mama-Kind-Bindung ist eine natürliche und wichtige Entwicklung in den ersten Lebensmonaten. Mit zunehmendem Alter sollte das Kind jedoch lernen, auch andere Menschen als Bezugspersonen zu akzeptieren. Wenn das Kind ein Mama-Kind bleibt, ist es wichtig, die Ursachen dafür zu verstehen und gezielt Maßnahmen zu ergreifen. Eltern sollten dem Kind mehr Sicherheit vermitteln, die Welt des Kindes aktiv erweitern und den Vater aktiv einbeziehen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen den Eltern ist dabei unerlässlich.
Es ist wichtig, dass Eltern geduldig sind und sich nicht entmutigen lassen, wenn es nicht sofort klappt. Mit Geduld und Liebe können Eltern ihrem Kind helfen, eine gesunde und ausgeglichene Bindung zu beiden Elternteilen zu entwickeln.
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