Klein im bauch: was bedeutet eine wachstumsverzögerung?

Die Nachricht, dass Ihr Baby im Bauch zu klein oder zu groß ist, kann für werdende Eltern große Sorgen und Fragen aufwerfen. Wenn Ihr Frauenarzt oder Ihre Frauenärztin eine vorgeburtliche Wachstumsverzögerung (Wachstumsrestriktion) oder ein gesteigertes Wachstum (Makrosomie) Ihres Kindes im Mutterleib vermutet, werden Sie in der Regel an eine Spezialklinik überwiesen.

In einer Intensivschwangerenberatung werden die erhobenen Befunde in einer erneuten Ultraschalluntersuchung überprüft. Dabei werden auch sogenannte Doppleruntersuchungen durchgeführt. Diese stellen die Flussmuster in mütterlichen und kindlichen Gefäßen dar und dienen der Beurteilung der Durchblutung Ihrer Gebärmutter, der Funktion des Mutterkuchens (Plazenta) und der Kreislaufsituation Ihres Babys.

Die Befunde werden ausführlich mit Ihnen besprochen und ein individueller Plan zur weiteren Beobachtung und Überwachung der Schwangerschaft erarbeitet. Dieser Plan kann je nach Situation verschiedene Maßnahmen beinhalten, wie zum Beispiel regelmäßige Ultraschall- und CTG-Kontrollen, Anpassung der Ernährung oder sogar einen stationären Aufenthalt.

Inhaltsverzeichnis

SGA – Small for Gestational Age

SGA bedeutet klein in bezug auf das schwangerschaftsalter. Diese Diagnose allein ist nicht unbedingt krankhaft, da es nun einmal große und kleine Menschen und somit auch Babys gibt. Dennoch werden auch in dieser Situation regelmäßigere Wachstums- und CTG-Kontrollen empfohlen.

IUGR – Intrauterine Growth Restriction / Wachstumsrestriktion

Bei einer intrauterinen Wachstumsrestriktion (Mangelentwicklung im Mutterleib) ist das geringe Schätzgewicht Ihres Kindes durch eine krankhafte Veränderung bedingt. In der Regel liegt dies an einer schlechten oder nachlassenden Funktion des Mutterkuchens (Plazentainsuffizienz).

Anzeichen für eine IUGR:

  • Abnorme Blutflüsse in den Doppleruntersuchungen
  • Verminderte Fruchtwassermengen
  • Ein Abknicken der Wachstumskurve

In diesen Fällen ist eine engmaschige Überwachung der Schwangerschaft mittels Ultraschall und CTG-Untersuchung unablässlich. In Extremfällen kann dies sogar zu einem stationären Aufenthalt und der Frage führen, ob man Ihr Kind früher auf die Welt holen und in der Obhut der Kinderklinik weiter gedeihen lassen sollte.

Fetale Makrosomie

Ein übermäßiges Wachstum Ihres ungeborenen Kindes wird vermutet, wenn das voraussichtliche Geburtsgewicht im Ultraschall oberhalb der 9(bzw. 90./9je nach Definition) Perzentile für das aktuelle Schwangerschaftsalter geschätzt wird. Über 95 % der Kinder in der jeweiligen Schwangerschaftswoche wären somit vermutlich leichter zur Geburt.

Es gibt jedoch kein allgemeines Übereinkommen, welches (geschätzte) Geburtsgewicht zwischen 4000g und 4500g die Grenze für ein zu großes Kind darstellt. Zunächst gilt es in dieser Situation, einen Gestationsdiabetes auszuschließen. Hierbei empfehlen wir die Durchführung eines großen Zuckertests (75g-oGTT).

Zusätzliche Maßnahmen bei vermuteter Makrosomie:

  • Regelmäßige Kontrollen des kindlichen Wachstums
  • Kontrolle der Fruchtwassermenge

Zur Geburtsplanung muss dann individuell entschieden werden, ob eine Geburtseinleitung als notwendig erachtet wird, um geburtsmechanische Komplikationen zu vermeiden.

Wann gilt ein Baby als zu klein?

Wenn ein Kind zu klein oder zu leicht für die Schwangerschaftsdauer zur Welt kommt (Small for Gestational Age = SGA), kann dies lebenslange Konsequenzen haben. Eine frühzeitige Abklärung lohnt sich, eine Behandlung kann eine normale Entwicklung ermöglichen.

Ein Neugeborenes wiegt in der Regel zwischen 2800 und 4200 Gramm und misst zwischen 47 und 55 Zentimeter. Einige Kinder – etwa 15% aller Neugeborenen – entsprechen, wenn sie zur Welt kommen, nicht dieser allgemeinen Norm, sie sind größer oder kleiner.

Ursachen für SGA:

  • Mangel an Nährstoffen beim Fetus
  • Unterernährung der Mutter
  • Störung des Nährstofftransportes von der Mutter zum Kind
  • Mehrlingsschwangerschaften
  • Fertilitätsbehandlungen
  • Schwangerschaftskomplikationen bei älteren Frauen

In den meisten Fällen kann die Ursache nicht eindeutig geklärt werden.

Fetale Umprogrammierung

Studien weisen darauf hin, dass der Organismus des Fetus den Stoffwechsel umschaltet – und zwar für immer – wenn die Zufuhr an Nährstoffen während der Schwangerschaft mangelhaft ist. Der Fetus entwickelt aufgrund der hungersnot im Bauch eine kompensatorische Überlebensstrategie und konzentriert sich auf Kosten des Wachstums auf die Versorgung von lebenswichtigen Organen.

Das Resultat dieser fetalen Programmierung ist das besonders sparsame individuum (thrifty phenotype). Diese sogenannten thrifty phenotypes (oder SGA‘s) haben eine kleinere Körpergröße, eine niedrigere Stoffwechselrate, weniger Muskeln, und sie sind körperlich weniger aktiv, also optimal an eine Umgebung angepasst, die chronisch knapp an Nahrungsmitteln ist.

Bei einer Hungersnot sichert diese Umprogrammierung des Stoffwechsels das Überleben. Ist das Kind aber dann ab Geburt mit Überfluss konfrontiert, kann diese Umprogrammierung zu gesundheitlichen Problemen führen.

Konsequenzen der fetalen Umprogrammierung

Ganz diskrete Auffälligkeiten im Zuckerstoffwechsel sind oft bereits im Kindesalter nachweisbar. Zusätzlich führt die ungenügende Versorgung bei Mutter und Kind zu Stress und einem erhöhten Spiegel des Stresshormons Cortisol, welcher oft lebenslang nachwirkt. Solche Kinder sind deshalb oft stressempfindlicher als andere.

Alle diese Mechanismen, also weniger Muskelmasse, größerer Fettanteil, weniger Bewegung, weniger Inselzellen und eine erhöhte Aktivität der Nebennierenrinde erhöhen das spätere Risiko für eine Insulinresistenz und damit auch die Anfälligkeit für Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall im Erwachsenenalter.

Die Diagnose SGA verfolgt Kinder auch in der Schule. Der Zusammenhang zwischen Untergewicht bei Geburt und späterer geringerer Intelligenz, schlechteren Berufsaussichten, niedrigerer Sozialkompetenz und Verhaltensauffälligkeiten ist gut dokumentiert.

Die Behandlung des ungenügenden Wachstums

Im Verlaufe der Kindheit steht das Wachstumsproblem im Vordergrund, später im Erwachsenenalter dann manchmal die Probleme der Insulinresistenz. Die meisten zu klein geborenen Kinder holen in den ersten zwei Lebensjahren ihr Wachstumsmanko auf.

Bei rund zehn Prozent der Kinder, die zu klein und untergewichtig zur Welt gekommen sind, bleibt das Aufholwachstum in dieser Zeit aus. In der Schweiz werden Behandlungskosten mit Wachstumshormon dann übernommen, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Gewicht und/oder Größe sind bei der Geburt um 2 Standardabweichungen kleiner als bei Normalgeborenen.
  • Bis zum vierten Lebensjahr findet kein Aufholwachstum statt.
  • Die aktuelle Größe des Kindes liegt mindestens 5 Standardabweichungen unter der Größe von Gleichaltrigen.
  • Die Wachstumsgeschwindigkeit im vergangenen Jahr beträgt weniger als 0 SDS.
  • Die Angleichung an die elterliche Zielgröße beträgt mindestens -1 SD.

Ausserdem müssen vor einer Therapie alle anderen Gründe für Kleinwuchs (z.B. Ein Wachstumshormonmangel oder eine Hypothyreose) ausgeschlossen werden. Nach einem Jahr muss die Behandlung evaluiert werden.

Ziel der Behandlung ist nicht nur die Beeinflussung des Längenwachstums, sondern auch des Muskelaufbaus zuungunsten des Körperfettanteils, weil dies das Risiko von Diabetes reduziert.

Prof. Dr. Med. Urs Eiholzer hat zwei Bücher geschrieben, in denen er einfühlsam, kompakt und anschaulich alle wichtigen Aspekte zum Thema Mangelgeburt erläutert. Das Ratgeberbuch SGA-Mangelgeburt richtet sich an Eltern von SGA-Kindern und hilft Ihnen, die Diagnose besser zu verstehen. Das im Karger-Verlag erschienene Fachbuch SGA-Mangelgeburt ursachen, risiken, therapien und behandlung ist ein Muss für Ärzte, die an Wachstumsstörungen, Adipositas, Diabetes und dem metabolischen Syndrom interessiert sind.

Frühe Diagnose und Behandlung sind entscheidend

Es ist wichtig, dass Kinderärzte frühzeitig aufmerksam werden, wenn ein SGA-Kind bis zum zweiten Geburtstag kein Aufholwachstum zeigt, damit etwaige andere Ursachen einer Wachstumsstörung nicht verpasst werden. Eine frühzeitige Abklärung ist auch deshalb wichtig, weil es infolge der erhöhten Hormonausschüttung der Nebennierenrinde zu einer leichten Beschleunigung der Knochenreifung kommen kann.

Nicht selten wächst deshalb ein siebenjähriges SGA-Kind bereits etwas schneller, und erfüllt dann die Kriterien für eine Behandlung nicht mehr. Diese leichte Beschleunigung des Wachstums führt aber leider meist zu einer zusätzlichen leichten Reduktion der Endgröße, weil auch die Pubertät und damit der Pubertätswachstumsspurt etwas früher einsetzen und dann das Wachstum etwas früher abgeschlossen ist.

Wachstumshormonbehandlung bei SGA

Die Wachstumshormonbehandlung bei SGA ist ein komplexes Thema, das individuell betrachtet werden muss. Es gibt verschiedene Faktoren, die die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung beeinflussen, wie zum Beispiel das Alter des Kindes, die Schwere der Wachstumsverzögerung und die zugrundeliegende Ursache. Es ist wichtig, sich mit einem spezialisierten Arzt zu besprechen, um die bestmögliche Behandlung für Ihr Kind zu finden.

Silver-Russel-Syndrom

Es wird heute davon ausgegangen, dass das Silver-Russel-Syndrom in den meisten Fällen eine Variante des SGA ist, wobei zum Kleinwuchs und Untergewicht in der Regel auch eine Asymmetrie der beiden Körperhälften beobachtet wird.

Was kann ich tun, wenn mein Baby im Bauch zu klein ist?

Wenn Ihr Frauenarzt oder Ihre Frauenärztin eine vorgeburtliche Wachstumsverzögerung vermutet, wird er oder sie Sie an eine Spezialklinik überweisen. Dort werden Sie eine Intensivschwangerenberatung erhalten, in der die erhobenen Befunde in einer erneuten Ultraschalluntersuchung überprüft werden.

kleine babys geburt - Was bedeutet es wenn mein Baby viel zu klein ist im Bauch

Die Befunde werden ausführlich mit Ihnen besprochen und ein individueller Plan zur weiteren Beobachtung und Überwachung der Schwangerschaft erarbeitet. Dieser Plan kann je nach Situation verschiedene Maßnahmen beinhalten, wie zum Beispiel regelmäßige Ultraschall- und CTG-Kontrollen, Anpassung der Ernährung oder sogar einen stationären Aufenthalt.

Welche Risiken bestehen für ein zu kleines Baby?

Ein zu kleines Baby kann ein erhöhtes Risiko für verschiedene gesundheitliche Probleme haben, wie zum Beispiel:

  • Atembeschwerden
  • Hypoglykämie (niedriger Blutzuckerspiegel)
  • Hypothermie (niedrige Körpertemperatur)
  • Gelbsucht
  • Wachstumsprobleme
  • Entwicklungsverzögerungen
  • Erhöhtes Risiko für chronische Krankheiten im Erwachsenenalter, wie zum Beispiel Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall

Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass nicht alle zu kleinen Babys diese Probleme entwickeln. Die meisten Kinder holen ihr Wachstumsmanko in den ersten Lebensjahren auf und entwickeln sich normal.

Was kann ich tun, um die Entwicklung meines Babys zu unterstützen?

Es gibt verschiedene Dinge, die Sie tun können, um die Entwicklung Ihres Babys zu unterstützen, auch wenn es zu klein geboren wurde:

kleine babys geburt - Wann gilt ein Baby als zu klein

  • Stillen Sie Ihr Baby so lange wie möglich. Muttermilch ist die beste Nahrung für Neugeborene und Säuglinge.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt über die richtige Ernährung für Ihr Baby.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt über die Möglichkeit einer Wachstumshormonbehandlung, wenn Ihr Kind kein Aufholwachstum zeigt.
  • Schaffen Sie eine liebevolle und unterstützende Umgebung für Ihr Kind.

Gibt es eine Möglichkeit, die Geburt eines zu kleinen Babys zu verhindern?

In manchen Fällen kann eine vorgeburtliche Wachstumsverzögerung durch eine gesunde Lebensweise der Mutter verhindert werden. Dazu gehören eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und die Vermeidung von Alkohol, Drogen und Rauchen.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass nicht alle Fälle von SGA verhindert werden können. In manchen Fällen ist die Ursache für die Wachstumsverzögerung unbekannt oder nicht beeinflussbar.

Wenn Sie sich Sorgen um die Größe Ihres Babys im Bauch machen, sprechen Sie mit Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Frauenärztin. Er oder sie kann Ihnen die bestmögliche Unterstützung und Beratung anbieten.

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