Feldhasen: superfetation - trächtig während der trächtigkeit?

Die Fortpflanzung von Feldhasen ist ein faszinierendes Phänomen, das Wissenschaftler und Laien gleichermaßen in Staunen versetzt. Eine besonders bemerkenswerte Besonderheit ist die Superfetation, die Fähigkeit einer Häsin, während der Trächtigkeit erneut schwanger zu werden. Dieses außergewöhnliche Verhalten, das bei anderen Säugetieren nicht vorkommt, ermöglicht es Feldhasen, ihre Fortpflanzungsrate zu maximieren und den Herausforderungen der Natur besser zu begegnen.

Inhaltsverzeichnis

Superfetation: Einzigartiges Phänomen bei Feldhasen

Die Superfetation wurde erstmals von Jägern beobachtet, die in den Gebärmüttern von tragenden Häsinnen Jungtiere unterschiedlicher Größe fanden. Dies führte zu der Vermutung, dass die Häsin während der Trächtigkeit erneut gedeckt wird und somit Jungtiere aus verschiedenen Würfen gleichzeitig heranwachsen. Diese Vermutung war der Ausgangspunkt der Doktorarbeit von Kathleen Röllig am Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW). Röllig untersuchte das Phänomen der Superfetation bei Feldhasen systematisch und konnte erstmals wissenschaftlich belegen, dass diese Fähigkeit tatsächlich existiert.

Wie funktioniert Superfetation?

Superfetation bei Feldhasen ist ein komplexer Prozess, der die gängigen Mechanismen der Schwangerschaft bei Säugetieren auf den Kopf stellt. Normalerweise unterdrücken Schwangerschaftshormone einen erneuten Eisprung, wodurch eine weitere Befruchtung verhindert wird. Bei Feldhasen jedoch ist das Hormonsystem anders aufgebaut. Die Häsin kann trotz bestehender Schwangerschaft einen neuen Eisprung auslösen, der wiederum zur Befruchtung neuer Eizellen führen kann. Dies ist nur in einem kurzen Zeitfenster von etwa drei bis vier Tagen vor der Geburt möglich.

Die Forscher konnten mithilfe von Ultraschalluntersuchungen nachweisen, dass die Eileiterpassage bei Feldhasen, die Zeit, die ein Ei benötigt, um vom Eierstock in die Gebärmutter zu gelangen, deutlich kürzer ist als bei anderen Säugetieren. Dies ermöglicht es der Häsin, den Zeitraum zwischen der Geburt und der Einnistung neuer Embryonen in die Gebärmutter zu minimieren.

Vorteile der Superfetation für Feldhasen

Die Superfetation bietet Feldhasen mehrere Vorteile, die ihnen das Überleben in der Natur erleichtern:

  • Erhöhte Fortpflanzungsrate: Die Häsin kann in kürzerer Zeit mehr Junge zur Welt bringen, was die Überlebenschancen der Art erhöht.
  • Flexibilität bei der Fortpflanzung: Die Häsin kann sich an wechselnde Umweltbedingungen anpassen und ihre Fortpflanzungsstrategie entsprechend anpassen.
  • Bessere Nutzung von Ressourcen: Die Häsin kann ihre Ressourcen effektiver nutzen, da sie in kürzerer Zeit mehrere Würfe großziehen kann.

Mythen und Fakten zur Superfetation

Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Mythen und Vermutungen über die Superfetation bei Feldhasen entwickelt. Die Forschung konnte jedoch viele dieser Mythen widerlegen:

Mythe 1: Unterschiedliche Größen der Jungtiere im Wurf

Es wurde oft angenommen, dass die unterschiedlichen Größen der Jungtiere in einem Feldhasen-Wurf auf die Superfetation zurückzuführen sind. Die Forschung hat jedoch gezeigt, dass diese Größenunterschiede eher auf Wachstumsschwankungen der Jungtiere zurückzuführen sind.

Mythe 2: Spermienspeicherung

Früher wurde vermutet, dass trächtige Häsinnen Sperma in der Gebärmutter speichern können, um damit nach der Geburt die frischen Eizellen zu befruchten. Vaterschaftstests haben jedoch bewiesen, dass der Rammler, der die Häsin vor der Geburt gedeckt hat, auch der Vater der danach gezeugten Jungtiere ist.

Herausforderungen der Superfetation

Die Superfetation birgt auch einige Herausforderungen für die Häsin. Die Häsin muss ein hohes Risiko eingehen, sich während der Trächtigkeit mit keimbelastetem Sperma zu verunreinigen. Die Forscher erforschen derzeit, wie die Häsinnen dieses Risiko minimieren und sich vor Infektionen schützen.

Kann eine Häsin während der Trächtigkeit erneut schwanger werden?

Ja, Feldhasen können während der Trächtigkeit erneut schwanger werden. Dieses Phänomen wird Superfetation genannt.

Wie funktioniert Superfetation bei Feldhasen?

Superfetation ist möglich, weil Feldhasen ein besonderes Hormonsystem haben, das es ihnen erlaubt, einen neuen Eisprung auszulösen, obwohl sie bereits trächtig sind.

Wie lange dauert die Trächtigkeit bei Feldhasen?

Die Trächtigkeit bei Feldhasen dauert etwa 29 bis 31 Tage.

Welche Vorteile hat die Superfetation für Feldhasen?

Superfetation ermöglicht es Feldhasen, ihre Fortpflanzungsrate zu maximieren und sich an wechselnde Umweltbedingungen anzupassen.

Wie viele Junge kann eine Häsin pro Jahr zur Welt bringen?

Eine Häsin kann pro Jahr bis zu vier Würfe mit jeweils zwei bis vier Jungen zur Welt bringen.

Warum sollte man junge Feldhasen nicht anfassen?

Junge Feldhasen sollten nicht angefasst werden, da sie sonst von ihrer Mutter verstoßen werden können. Nur in absoluten Ausnahmefällen, wenn die Jungtiere verletzt oder krank sind, ist ein menschlicher Eingriff notwendig.

Fazit

Die Superfetation bei Feldhasen ist ein faszinierendes Beispiel für die Anpassungsfähigkeit der Natur. Diese einzigartige Fähigkeit ermöglicht es den Tieren, ihre Fortpflanzungsrate zu maximieren und ihre Überlebenschancen in der Natur zu erhöhen. Die Forschung zu diesem Phänomen liefert wertvolle Erkenntnisse über die evolutionären Prozesse, die die Fortpflanzung bei Säugetieren beeinflussen.

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