Die Frage nach der Geburt Jesu und seiner Präexistenz ist ein zentrales Thema im christlichen Glauben und hat seit Jahrhunderten Theologen und Gläubige gleichermaßen beschäftigt. Während die Bibel Hinweise auf die Präexistenz Jesu liefert, gibt es auch verschiedene Interpretationen und Debatten darüber, ob Jesus bereits vor seiner irdischen Geburt existierte. Dieser Artikel beleuchtet die biblischen Quellen, die Präexistenzlehre in der Alten Kirche, die verschiedenen theologischen Positionen und die gegenwärtige Debatte um die Bedeutung der Präexistenz Jesu.
- Die biblischen Quellen zur Präexistenz Christi
- Hinweise auf die Präexistenz Jesu im Alten Testament
- Darstellung der Präexistenz Jesu im Neuen Testament
- Theologische Positionen zur Präexistenz Jesu in der Alten Kirche
- Die Präexistenz Jesu in der Neuzeit
- Die Bedeutung der Präexistenz Jesu
- Häufige Fragen zur Präexistenz Jesu
- Fazit: Die Debatte um die Präexistenz Jesu geht weiter
Die biblischen Quellen zur Präexistenz Christi
Die Vorstellung von der Präexistenz Christi, die besagt, dass Jesus Christus bereits vor seinem irdischen Leben existierte, findet sich in vielen Passagen des Neuen Testaments. Diese Idee durchzieht das gesamte Neue Testament, insbesondere das Johannesevangelium, und ist ein zentrales Thema in der christlichen Lehre von der Menschwerdung Gottes.
Ein wichtiger Text ist Johannes 1,1-5, der besagt: im anfang war das wort, und das wort war bei gott, und das wort war gott. er war im anfang bei gott. alle dinge sind durch ihn geworden, und ohne ihn ist nichts geworden, was geworden ist. in ihm war das leben, und das leben war das licht der menschen. Hier wird das wort als Titel Jesu Christi vorgestellt, der bereits vor der Schöpfung existierte und an ihr teilhatte.
Weitere Stellen, die Hinweise auf die Präexistenz Jesu liefern, sind:
- Korinther 8,6 : denn für uns ist nur ein gott, der vater, von dem alle dinge sind und zu dem wir leben; und ein herr, jesus christus, durch den alle dinge sind und durch den wir leben.
- Korinther 10,4 : und alle tranken von demselben geistlichen getränk; denn sie tranken aus dem geistlichen felsen, der sie folgte, und der felsen war christus.
- Hebräer 1,2 : er ist der abglanz seiner herrlichkeit und das ebenbild seines wesens und trägt alles durch das wort seiner kraft; nachdem er die reinigung von den sünden vollbracht hat, setzte er sich zur rechten der majestät in der höhe.
- Kolosser 1,15-20 : er ist das bild des unsichtbaren gottes, der erstgeborene vor aller schöpfung. Denn in ihm ist alles geschaffen, was im himmel und auf erden ist, das sichtbare und das unsichtbare, es seien throne oder herrschaften oder gewalten oder mächte: alles ist durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem und alles hält in ihm zusammen. Und er ist der kopf des leibes, der gemeinde; er ist der anfang, der erstgeborene von den toten, damit er in allem der erste sei. Denn in ihm wohnt die ganze fülle der gottheit leibhaftig, und in ihm sollt ihr die fülle haben.
- Micha 5,1+3 : aber du, bethlehem-efrata, bist zwar klein unter den sippen judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, der über israel herrschen soll. Seine ursprünge liegen in ferner vorzeit, in längst vergangenen tagen.
- Johannes 8,58 : jesus sprach zu ihnen: wahrlich, wahrlich, ich sage euch: ehe abraham war, bin ich.
- Sprüche 8,22-25 : der herr hat mich geschaffen als den anfang seines weges, das erste seiner werke, ehe er die erde machte und ehe die abgründe entstanden. Als er die himmel noch nicht gegründet hatte, war ich schon da, als er noch keine quellen des wassers an ihrem platz waren. Ehe die berge geboren waren, ehe die hügel entstanden, war ich schon da, als er noch die erde und das feld nicht gemacht hatte, und alle staubkörner der welt.
Diese Stellen legen nahe, dass Jesus Christus bereits vor seiner irdischen Geburt existierte und eine wichtige Rolle in der Schöpfung und im Plan Gottes spielte.
Hinweise auf die Präexistenz Jesu im Alten Testament
Obwohl das Alte Testament nicht explizit von der Präexistenz Jesu spricht, finden sich einige Stellen, die als Hinweise auf diese Lehre interpretiert werden können.
Ein Beispiel ist Micha 5,1-4, in dem das Kommen des Messias angekündigt wird, der aus Bethlehem stammen soll und dessen Ursprünge in ferner vorzeit, in längst vergangenen tagen liegen.
Diese Stelle könnte als Hinweis auf die Präexistenz Jesu interpretiert werden, da sie seine Verbindung zu einer Zeit vor seiner Geburt suggeriert. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Interpretation nicht unumstritten ist und andere Deutungen möglich sind.
Darstellung der Präexistenz Jesu im Neuen Testament
Im Neuen Testament wird die Präexistenz Jesu auf verschiedene Weise dargestellt. In Johannes 1,18 wird betont, dass Gott nie von jemandem gesehen wurde und dass nur der Sohn, Jesus Christus, Auskunft über ihn geben kann.
Timotheus 6,16 unterstreicht, dass Gott in einem unzugänglichen licht wohnt und kein Mensch ihn je gesehen hat. Dies wird in Verbindung mit der Präexistenz Jesu interpretiert, da Jesus als derjenige dargestellt wird, der Gott dem Menschen offenbarte.
Philipper 2,5-11 erklärt, dass Jesus Christus vor seiner Menschwerdung in der Gestalt Gottes war, genauso Geist wie sein Vater (Johannes 4,24) und dort mit Gott völlig deckungsgleich war.
In Johannes 17,5 redet Jesus selbst über die Herrlichkeit, die er hatte, bevor die Welt war, und in Johannes 8,58 sagt er: ehe abraham war, bin ich.
Diese Stellen unterstreichen die göttliche Natur Jesu und seine Existenz vor seiner Inkarnation.
Theologische Positionen zur Präexistenz Jesu in der Alten Kirche
Die Lehre von der Präexistenz Jesu wurde in der Alten Kirche intensiv diskutiert und verschiedene theologische Positionen entwickelten sich.
Origenes und die Präexistenz aller Seelen
Der Kirchenvater Origenes vertrat eine Präexistenzlehre für alle menschlichen Seelen. Er glaubte, dass die Seele Jesu wie alle Seelen zu Beginn der Schöpfung von Gott geschaffen wurde, sich aber bereits vor seiner Inkarnation mit dem göttlichen Logos, dem wort gottes, wie es im Johannesevangelium steht, vereinigt hatte. So erklärte Origenes die menschlichen und göttlichen Eigenschaften Jesu.
Arianismus und die Ablehnung der Wesenseins von Vater und Sohn
Zu Beginn des arianischen Streits ab etwa dem Jahr 318 formulierte der Presbyter Arius, dass Gott der Vater und Gott der Sohn weder wesenseins noch wesensgleich seien, im Unterschied zur Wesensgleichheit (mit Gleichrangigkeit von Vater und Sohn) zwischen Gott und seinem Sohn.
Arius vertrat weiterhin, dass der Sohn ein Geschöpf aus dem Willen und nicht dem Wesen des Vaters sei und dass es eine Zeit gegeben habe, da der Sohn noch nicht existiert habe.
Das Konzil von Nicäa und die Bestätigung der Wesensgleichheit
Diese theologische Ansicht wurde im Ersten Nicänischen Konzil im Jahr 325 mit dem Anathema belegt. Das auf diesem Konzil geschaffene Bekenntnis von Nicäa formulierte, dass christus gezeugt, nicht geschaffen, eines wesens mit dem vater und dass er herabgestiegen und fleisch geworden ist.
Im Anhang nach diesem Bekenntnis wurden jene theologische Ansichten, die verboten wurden, ausdrücklich genannt. Damit wurde u. A. Die theologische Position, Christus habe von jeher existiert und nicht erst ab einem bestimmten Zeitpunkt, zum verbindlichen Dogma erklärt.
Die Ebioniten und die Ablehnung der Präexistenz
Die Ebioniten, eine frühchristliche Gruppe, lehnten die Jungfrauengeburt ab und folglich auch jedes Konzept der persönlichen Präexistenz Christi. Sie lehrten, dass er erst in der Taufe zum Sohn Gottes wurde.
Die Präexistenz Jesu in der Neuzeit
Die Debatte um die Präexistenz Jesu setzte sich in der Neuzeit fort.
Sozinianismus und Unitarismus
Die Ablehnung jeglicher persönlicher Präexistenz Christi ist auch ein wesentlicher Punkt der unitarischen und sozinianistischen Christologie, wie er auch im Rakower Katechismus der Polnischen Brüder betont wird. Der Einfluss der polnischen und niederländischen Sozinianer hat auch zu einer ähnlichen Zurückweisung der persönlichen Präexistenz Christi unter den frühen englischen Unitariern und Rationalisten geführt.
Ein wichtiger Unterschied zu den antiken Arianern ist, dass die Sozinianer und Unitarier die jungfräuliche Geburt akzeptierten. Im 1Jahrhundert unternahmen Teile des Unitarismus einen weiteren Schritt zu einer rationalistischen Positionierung. Heute sind die sichtbarsten Vertreter dieser Christologie die Brüder in Christo oder Christadelphians.
Moderne Theologische Perspektiven
Manche moderne Theologen, zum Beispiel Adolf von Harnack, stehen der Präexistenz Christi skeptisch gegenüber. Paul Althaus hat die Problematik der Präexistenz-Vorstellung für die Dogmatik so erklärt: da die präexistenz eine in der vor- und außerchristlichen religionswelt verbreitete aussage ist, muß gefragt werden, ob und inwiefern der gehalt des glaubens an jesus zur aufnahme des präexistenz-gedankens führt und ob er ein angemessener und verbindlicher ausdruck ist oder ein zeitgebundener, für uns überholter mythologischer satz.
Die Bedeutung der Präexistenz Jesu
Die Lehre von der Präexistenz Jesu hat weitreichende Auswirkungen auf das christliche Verständnis von Gottes Natur, der Menschwerdung Jesu und dem Verhältnis zwischen Gott und Mensch.
Für diejenigen, die an die Präexistenz Jesu glauben, bedeutet dies, dass Jesus Christus bereits vor seiner Geburt eine göttliche Existenz hatte und eine wichtige Rolle im Plan Gottes spielte. Er war nicht nur ein menschlicher Prophet oder Lehrer, sondern der Sohn Gottes, der an der Schöpfung teilhatte und zur Rettung der Menschheit kam.
Die Präexistenz Jesu unterstreicht auch die Einheit der Gottheit und die Beziehung zwischen Vater und Sohn. Es deutet darauf hin, dass Jesus Christus nicht nur ein Geschöpf Gottes ist, sondern ein Teil der göttlichen Natur.
Die Lehre von der Präexistenz Jesu hat auch Auswirkungen auf das Verständnis von Jesu Tod und Auferstehung. Wenn Jesus bereits vor seiner Geburt existierte, bedeutet dies, dass sein Tod und seine Auferstehung nicht nur ein menschliches Ereignis waren, sondern eine kosmische Bedeutung hatten. Sie waren ein Sieg über den Tod und eine Wiederherstellung der Beziehung zwischen Gott und Mensch.
Häufige Fragen zur Präexistenz Jesu
Was ist die Präexistenz Jesu?
Die Präexistenz Jesu ist die Lehre, dass Jesus Christus bereits vor seiner irdischen Geburt existierte. Sie besagt, dass er ein göttliches Wesen war, das an der Schöpfung der Welt teilhatte und eine wichtige Rolle im Plan Gottes spielte.
Wo findet man die Lehre von der Präexistenz Jesu in der Bibel?
Die Vorstellung von der Präexistenz Christi findet sich in vielen Passagen des Neuen Testaments, insbesondere im Johannesevangelium. Einige wichtige Stellen sind Johannes 1,1-5, Korinther 8,6, Hebräer 1,2, Kolosser 1,15-20, Micha 5,1+3, Johannes 8,58 und Sprüche 8,22-2
Was ist der Unterschied zwischen der Präexistenz Jesu und der Jungfrauengeburt?
Die Präexistenz Jesu bezieht sich auf seine Existenz vor seiner Geburt, während die Jungfrauengeburt sich auf die Art und Weise bezieht, wie er geboren wurde. Die Lehre von der Jungfrauengeburt besagt, dass Jesus durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria geboren wurde.
Warum ist die Präexistenz Jesu wichtig?
Die Lehre von der Präexistenz Jesu hat weitreichende Auswirkungen auf das christliche Verständnis von Gottes Natur, der Menschwerdung Jesu und dem Verhältnis zwischen Gott und Mensch. Sie unterstreicht die göttliche Natur Jesu und seine wichtige Rolle im Plan Gottes.
Gibt es verschiedene theologische Positionen zur Präexistenz Jesu?
Ja, es gibt verschiedene theologische Positionen zur Präexistenz Jesu. Einige Christen glauben an die Präexistenz Jesu, während andere sie ablehnen. Die Debatte über die Präexistenz Jesu hat seit Jahrhunderten Theologen und Gläubige beschäftigt.
Fazit: Die Debatte um die Präexistenz Jesu geht weiter
Die Frage nach der Geburt Jesu und seiner Präexistenz ist ein komplexes Thema, das seit Jahrhunderten diskutiert wird. Es gibt verschiedene biblische Stellen, die Hinweise auf die Präexistenz Jesu liefern, aber auch verschiedene Interpretationen und Debatten darüber.
Die Lehre von der Präexistenz Jesu hat bedeutende Auswirkungen auf das christliche Verständnis von Gottes Natur, der Menschwerdung Jesu und dem Verhältnis zwischen Gott und Mensch.
Die Debatte um die Präexistenz Jesu wird wahrscheinlich auch in Zukunft fortgesetzt, da sie ein zentrales Thema im christlichen Glauben ist und wichtige Fragen über die Natur Gottes und die Beziehung zwischen Gott und Mensch aufwirft.
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