Die Geburt eines Kindes ist ein Wunder, ein Moment voller Freude und Glück. Doch der Weg dahin kann für die werdende Mutter anstrengend und schmerzhaft sein. Ein wichtiger Teil des Geburtsvorgangs ist die Phase, in der der Kopf des Kindes den Geburtskanal passiert. In diesem Artikel erklären wir, was genau in dieser Phase geschieht und welche Rolle das aktive Pressen spielt.
Die zweite Phase der Geburt: Wenn der Kopf kommt
Die Geburt wird in drei Phasen unterteilt:
- Eröffnungswehen: Die Gebärmutter kontrahiert und öffnet sich, um den Geburtskanal für das Kind vorzubereiten.
- Austreibungsphase: Der Kopf des Kindes passiert den Geburtskanal und wird geboren.
- Nachgeburtsphase: Die Plazenta wird geboren.
Die zweite Phase, die Austreibungsphase, ist die Phase, die für die werdende Mutter am anstrengendsten ist. In dieser Phase spürt sie den starken Drang, zu pressen. Dieser Drang wird durch den Druck des kindlichen Kopfes auf den Beckenboden ausgelöst.
Aktives Pressen: Hilft es wirklich?
Früher wurde angenommen, dass aktives Pressen, also das bewusste Anstrengen der Bauchmuskulatur während der Wehen, die Geburt beschleunigt und für Mutter und Kind besser ist. Doch eine Studie vom Southwestern Medical Center der Universität von Texas hat gezeigt, dass dies nicht der Fall ist.
In der Studie wurden 157 Erstgebärende mit unkompliziertem Schwangerschaftsverlauf gebeten, der Natur freien Lauf zu lassen. Sie durften pressen, wenn sie das Bedürfnis dazu hatten, aber es wurde ihnen nicht aufgezwungen. In der Vergleichsgruppe hingegen wurden 163 Schwangere zum aktiven Pressen aufgefordert.
Das Ergebnis: Durch das aktive Pressen wurde die zweite Phase der Entbindung um 13 Minuten verkürzt (von 59 auf 46 Minuten). Allerdings hatte diese Verkürzung weder für das Neugeborene noch für die Mutter positive Auswirkungen. Der Apgar-Wert und der Nabelschnur-pH-Wert waren identisch. Es gab keine erhöhte Rate von Zangengeburten oder Kaiserschnitten, und die Rate der Dammverletzungen bei der Frau war gleich.
Aus medizinischer Sicht besteht deshalb nach Ansicht der Wissenschaftler kein Grund für das aktive Pressen. Sie sehen sogar potenzielle Gefahren, ohne diese allerdings durch die Studie belegen zu können. Sie glauben, dass das Pressen möglicherweise für Störungen der Beckenbodenmuskulatur und damit für spätere Blasenschwäche verantwortlich sein könnte.
Der Geburtskanal: Ein komplexer Weg
Der Geburtskanal ist der Weg, den das Kind bei der Geburt durchläuft. Er besteht aus dem Gebärmutterhals, der Vagina und dem Beckenboden. Der Beckenboden ist eine wichtige Muskelgruppe, die den Geburtskanal unterstützt und die Organe im Bauchraum stabilisiert.
Der Geburtskanal ist nicht gerade, sondern hat verschiedene Kurven und Engstellen. Diese Engstellen können die Geburt schwieriger machen, insbesondere wenn das Kind groß ist oder in einer ungünstigen Position liegt.
Die Engstellen des Geburtskanals
Die wichtigsten Engstellen des Geburtskanals sind:
- Beckeneingang: Der obere Teil des Beckens, durch den der Kopf des Kindes zuerst passt.
- Beckenhöhle: Der mittlere Teil des Beckens, der die engste Stelle des Geburtskanals darstellt.
- Beckenausgang: Der untere Teil des Beckens, durch den der Kopf des Kindes schließlich geboren wird.
Die Enge des Geburtskanals speziell beim Homo sapiens führte zu einem relativ hohen Risiko der Neugeborenen- und Müttersterblichkeit. Dies ist einer der Gründe, warum es in allen Kulturen üblich wurde, den Frauen Geburtshilfe zu leisten.
Die Anpassung des kindlichen Kopfes
Der kindliche Kopf ist sehr flexibel und kann sich während der Geburt an die Form des Geburtskanals anpassen. Die Schädelknochen sind noch nicht vollständig miteinander verwachsen, sondern durch weiche Nähte verbunden. Diese Nähte ermöglichen es dem Kopf, sich zu verformen und durch die Engstellen des Geburtskanals zu passen.
Die Anpassung des kindlichen Kopfes ist ein natürlicher Prozess, der normalerweise ohne Probleme abläuft. In seltenen Fällen kann es jedoch vorkommen, dass der Kopf des Kindes zu groß ist oder in einer ungünstigen Position liegt. In solchen Fällen kann ein Kaiserschnitt notwendig sein, um die Geburt zu ermöglichen.
Geburtshilfe: Unterstützung für die Mutter und das Kind
Die Geburtshilfe spielt eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der Mutter und des Kindes während der Geburt. Hebammen und Ärzte stehen der Mutter während der gesamten Geburt zur Seite und überwachen den Fortschritt der Geburt. Sie können die Mutter bei Bedarf mit Medikamenten oder anderen Maßnahmen unterstützen.
Die Geburtshilfe hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Neue Methoden und Techniken ermöglichen es, die Geburt sicherer und komfortabler für die Mutter zu gestalten. So können zum Beispiel Schmerzmittel eingesetzt werden, um die Wehen zu lindern, und es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Geburt zu beschleunigen oder zu verlangsamen, wenn dies notwendig ist.
Häufige Fragen zur Geburt:
Was passiert, wenn der Kopf des Kindes nicht durch den Geburtskanal passt?
Wenn der Kopf des Kindes zu groß ist oder in einer ungünstigen Position liegt, kann er nicht durch den Geburtskanal passen. In diesem Fall ist ein Kaiserschnitt notwendig, um die Geburt zu ermöglichen.
Wie lange dauert die zweite Phase der Geburt?
Die Dauer der zweiten Phase der Geburt variiert von Frau zu Frau. Im Durchschnitt dauert sie etwa eine Stunde. Sie kann aber auch kürzer oder länger dauern, abhängig von verschiedenen Faktoren wie der Größe des Kindes, der Position des Kindes und der individuellen Konstitution der Frau.
Was kann ich tun, um die Geburt zu erleichtern?
Es gibt verschiedene Dinge, die Sie tun können, um die Geburt zu erleichtern:
- Entspannen Sie sich: Stress und Angst können die Geburt erschweren. Versuchen Sie, sich zu entspannen und vertrauen Sie Ihrem Körper.
- Atmen Sie tief durch: Richtiges Atmen kann Ihnen helfen, die Wehen besser zu bewältigen.
- Bewegen Sie sich: Bewegung kann die Geburt beschleunigen und die Schmerzen lindern.
- Nehmen Sie ein warmes Bad: Ein warmes Bad kann entspannend wirken und die Schmerzen lindern.
- Fordern Sie Unterstützung an: Sprechen Sie mit Ihrem Partner, Ihrer Familie oder Ihren Freunden und bitten Sie um Unterstützung.
Was sind die Risiken eines Kaiserschnitts?
Ein Kaiserschnitt ist ein chirurgischer Eingriff, der mit bestimmten Risiken verbunden ist. Zu den Risiken gehören:
- Blutungen: Nach einem Kaiserschnitt können stärkere Blutungen auftreten als nach einer vaginalen Geburt.
- Infektionen: Die Wunde nach einem Kaiserschnitt kann sich infizieren.
- Narbenbildung: Der Kaiserschnitt hinterlässt eine Narbe, die in seltenen Fällen Probleme verursachen kann.
- Komplikationen für das Kind: Ein Kaiserschnitt kann in seltenen Fällen zu Komplikationen für das Kind führen, wie zum Beispiel Atemproblemen.
Wie kann ich mich auf die Geburt vorbereiten?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich auf die Geburt vorzubereiten:
- Besuchen Sie Geburtsvorbereitungskurse: In Geburtsvorbereitungskursen lernen Sie alles über die Geburt, die verschiedenen Phasen der Geburt und wie Sie die Geburt besser bewältigen können.
- Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme: Fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Hebamme nach allen Fragen, die Sie zur Geburt haben.
- Lesen Sie Bücher und Artikel: Es gibt viele Bücher und Artikel über die Geburt, die Ihnen wertvolle Informationen liefern können.
- Stellen Sie eine Geburtsklinik oder ein Geburtshaus fest: Suchen Sie sich eine Geburtsklinik oder ein Geburtshaus, das Ihren Bedürfnissen entspricht.
Fazit: Eine natürliche und kraftvolle Erfahrung
Die Geburt eines Kindes ist ein natürlicher und kraftvoller Prozess. Die zweite Phase der Geburt, in der der Kopf des Kindes den Geburtskanal passiert, ist für die werdende Mutter die anstrengendste Phase. Doch mit der richtigen Unterstützung und Vorbereitung kann sie diese Phase meistern und die Freude über die Geburt ihres Kindes genießen.
Es ist wichtig, dass die werdende Mutter sich gut informiert und ihre Fragen stellt. So kann sie die Geburt ihres Kindes so positiv wie möglich erleben.
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