Die Schwangerschaft ist eine Zeit voller Veränderungen, sowohl für den Körper der Frau als auch für ihr Leben. Eine dieser Veränderungen ist die Vergrößerung der Gebärmutter, die sich während der Schwangerschaft deutlich vergrößert, um dem wachsenden Baby Platz zu bieten. Nach der Geburt beginnt die Gebärmutter, sich wieder zurückzubilden, ein Prozess, der für viele Frauen mit Unsicherheiten verbunden ist. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wissenswerte über den Fundusstand, wie er gemessen wird und welche Bedeutung er für die Zeit nach der Geburt hat.
Fundusstand: Was ist das?
Der Fundusstand ist ein wichtiger Indikator für die Größe der Gebärmutter und wird von Hebammen und Gynäkologen regelmäßig kontrolliert. Der Fundus ist die obere Kante der Gebärmutter, und der Fundusstand gibt den Abstand zwischen dem Fundus und verschiedenen Fixpunkten an, wie z. B. Dem Schambein, dem Nabel oder dem Rippenbogen. Mit diesem Wert lässt sich feststellen, wie weit sich die Gebärmutter im Laufe der Schwangerschaft nach oben hin ausgedehnt hat und Rückschlüsse über das Wachstum des Babys ziehen.
Früher war der Fundusstand die Standardmethode zur Messung des Schwangerschaftsfortschritts. Heute werden Ultraschalluntersuchungen jedoch bevorzugt, da sie präzisere Informationen über die Entwicklung des Babys und die Schwangerschaftswoche liefern. In einigen Fällen kann der Fundusstand jedoch nur schwer ertastet werden, beispielsweise bei übermäßigem Fruchtwasser oder Übergewicht. In diesen Fällen wird die Kontrolle meist ausschließlich per Ultraschall durchgeführt.
Wie wird der Fundusstand gemessen?
Der Fundusstand wird mit den sogenannten Leopold-Handgriffen gemessen. Diese Methode wurde von dem österreichischen Arzt Christian Gerhard Leopold entwickelt und ist bis heute eine gängige Praxis in der Geburtshilfe. Die Hebamme oder der Gynäkologe legt dazu die Hände flach auf den Bauch der Schwangeren und sucht mit leichtem Druck die Punkte zum Messen. Der Fundusstand ist ab dem Ende des Monats der Schwangerschaft ertastbar, da die Gebärmutter vorher noch im kleinen Becken liegt und nicht von außen erreichbar ist.
Der gemessene Wert wird in querfinger (QF) angegeben. Ein Querfinger entspricht etwa 1 bis 2,5 Zentimetern. Der Wert wird nach jeder Untersuchung im Mutterpass auf Seite 7 eingetragen. Es ist wichtig, dass die Blase bei der Untersuchung leer ist, um den Wert nicht zu verfälschen.
Fundusstand selbst ertasten
Mit etwas Übung können Sie Ihren Fundusstand auch selbst zu Hause ertasten. Lassen Sie sich die Technik am besten von Ihrer Hebamme oder Ihrem Gynäkologen zeigen. Legen Sie sich dazu entspannt auf den Rücken und suchen Sie zunächst Ihre Schambeinfuge. Diese fühlt sich höckerartig an und sitzt in der Mitte Ihres unteren Beckens, oberhalb Ihres Schambeins. Im nächsten Schritt müssen Sie Ihren Fundus finden, der ein leicht spürbarer Höcker sein sollte. Vor der 20. Schwangerschaftswoche befindet sich der Fundus in der Regel unterhalb Ihres Nabels, danach darüber. Jetzt brauchen Sie nur noch ein Maßband oder messen mit Ihren Querfingern und können so Ihren Fundusstand herausfinden.
Da das eigene Messen oft etwas ungenauer ist, sollten Sie sich keine Sorgen machen, wenn Ihre Werte von den Normwerten abweichen. Lassen Sie Ihre Werte am besten von Ihrer Hebamme oder Ihrem Gynäkologen kontrollieren.
Fundusstand-Tabelle
Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die normalen Fundusstandwerte in der Schwangerschaft:
| Schwangerschaftswoche | Fundusstand | Abkürzung im Mutterpass |
|---|---|---|
| 12-14 | 1-2 QF oberhalb des Schambeins | S+1-2 |
| 16-18 | 2-3 QF oberhalb des Schambeins | S+2-3 |
| 20-22 | 1-2 QF unterhalb des Nabels | N-1-2 |
| 24-26 | Nabelhöhe | N |
| 28-30 | 1-2 QF oberhalb des Nabels | N+1-2 |
| 32-34 | 3-4 QF oberhalb des Nabels | N+3-4 |
| 36-38 | 1-2 QF unterhalb des Rippenbogens | Rb-1-2 |
| 40 | Rippenbogenhöhe | Rb |
Was bedeuten die Abkürzungen?
- S = Schambein beziehungsweise Symphyse (Schambeinfuge)
- N = Nabel
- Rb = Rippenbogen
Die Zahl gibt jeweils die Anzahl der Querfinger an, die oberhalb (+) oder unterhalb (-) des Fixpunktes liegen. Wenn Ihr Fundus beispielsweise 1 Querfinger unterhalb Ihres Nabels zu ertasten ist, was etwa in der 2Schwangerschaftswoche der Fall ist, wird N-1 oder N/1 in Ihren Mutterpass eingetragen.
Ursachen für einen abweichenden Fundusstand
Manchmal kann es vorkommen, dass ein höherer oder niedrigerer Wert als der Normwert gemessen wird. Oftmals stecken harmlose Gründe dahinter oder schlichtweg ein Messfehler. Es können aber auch ernsthaftere Komplikationen die Abweichungen verursachen, weswegen der Wert und die Entwicklung des Babys regelmäßig kontrolliert werden sollten.
Zu hoher Fundusstand
- Mehrlingsschwangerschaften : Egal, ob Zwillinge, Drillinge oder sogar Vierlinge - mehrere Babys brauchen mehr Platz und damit haben Sie schon zu einem früheren Zeitpunkt einen höheren Fundusstand.
- Uterusmyome : Das sind gutartige Tumore, die bei etwa der Hälfte der Frauen keine Beschwerden auslösen. Eine Schwangerschaft kann jedoch durch die gesteigerte Hormonproduktion das Wachstum stimulieren und damit gegebenenfalls die Gebärmutter vergrößern, was den erhöhten Fundusstand erklärt. In den meisten Fällen führen die Myome zu keinen ernsthaften Problemen während der Schwangerschaft. Sie sollten jedoch die Behandlung mit Ihrem Gynäkologen abklären.
- Dein Kind wächst übermäßig stark (Makrosomie) : Manche Babys wachsen schneller, manche langsamer. Wenn Ihr Baby während der Untersuchung jedoch schwerer ist als 95 Prozent der Babys in diesem Alter, spricht man von Makrosomie. Risikofaktoren für dieses übermäßige Wachstum sind Diabetes oder Schwangerschaftsdiabetes. Sollte ein voraussichtliches Geburtsgewicht von 500 Gramm oder mehr errechnet werden, dann wird in der Regel zum Kaiserschnitt geraten.
- Zu viel Fruchtwasser (Polyhydramnion) : Eine übermäßige Menge an Fruchtwasser kann zu einer Vergrößerung des Bauchumfangs führen und damit zu einer Erhöhung des Fundusstandes. Um Komplikationen wie einen vorzeitigen Blasensprung oder eine falsche Geburtsstellung Ihres Kindes zu vermeiden, kann es sein, dass Ihnen Ihre Ärztin/Ihr Arzt durch Punktion Fruchtwasser zur Entlastung entnimmt.
Zu niedriger Fundusstand
- Dein Baby liegt quer : Die Position Ihres Babys im Bauch kann den Wert beeinflussen. Oft ist das kein Grund zur Sorge und viele Babys legen sich während der Schwangerschaft noch in die richtige Lage für die Geburt.
- Dein Baby ist klein : Dafür kommen viele verschiedene Ursachen infrage. Jedes Kind ist individuell und hat sein eigenes Tempo beim Wachsen. Auch Ihre eigene Körperstatur beeinflusst die Größe Ihres Babys, sodass kleinere Schwankungen normal sind. Es können jedoch auch Entwicklungsstörungen oder Fehlbildungen für den niedrigen Fundusstand verantwortlich sein. Das Wachstum sollte von Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt im Blick behalten und mit weiteren Untersuchungen abgeklärt werden.
- Zu wenig Fruchtwasser (Oligohydramnion) : Die Vermutung, dass Sie zu wenig Fruchtwasser haben, kann entstehen, wenn Ihre Uterusgröße geringer ist als erwartet. Oft folgt eine strenge Überwachung der Entwicklung Ihres Babys, da eine Oligohydramnion unter anderem zu einem verzögerten oder unvollständigen Wachstum führen kann.
- Fehlgeburt : Es gibt viele mögliche Ursachen für eine Fehlgeburt. Ein Anzeichen kann unter anderem ein zu niedriger Fundusstand sein, da sich der Fetus nicht weiterentwickelt. Um eine Fehlgeburt auszuschließen, folgen dann verschiedene Untersuchungen. Je weiter Sie in der Schwangerschaft sind, desto unwahrscheinlicher ist eine Fehlgeburt - nach der 1Schwangerschaftswoche beträgt das Risiko weniger als 5 Prozent.
Fundusstand nach der Geburt
Viele Frauen wundern sich, wenn sie nach der Geburt immer noch schwanger aussehen. Das ist jedoch eher die Regel als die Ausnahme. Der Grund dafür ist die erschlaffte Bauchmuskulatur und die immer noch vergrößerte Gebärmutter. Im Wochenbett hat Ihr Körper Zeit, sich zu regenerieren und zu erholen, und die Gebärmutter beginnt, sich zurückzubilden. Dabei unterstützen die sogenannten Nach- oder Stillwehen die Rückbildung. Der postnatale Heilungsprozess Ihrer Gebärmutter kann zwischen 4 und 6 Wochen dauern, ist jedoch von Frau zu Frau ganz individuell.
An Ihrem Wochenfluss können Sie erkennen, wie weit die Heilung voranschreitet - seine Zusammensetzung ändert sich im Verlauf und verfärbt sich von blutig-rot zu gelblich-weiß. Wie weit die Gebärmutter mit der Rückbildung ist, kann Ihre Hebamme über den Fundusstand kontrollieren:
- Direkt nach der Geburt : Fundus 1 bis 3 Querfinger unterhalb des Nabels
- Tag nach der Geburt : Fundus 1 Querfinger oberhalb des Nabels
- Tag nach der Geburt : Fundus zwischen Nabel und Schambein
- Tag nach der Geburt : Fundus knapp oberhalb des Schambeins
Nach circa 14 Tagen sollte der Fundusstand nicht mehr tastbar sein. Auch hier sind kleinere Abweichungen oft harmlos. Die Normwerte dienen nur als Orientierung und sollen Sie nicht verunsichern, da sich jeder Uterus unterschiedlich schnell zurückbildet. Der Wert wird zum Beispiel von der Größe Ihres Babys bei der Geburt, Ihrem Stillverhalten sowie der Geburtsposition und Geburtsart beeinflusst. So bildet sich nach einem Kaiserschnitt die Gebärmutter zumeist langsamer zurück als nach einer natürlichen Geburt. Auch wenn Sie bereits mehrere Kinder haben, kann die Rückbildung länger dauern, da es Ihrer Gebärmutter mehr Kraft kostet, wieder in Form zu kommen.
Häufig gestellte Fragen
Was passiert, wenn der Fundusstand nicht wie erwartet zurückgeht?
Wenn der Fundusstand nicht wie erwartet zurückgeht, kann dies verschiedene Ursachen haben. In den meisten Fällen ist es jedoch kein Grund zur Sorge. Es kann sein, dass die Gebärmutter einfach etwas mehr Zeit benötigt, um sich zurückzubilden. In seltenen Fällen kann es jedoch auch ein Zeichen für eine Komplikation sein, z. B. Eine Infektion oder eine Blutung. Wenn Sie sich Sorgen machen, sollten Sie unbedingt Ihren Arzt oder Ihre Hebamme aufsuchen.
Wie kann ich die Rückbildung der Gebärmutter unterstützen?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Rückbildung der Gebärmutter zu unterstützen. Dazu gehören:
- Stillen : Stillen fördert die Ausschüttung des Hormons Oxytocin, das die Gebärmutter zusammenzieht und so die Rückbildung unterstützt.
- Leichte Bewegung : Schonende Bewegung, wie z. B. Spaziergänge oder Schwimmen, kann die Durchblutung fördern und die Rückbildung beschleunigen.
- Wärme : Eine Wärmflasche auf den Bauch kann die Muskeln entspannen und die Rückbildung unterstützen.
- Gesunde Ernährung : Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten versorgt Ihren Körper mit wichtigen Nährstoffen und unterstützt die Regeneration.
Kann ich etwas gegen die Nachwehen tun?
Nachwehen sind ein normaler Bestandteil der Rückbildung und können unangenehm sein. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, die Schmerzen zu lindern:
- Wärme : Eine Wärmflasche auf den Bauch kann die Schmerzen lindern.
- Schmerzmittel : Ihr Arzt oder Ihre Hebamme kann Ihnen Schmerzmittel verschreiben, die die Schmerzen lindern.
- Entspannungstechniken : Entspannungstechniken, wie z. B. Yoga oder Meditation, können die Schmerzen lindern und Ihnen helfen, besser mit den Nachwehen umzugehen.
Wann sollte ich zum Arzt gehen?
Wenn Sie sich Sorgen um Ihren Fundusstand machen, sollten Sie unbedingt Ihren Arzt oder Ihre Hebamme aufsuchen. Dies gilt insbesondere, wenn Sie:
- Starke Schmerzen haben
- Starke Blutungen haben
- Fieber haben
- Den Fundusstand nicht selbst ertasten können
Ihr Arzt oder Ihre Hebamme kann Ihnen dann weiterhelfen und die Ursache für Ihre Beschwerden abklären.
Sollten Sie sich unsicher bei Ihrem Fundusstand sein – egal, ob während der Schwangerschaft oder nach der Geburt - besprechen Sie Ihre Sorgen mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Gynäkologen. Wir wünschen Ihnen eine wunderschöne Schwangerschaft und eine gute Genesung nach der Geburt!
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