Eine Verletzung der Haut löst im Körper eine sofortige Reaktion aus: Die Haut versucht, das betroffene Gewebe schnellstmöglich zu verschließen, um Keime und Umweltreize abzuwehren. Dieser Prozess der Wundheilung verläuft in drei Phasen:
Die Phasen der Wundheilung
Reinigungsphase (Exsudationsphase):
Die Blutung reinigt die Wunde, aber ein zu großer Blutverlust ist gefährlich. Daher setzt der Körper nach kurzer Zeit die Blutgerinnung ein. Anschließend produziert der Körper vermehrt Wundsekret, das Keime, Schmutz und alte Zellen ausspült. Dieser Prozess wird von weißen Blutkörperchen wie Makrophagen und Granulozyten unterstützt, die ebenfalls Bakterien und Fremdkörper bekämpfen. Diese Phase dauert normalerweise drei Tage.
Reparaturphase (Granulationsphase):
Blutgefäße und Bindegewebe wachsen nun vom Rand der Wunde in die verletzte Stelle hinein. Das neue Gewebe ist aufgrund der hohen Gefäßdichte rot und feucht. Die Bildung von Kollagen, einem Eiweißstoff der Haut und des Bindegewebes, führt dazu, dass sich die Wundränder nach und nach zusammenziehen und die Wunde verschließt. Dieser Prozess dauert meist bis zu zehn Tage. Dabei bildet sich oft Schorf, eine Kruste aus getrocknetem Blutplasma und Blutkörperchen, die die verletzte Stelle schützt.
Regenerationsphase (Epithelisierungsphase):
Das neue Gewebe wird stärker und stabiler, die Bildung von Gefäßen und Wundsekret nimmt ab. Es entsteht Narbengewebe, das innerhalb von drei Monaten ausheilt und seine volle Belastbarkeit entwickelt.
Primäre und Sekundäre Wundheilung
Man unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Wundheilung.
Primäre Wundheilung findet statt, wenn die gesunden Wundränder direkt wieder zusammenwachsen. Dies ist der Fall bei kleineren Schnittwunden, nach Operationen oder wenn eine Wunde genäht wurde. Dabei bildet sich eine schmale Narbe, die keine weiteren Komplikationen verursacht.
Sekundäre Wundheilung betrifft große Verletzungen, bei denen die Ränder des gesunden Gewebes nicht wieder zusammenwachsen können. Der Körper füllt die Wunde von innen mit neuem Gewebe auf. Diese offene Wundheilung findet man bei Wundliegen von Bettlägerigen oder Fußgeschwüren aufgrund von Diabetes. Sie kann aber auch gewollt sein, z. B. Bei infizierten Wunden, damit sich unter der Naht keine Keime vermehren und Wundsekret und Eiter abfließen können.
Blutstillung: Methoden und Maßnahmen
Blutstillung bezeichnet alle Maßnahmen, die eine Blutung stoppen oder zum Stillstand bringen. Neben den körpereigenen Mechanismen der Hämostase gibt es verschiedene medizinische Praktiken, die mechanisch, thermisch oder mittels Hochspannung zu einer Versiegelung eröffneter Blutgefäße führen.

Notfallmedizinische Maßnahmen
In der Notfallmedizin kann der Blutdruck an der Blutungsstelle durch Hochlagern verletzter Körperteile reduziert werden. Üblicherweise wird ein Druckverband auf der Wunde angelegt, der meistens ausreicht. Unter einer festen Umwickelung können Gaze-Polster aufgelegt werden, um den Druck zu erhöhen. Eine proximale Kompression der Arterie, das Zudrücken der Arterie körpernah von der Blutung, ist ebenfalls möglich. Hierfür eignen sich bestimmte anatomische Punkte mit knöchernem Widerlager (Arteria subclavia, Arteria brachialis, Arteria temporalis superficialis, Arteria femoralis und Arteria poplitea). Das Abbinden wird eingesetzt, wenn durch Druck keine ausreichende Blutstillung erreicht werden kann. Das Abklemmen von Gefäßen ist in der Notfallmedizin in der Regel nicht angezeigt.
Fibrinkleber oder Gewebekleber können eine chirurgische Naht vermeiden, da sie die Wundränder zusammenkleben und durch die physiologische Wundheilung abgelöst werden, ohne dass die Wunde sich wieder öffnet. So werden empfindliche Gewebe geschont. In der Zahnmedizin wird der Fibrinkleber manchmal mit einem Kollagenvlies kombiniert. Oxidierte Zellulose kann ebenfalls die Hämostase einleiten.
Chirurgische Maßnahmen
In der Chirurgie können Gefäße abgebunden (Ligatur) oder mittels „Umstechung“ (Z-förmige Naht um das Blutgefäß herum) verschlossen werden. Größere Gefäße können auch genäht werden. Kleinere diffuse Blutungen werden lokal tamponiert, Schleimhautblutungen verätzt. Die Unterbindung größerer Gefäße wurde erstmals von Aulus Cornelius Celsus im Jahrhundert beschrieben. Im Altertum wurden Blutstillungen mittels Verätzung, Verkochung oder Druckverbänden erzielt. Antyllos, ein griechischer Arzt der Antike, beschrieb die Torsion, die Ligatur und die Verwendung von Glüheisen als Maßnahmen zur Blutstillung. Auch Abulcasis beschrieb im Jahrhundert die alten Lehren von der Blutstillung, einschließlich der Unterbindung. Ambroise Paré systematisierte die Methoden der Gefäßunterbindung als Alternative zur Blutstillung mittels Glüheisen und Stiptica. Zur Tamponade werden heute auch mit Adrenalin getränkte Tupfer eingesetzt, die eine Vasokonstriktion (Zusammenziehen der Adern) bewirken. Hohlorgane und tiefe Wunden können insgesamt tamponiert werden.

Physikalische Methoden
Zur Blutstillung werden auch physikalische Methoden (Kauterisation) eingesetzt. Bei der monopolaren HF-Chirurgie (Hochfrequenzchirurgie) wird an die Instrumente (z. B. Elektroskalpell, Kauter) Wechselstrom mit hoher Frequenz angelegt, wodurch im geschnittenen Gewebe eine oberflächliche Koagulation einsetzt und die Blutung gestillt wird. Zum Abtragen größerer Gewebemengen wird die Tiefenkoagulation genutzt, bei der das Gewebe in der Tiefe, durch die Stromstärke bestimmt, großflächig erhitzt wird und später abgetragen werden kann. Bei der bipolaren HF-Chirurgie wird zwischen zwei Elektroden eine Hochfrequenzspannung angelegt, und die aufgrund des elektrischen Widerstands entstehende Wärmeenergie führt zu einer thermischen Versiegelung des Gewebes bzw. Blutgefäßes. Teilweise werden auch direkte thermische Kauterisierungsverfahren eingesetzt, indem eine heiße Glühwendel (Thermokauter) an den Ort der Blutung gesetzt wird.
Mit einem Argon-Beamer kann endoskopisch eine Blutstillung herbeigeführt werden. Bei sehr schweren Blutungen können über einen Katheter flüssige Kunststoffe, Kunststoffkügelchen oder Fibrinschwämme an die Blutungsstelle gebracht werden, was als Embolisation bezeichnet wird.

Zur mechanischen Blutstillung bei Knochenschäden kommt Knochenwachs, häufig eine Mischung aus sterilisiertem Bienenwachs und Vaseline, zum Einsatz, mit dem die feinen Poren der Knochenschwammsubstanz (Spongiosa) verschlossen werden.
Systemische Blutstillung
Zur systemischen Blutstillung werden Lysinanaloga, z. B. Tranexamsäure, sowie Aprotinin, beides Inhibitoren der Fibrinolyse, verwandt.
Bei Gerinnungsstörungen infolge des Fehlens von Blutgerinnungsfaktoren oder Thrombozyten werden Blutplasma, gentechnisch erzeugte Gerinnungsfaktoren bzw. Thrombozytenkonzentrate eingesetzt. Bei Vergiftungen mit blutgerinnungshemmenden Substanzen finden entsprechende Antidots Einsatz, beispielsweise Vitamin K bei Cumarin-Vergiftungen.
Häufig gestellte Fragen
Was sind Hausmittel zur Blutstillung?
Es gibt keine Hausmittel, die eine Blutung zuverlässig stillen können. Hausmittel können zwar die Wundheilung unterstützen, aber sie sollten niemals als Ersatz für medizinische Maßnahmen eingesetzt werden. Bei starken Blutungen ist es wichtig, sofort einen Arzt aufzusuchen.
Welche Lebensmittel können die Blutgerinnung fördern?
Es gibt bestimmte Lebensmittel, die die Blutgerinnung fördern können, wie z. B.:
- Vitamin-K-reiche Lebensmittel : grünes Blattgemüse, Brokkoli, Spinat, Grünkohl, Rosenkohl
- Fischöl : Lachs, Makrele, Thunfisch
- Knoblauch
- Ingwer
- Zwiebeln
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Wirkung dieser Lebensmittel nicht wissenschaftlich bewiesen ist und sie keine medizinische Behandlung ersetzen können.
Welche Lebensmittel können die Blutgerinnung hemmen?
Es gibt auch Lebensmittel, die die Blutgerinnung hemmen können, wie z. B.:
- Zitronen
- Ingwer
- Kurkuma
- Knoblauch
- Rote Beete
Diese Lebensmittel sollten jedoch mit Vorsicht genossen werden, insbesondere bei Menschen mit Blutgerinnungsstörungen. Es ist immer ratsam, sich vor dem Verzehr von bestimmten Lebensmitteln mit einem Arzt zu besprechen.
Was tun bei einer Nasenblutung?
Bei einer Nasenblutung sollte man den Kopf leicht nach vorne beugen, die Nase für 10 Minuten fest zusammendrücken und Eis auf die Nase legen. Wenn die Blutung nicht stoppt, sollte man einen Arzt aufsuchen.
Was tun bei einer Schnittwunde?
Bei einer Schnittwunde sollte man die Wunde zunächst mit klarem Wasser reinigen. Wenn die Wunde stark blutet, sollte man einen Druckverband anlegen. Bei tief sitzenden oder stark blutenden Wunden sollte man sofort einen Arzt aufsuchen.
Fazit
Blutstillung ist ein komplexer Prozess, der von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Es gibt eine Vielzahl von medizinischen Maßnahmen, die zur Blutstillung eingesetzt werden können. Hausmittel können zwar die Wundheilung unterstützen, aber sie sollten niemals als Ersatz für medizinische Maßnahmen eingesetzt werden. Bei starken Blutungen ist es wichtig, sofort einen Arzt aufzusuchen.
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