Ein Beckenschiefstand liegt vor, wenn das Becken im Stehen nicht waagrecht ist, sondern dauerhaft zur Seite gekippt ist. Dieser Zustand kann zu zahlreichen Beschwerden führen, die von Zähneknirschen über Hüft- und Fußschmerzen bis hin zu starken Rückenschmerzen reichen. In diesem Artikel werden wir uns mit den Ursachen, Symptomen, Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten eines Beckenschiefstands befassen.
- Was ist ein Beckenschiefstand?
- Ursachen eines Beckenschiefstands
- Symptome eines Beckenschiefstands
- Wann zum Arzt?
- Diagnostik eines Beckenschiefstands
- Komplikationen eines Beckenschiefstands
- Behandlung eines Beckenschiefstands
- Übungen zur Vorbeugung und Behandlung eines Beckenschiefstands
- Häufig gestellte Fragen
Was ist ein Beckenschiefstand?
Das Becken besteht aus den beiden Hüftbeinen und dem Kreuzbein. Die Knochen sind ringförmig angeordnet: hinten sind rechtes und linkes Hüftbein jeweils über die sehr straffen Kreuz-Darmbein-Gelenke (Iliosakralgelenke) mit der Wirbelsäule verbunden, vorne stoßen die Hüftbeine in der sogenannten Symphysenfuge aneinander. Die Hüftgelenkspfanne bildet gemeinsam mit dem Kopf des Oberschenkelknochens das Hüftgelenk.
Das Becken ist sehr stabil und sorgt für einen sicheren Stand. Es ermöglicht dem Menschen die aufrechte Haltung und das Gehen. Um das Gewicht des Körpers zu tragen und die Kraft gleichmäßig zu verteilen, muss das Becken annähernd waagrecht stehen. Eine leichte Schiefe können Wirbelsäule, Beine und Füße gut ausgleichen. Bei ausgeprägter Schiefe kommt es zu Schmerzen aufgrund der Fehlhaltung und der Fehlbelastung von Gelenken, Sehnen, Bändern und Muskeln.
Ursachen eines Beckenschiefstands
Es gibt zwei Hauptursachen für einen Beckenschiefstand: funktionelle und strukturelle Ursachen.
Funktioneller Beckenschiefstand
Ein funktioneller Beckenschiefstand wird durch Fehlhaltungen und Muskelverspannungen verursacht. Häufigste Ursachen sind:
- Einseitige Verspannungen der Muskulatur rund um das Becken, z. B. Der Gesäßmuskeln oder der Muskulatur im Lendenwirbelsäulenbereich.
- Fehlhaltungen , wie z. B. Langes Sitzen in einer ungünstigen Position oder Bewegungsmangel.
- Angeborene Wirbelsäulenverkrümmung (Skoliose).
Ein funktioneller Beckenschiefstand ist in der Regel nicht so stark ausgeprägt wie ein struktureller Beckenschiefstand und kann durch gezielte Physiotherapie behandelt werden.
Struktureller Beckenschiefstand
Ein struktureller Beckenschiefstand liegt vor, wenn eine echte Beinlängendifferenz besteht. Das bedeutet, dass ein Bein tatsächlich kürzer ist als das andere. Ursachen für eine echte Beinlängendifferenz können sein:
- Genetische Veranlagung
- Schädigung von Wachstumszonen (z. B. Im Kniebereich) und dadurch Hemmung des Knochenwachstums
- Gefäßtumoren , die ein Mehrwachstum in Wachstumszonen auslösen
- Schlecht verheilte Knochenbrüche
- Prothesenlockerung nach Hüft-TEP durch Einsinken des Schafts in den Markraum des Oberschenkelknochens
- Arthrose in Fuß-, Knie- oder Hüftgelenk
Bei einer echten Beinlängendifferenz kann eine operative Beinverlängerung erforderlich sein.
Symptome eines Beckenschiefstands
Ein schiefes Becken führt zu Fehlhaltungen und Fehlbelastungen, die an der gesamten Wirbelsäule und an den Beinen Schmerzen verursachen können. Oft strahlen die Schmerzen auch aus, zum Beispiel in die Gesäßmuskulatur, in die Leiste oder in den Unterleib. Typische Symptome sind:
- Rückenschmerzen
- Kreuzschmerzen
- Schmerzen in Schultern und Nacken
- Schmerzen in Knie und Fuß
- Schmerzen im Gesäß
- Leistenschmerzen
- Schmerzen im Becken
- Zähneknirschen
- Verspannungen
- Bewegungseinschränkungen
Wann zum Arzt?
Wenn Sie dauerhaft oder immer wieder oben genannte Schmerzen ohne erkennbare Ursache haben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Auch bei Verdacht auf einen Beckenschiefstand ist eine ärztliche Untersuchung empfehlenswert.
Diagnostik eines Beckenschiefstands
Um einen Beckenschiefstand zu diagnostizieren, führt der Arzt eine körperliche Untersuchung durch. Dabei wird die Wirbelsäule und das Becken auf Verkrümmungen und Asymmetrien untersucht, sowohl im Stehen als auch weit vorneüber gebeugt. Bei Verdacht auf eine Beinlängendifferenz werden die Beine ausgemessen.
Zusätzlich können bildgebende Verfahren wie das Röntgen eingesetzt werden, um knöcherne Ursachen für einen Beckenschiefstand zu erkennen, z. B. Eine Skoliose, Arthrosen oder ungleiche Beinknochen. Manche Orthopäden bieten auch die 3D-Wirbelsäulenmessung an, bei der sich Statik und Haltung von Becken und Wirbelsäule ohne Röntgenstrahlung ermitteln lassen. Dazu projiziert man Licht auf den Rücken, aus dem ein Computer ein dreidimensionales Bild errechnet.
Komplikationen eines Beckenschiefstands
Ein unbehandelter Beckenschiefstand kann zu verschiedenen Komplikationen führen, darunter:
- Skoliose (Wirbelsäulenverkrümmung)
- Hüftgelenksarthrose
- Kniegelenksarthrose
- Bandscheibenvorfall
Behandlung eines Beckenschiefstands
Die Behandlung eines Beckenschiefstands hängt von der Ursache und dem Ausmaß der Schiefe ab. Bei einem leichten Beckenschiefstand ohne Beschwerden ist in der Regel keine Behandlung notwendig. Bei einem ausgeprägten Beckenschiefstand oder bei Beschwerden ist eine Therapie empfehlenswert.
Behandlung des funktionellen Beckenschiefstands
Bei einem funktionellen Beckenschiefstand steht die Physiotherapie im Vordergrund. Ziel ist es, die verspannten Muskeln zu lockern und zu dehnen und die verkümmerten Muskeln der Gegenseite zu trainieren. So soll die Fehlhaltung beseitigt und das Becken wieder in die Waagrechte gebracht werden.
Manchmal kommt es durch Verspannungen auch zu einer mechanischen Blockade des Kreuz-Darmbein-Gelenks. Hier lässt sich das Gelenk häufig durch spezielle Handgriffe der manuellen Therapie wieder richten.
Ist es durch eine Skoliose zu Fehlhaltung und Beckenschiefe gekommen, steht die Behandlung der Wirbelsäulenverkrümmung im Zentrum.
Behandlung des strukturellen Beckenschiefstands
Bei einem strukturellen Beckenschiefstand gibt es konservative und operative Therapiemöglichkeiten.
Konservative Behandlung
Bei einer Beinlängendifferenz bis zu 1 cm verordnet der Arzt oft orthopädische Schuheinlagen. Bei einer Beinlängendifferenz von 1 bis 3 cm ist die Erhöhung des gesamten Schuhs oder des Schuhabsatzes ratsam.
Operative Behandlung
Ab einer Beinlängendifferenz von etwa 3 cm kommt eine operative Beinverlängerung infrage. Dabei wird der betroffene Oberschenkel und/oder Unterschenkel durchtrennt. In dieser künstlich geschaffenen Wachstumsfuge wächst nun Knochensubstanz nach und füllt den Spalt. Durch permanenten Zug am Knochen lässt sich die Breite des Spaltes und damit die Menge an neuem Knochen einstellen und so das Bein auf die gewünschte Länge bringen.
Die Behandlung dauert mehrere Monate und ist mit möglichen Komplikationen wie Infektionen, unvorhergesehenem oder ausbleibendem Wachstumsverlauf, Knochenbrüchen und Thrombosen verbunden.
Prognose
Wie gut sich ein schiefes Becken wieder in die Waagrechte bringen lässt, hängt von der Ursache und der Methode ab. Unbehandelt drohen bei ausgeprägtem Beckenschiefstand Arthrosen und Skoliose.
Übungen zur Vorbeugung und Behandlung eines Beckenschiefstands
Um einem Beckenschiefstand vorzubeugen oder ihn zu behandeln, können verschiedene Übungen durchgeführt werden. Hier sind einige Beispiele:
Dehnübungen
Dehnübungen können helfen, die Muskeln rund um das Becken zu lockern und zu dehnen.
Dehnung im Vierfüßlerstand
- In den Vierfüßlerstand gehen, die Knie sind etwa 90° gebeugt, der Unterschenkel liegt locker am Boden.
- Knie langsam auseinanderführen und Fußsohlen zusammenbringen (wie ein Frosch). Die Unterschenkel drehen sich dabei leicht nach innen.
- Ganz langsam Becken, Leiste und Gesäß (nicht den Bauch!) herunterhängen lassen bzw. Herunterdrücken. Auf diese Weise ist in Hüfte und Oberschenkel schon ein Ziehen zu spüren.
- Mit jedem Ausatmen langsam tiefer in die Dehnung gehen. Beide Knie 30 Sekunden fest in den Boden drücken, dann wieder entspannen. Weiter Leiste und Becken durchhängen lassen.
- Mehrfach wiederholen.
- Vorsichtig die Übung beenden.
Dehnung im Stehen
- Im Stehen ein Bein nach hinten anwinkeln und den Fuß mit der Hand festhalten.
- Das Becken nach vorne schieben und die Dehnung spüren.
Kräftigungsübungen
Kräftigungsübungen können helfen, die Muskeln rund um das Becken zu stärken.
Kräftigung des kürzeren und schwächeren Beins
- Auf das kürzere Bein stellen und das andere Bein anziehen.
- Die Übung mehrmals wiederholen.
Weitere Tipps
- Rumpfmuskeln trainieren : Eine starke Rumpfmuskulatur und eine gute Körperhaltung begünstigen auch die korrekte Lage des Beckens.
- Richtiges Sitzen : Vermeiden Sie langes Sitzen in einer Stellung und Fehlhaltungen am Schreibtisch. Stehen Sie regelmäßig auf, recken und strecken Sie sich und flechten Sie immer wieder kleine Bewegungsübungen ein. Sorgen Sie für einen ergonomischen Bürostuhl, wenn Sie viel am Schreibtisch sitzen. Alternativen sind Sitzbälle, Knie- oder Wackelstühle.
- Entspannungsübungen : Lernen Sie Entspannungsübungen wie die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen oder Autogenes Training. Auch Yoga hilft, den Körper zu entspannen und in die richtige Balance zu bringen.
- Schwimmen : Ein günstiger Sport ist das Brustschwimmen, denn dabei kommen Becken und Hüfte gleichmäßig in Bewegung.
Häufig gestellte Fragen
Kann ein Beckenschiefstand korrigiert werden?
Ja, ein Beckenschiefstand kann in vielen Fällen korrigiert werden. Die Behandlung hängt von der Ursache ab. Bei einem funktionellen Beckenschiefstand kann Physiotherapie helfen, die Fehlhaltung zu korrigieren. Bei einem strukturellen Beckenschiefstand kann eine operative Beinverlängerung erforderlich sein.
Wie lange dauert die Behandlung eines Beckenschiefstands?
Die Dauer der Behandlung hängt von der Ursache und dem Schweregrad des Beckenschiefstands ab. Bei einem funktionellen Beckenschiefstand kann die Physiotherapie mehrere Wochen oder Monate dauern. Bei einer operativen Beinverlängerung dauert die Behandlung mehrere Monate.
Was kann ich tun, um einem Beckenschiefstand vorzubeugen?
Um einem Beckenschiefstand vorzubeugen, ist es wichtig, auf eine gute Körperhaltung zu achten, regelmäßig Sport zu treiben und Verspannungen zu vermeiden. Außerdem sollten Sie ergonomische Arbeitsbedingungen schaffen und ausreichend Bewegung in Ihren Alltag integrieren.
Ist ein Beckenschiefstand gefährlich?
Ein leichter Beckenschiefstand ist in der Regel nicht gefährlich. Ein ausgeprägter Beckenschiefstand kann jedoch zu Schmerzen und anderen Beschwerden führen. Daher ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen, wenn Sie Symptome eines Beckenschiefstands haben.
Hinweis: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Wenn Sie Symptome eines Beckenschiefstands haben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.
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