Die Schwangerschaft ist eine Zeit voller Veränderung und Herausforderungen. Der Körper der Frau durchläuft eine immense Transformation, um ein neues Leben zu tragen. Doch gleichzeitig kann diese Zeit auch von Angst, Stress und Unsicherheit geprägt sein. Hier kann das autogene Training zu einer wertvollen Unterstützung werden. Es ermöglicht der werdenden Mutter, sich zu entspannen, ihren Körper besser kennenzulernen und sich auf die Geburt vorzubereiten.

Was ist autogenes Training?
Das autogene Training, entwickelt 1932 vom Nervenarzt J. H. Schultz, ist eine Methode der konzentrativen Selbstentspannung. Es basiert auf der Kraft der eigenen Vorstellungskraft, die durch gezielte Übungen zu einer tiefen Entspannung des Körpers führt. Dabei werden die unwillkürlichen Körperfunktionen wie Herzschlag, Atmung und Blutdruck beeinflusst und stabilisiert.
Autogenes Training ähnelt in seiner Wirkung der Meditation, bestimmten Übungen des Yoga und der Selbsthypnose. Es ermöglicht eine vegetative Umstimmung, d.h. Eine Veränderung des Zustands des vegetativen Nervensystems, das für die Steuerung der inneren Organe verantwortlich ist.
Wie funktioniert autogenes Training?
Autogenes Training wird durch Autosuggestion erlernt und durchgeführt. Die übende Person konzentriert sich dabei auf bestimmte Formeln, z.B. meine arme sind ganz schwer oder ich bin ganz ruhig. Durch die wiederholte Konzentration auf diese Formeln stellt sich ein Gefühl der Entspannung und Ruhe ein.
Die Übungen werden in der Regel in einem ruhigen, abgedunkelten Raum durchgeführt. Die Person sollte bequeme Kleidung tragen und eine passive Haltung einnehmen, zum Beispiel im Liegen oder im Sitzen mit leicht zurückgeneigtem Oberkörper.

In den ersten Übungsstunden kann ein Gefühl der Müdigkeit oder Erschöpfung auftreten. Dies ist normal und legt sich meist nach einigen Sitzungen. Nach etwa zwei bis drei Monaten regelmäßiger Anwendung kann die Person die Entspannungstechniken selbständig anwenden und ihre Wirkung auf den Körper spüren.
Die 6 Grundübungen des autogenen Trainings
Das autogene Training besteht aus sechs Grundübungen, die schrittweise erlernt werden:
- Schwereübung: Konzentration auf das Gefühl der Schwere in den Gliedmaßen.
- Wärmeübung: Konzentration auf das Gefühl der Wärme in den Gliedmaßen.
- Herzregulation: Konzentration auf den ruhigen und gleichmäßigen Herzschlag.
- Atemregulation: Konzentration auf den ruhigen und tiefen Atem.
- Sonnengeflecht: Konzentration auf ein Gefühl der Wärme und Ruhe im Oberbauch.
- Stirnkühlung: Konzentration auf ein Gefühl der Frische und Kühle an der Stirn.
Durch die regelmäßige Anwendung dieser Übungen kann die Person lernen, ihren Körper gezielt zu entspannen und zu beeinflussen.
Autogenes Training in der Schwangerschaft: Vorteile
Das autogene Training kann in der Schwangerschaft eine wertvolle Unterstützung für die werdende Mutter sein. Es kann helfen, die körperlichen und psychischen Belastungen der Schwangerschaft zu reduzieren und die Geburt besser zu bewältigen.
Körperliche Vorteile
- Reduzierung von Stress und Angst: Autogenes Training kann Stresshormone wie Cortisol reduzieren und so die Entspannung fördern.
- Verbesserung des Schlafs: Die Entspannungstechniken des autogenen Trainings können zu einem besseren Schlaf beitragen, was besonders in der Schwangerschaft wichtig ist.
- Linderung von Schwangerschaftsbeschwerden: Autogenes Training kann helfen, Übelkeit, Erbrechen, Rückenschmerzen und andere Schwangerschaftsbeschwerden zu lindern.
- Vorbereitung auf die Geburt: Durch die regelmäßige Anwendung des autogenen Trainings kann die werdende Mutter lernen, mit Schmerzen umzugehen und sich auf die Geburt einzustellen.
- Steigerung des Wohlbefindens: Autogenes Training kann zu einem gesteigerten Wohlbefinden und einer positiven Einstellung zur Schwangerschaft beitragen.
Psychische Vorteile
- Steigerung der Selbstwahrnehmung: Durch die Konzentration auf den eigenen Körper lernt die werdende Mutter, ihre Bedürfnisse besser wahrzunehmen.
- Stärkung des Selbstvertrauens: Autogenes Training kann das Selbstvertrauen stärken und die werdende Mutter in ihrer neuen Rolle als Mutter bestärken.
- Verbesserung der emotionalen Stabilität: Die Entspannungstechniken des autogenen Trainings können die emotionale Stabilität fördern und zu einer positiven Stimmung beitragen.
- Steigerung der Konzentration: Autogenes Training kann die Konzentration verbessern und die werdende Mutter in stressigen Situationen gelassener reagieren lassen.
Autogenes Training für die Geburt
Das autogene Training kann auch während der Geburt eine wertvolle Unterstützung sein. Die erlernten Entspannungstechniken können helfen, die Schmerzen besser zu bewältigen und die Geburt entspannter zu erleben.
Einsatzmöglichkeiten während der Geburt
- Steigerung der Schmerztoleranz: Autogenes Training kann die Schmerztoleranz erhöhen und die werdende Mutter in die Lage versetzen, die Schmerzen besser zu bewältigen.
- Verbesserung der Atmung: Die Atmungstechniken des autogenen Trainings können helfen, die Atmung zu kontrollieren und die Sauerstoffversorgung des Kindes zu verbessern.
- Förderung der Entspannung: Die Entspannungstechniken des autogenen Trainings können helfen, die Muskeln zu entspannen und die Geburt zu erleichtern.
- Steigerung der Konzentration: Autogenes Training kann die Konzentration verbessern und die werdende Mutter auf die Geburt fokussieren.
Es ist wichtig zu beachten, dass autogenes Training kein Ersatz für eine medizinische Betreuung während der Schwangerschaft und Geburt ist. Es sollte immer in Ergänzung zu einer professionellen Begleitung angewendet werden.
Autogenes Training lernen
Autogenes Training kann man allein oder in der Gruppe erlernen. Für Anfänger ist es empfehlenswert, einen Kurs bei einem qualifizierten Trainer zu besuchen. Der Trainer erklärt die Übungen und begleitet die Teilnehmer während des Lernprozesses.
Es gibt auch zahlreiche Bücher und Apps, die das autogene Training erklären und Übungen anbieten. Allerdings ist es für Anfänger ratsam, sich zunächst von einem erfahrenen Trainer anleiten zu lassen.
Wann ist autogenes Training in der Schwangerschaft nicht geeignet?
Autogenes Training ist in der Regel eine sichere Methode, die auch in der Schwangerschaft angewendet werden kann. Es gibt jedoch einige Situationen, in denen es nicht geeignet ist.
- Akute psychische Erkrankungen: Bei akuten psychischen Erkrankungen wie Psychosen oder schweren Depressionen sollte autogenes Training nicht ohne ärztliche Aufsicht durchgeführt werden.
- Epilepsie: Bei Epilepsie kann autogenes Training die Anfallshäufigkeit erhöhen.
- Schwere körperliche Erkrankungen: Bei schweren körperlichen Erkrankungen sollte autogenes Training nur nach Rücksprache mit dem Arzt durchgeführt werden.
Es ist wichtig, dass die werdende Mutter vor Beginn des autogenen Trainings mit ihrem Arzt oder einer Hebamme spricht, um sicherzustellen, dass die Methode für sie geeignet ist.
Was sind die häufigsten Nebenwirkungen des autogenen Trainings?
Nebenwirkungen des autogenen Trainings sind selten und von Person zu Person unterschiedlich. In den ersten Übungswochen kann ein Gefühl der Müdigkeit oder Erschöpfung auftreten. Auch leichte Nebenwirkungen wie Herzklopfen, Zittern, Schweißausbrüche oder leichte Übelkeit sind möglich. In seltenen Fällen kann es zu Ohnmacht kommen. Diese Nebenwirkungen sind in der Regel harmlos und verschwinden nach einigen Sitzungen.
Wie oft sollte ich autogenes Training üben?
Es wird empfohlen, autogenes Training täglich für 15 bis 30 Minuten zu üben. Die Häufigkeit und Dauer der Übungen kann jedoch individuell angepasst werden. Es ist wichtig, dass die Übungen regelmäßig durchgeführt werden, um die Entspannungstechniken zu erlernen und ihre Wirkung zu spüren.
Kann ich autogenes Training während der Wehen anwenden?
Ja, autogenes Training kann während der Wehen angewendet werden. Die erlernten Entspannungstechniken können helfen, die Schmerzen besser zu bewältigen und die Geburt entspannter zu erleben. Es ist jedoch wichtig, dass die werdende Mutter sich vorher von einem qualifizierten Trainer anleiten lässt, um die Technik richtig anzuwenden.
Kann autogenes Training die Geburt beschleunigen?
Autogenes Training kann die Geburt nicht beschleunigen. Es kann jedoch helfen, die Schmerzen besser zu bewältigen und die Geburt entspannter zu erleben. Dies kann dazu beitragen, dass die Geburt leichter und schneller verläuft.
Fazit
Autogenes Training ist eine wertvolle Methode, um sich in der Schwangerschaft zu entspannen, den Körper besser kennenzulernen und sich auf die Geburt vorzubereiten. Es kann helfen, Stress und Angst zu reduzieren, den Schlaf zu verbessern und Schwangerschaftsbeschwerden zu lindern. Autogenes Training kann auch während der Geburt eine wertvolle Unterstützung sein, um die Schmerzen besser zu bewältigen und die Geburt entspannter zu erleben.
Es ist wichtig, dass die werdende Mutter vor Beginn des autogenen Trainings mit ihrem Arzt oder einer Hebamme spricht, um sicherzustellen, dass die Methode für sie geeignet ist.
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