Die Geburt ist ein kraftvoller und intensiver Prozess, der mit Schmerzen einhergeht. Doch die Natur hat uns Frauen mit einer erstaunlichen Fähigkeit ausgestattet: der Fähigkeit, mit diesen Schmerzen umzugehen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Atemtechnik. Sie ist ein mächtiges Werkzeug, das Ihnen helfen kann, die Wehen besser zu bewältigen und die Geburt zu erleichtern.

Die richtige Atemtechnik ist kein Zaubermittel, das die Schmerzen verschwinden lässt. Sie hilft Ihnen aber, mit den Schmerzen besser umzugehen, Ihre Kraft zu mobilisieren und den natürlichen Geburtsprozess zu unterstützen. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wissenswerte über die Atemtechnik bei der Geburt, von den verschiedenen Phasen bis hin zu praktischen Tipps und Übungen.
Die Kraft der Atmung: Warum ist sie so wichtig bei der Geburt?
Die Atmung ist ein natürlicher Prozess, der uns ständig begleitet. Doch bei der Geburt nimmt sie eine besondere Bedeutung ein. Die richtige Atemtechnik kann:
- Die Schmerzen lindern: Durch tiefe und kontrollierte Atemzüge können Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Atmung lenken und so die Wahrnehmung der Schmerzen reduzieren.
- Den Körper entspannen: Tiefes Atmen fördert die Entspannung von Muskeln und Geist und hilft Ihnen, die Wehen besser zu bewältigen.
- Den Geburtsprozess unterstützen: Die richtige Atemtechnik kann den Muttermund öffnen, den Beckenboden entspannen und die Wehen effektiver machen.
- Sauerstoffzufuhr für Mutter und Kind gewährleisten: Eine ausreichende Sauerstoffversorgung ist für Sie und Ihr Baby während der Geburt essenziell.
Die Atemtechnik ist ein natürlicher und effektiver Weg, um den Geburtsprozess zu unterstützen und die Schmerzen zu lindern. Sie ist eine wertvolle Ressource, die Ihnen zur Verfügung steht, um die Geburt aktiv zu gestalten.
Atemtechniken für die verschiedenen Phasen der Geburt
Die Geburt verläuft in verschiedenen Phasen, die jeweils unterschiedliche Anforderungen an Ihre Atmung stellen. Hier erfahren Sie, welche Atemtechniken sich für die einzelnen Phasen eignen:
Eröffnungsphase: Ruhige und tiefe Atmung
In der Eröffnungsphase kommen und gehen die Wehen in Wellen und dauern etwa eine bis anderthalb Minuten. Die Abstände zwischen den Wehen sind noch relativ lang. Diese Phase ist geprägt von langsam ansteigenden Wehen, die den Muttermund öffnen.
Empfohlene Atemtechnik:
- Tiefe Bauchatmung: Atmen Sie durch die Nase ein und durch den Mund aus. Konzentrieren Sie sich darauf, den Atem tief in den Bauch zu spüren.
- Langsame Ausatmung: Atmen Sie dreimal so lang aus, wie Sie eingeatmet haben. Beispielsweise drei Sekunden einatmen und neun Sekunden ausatmen.
- Tönen: Wenn Sie es angenehm finden, können Sie beim Ausatmen laut ooooh oder aaaah sagen. Dies kann helfen, die Wehen besser zu bewältigen und die Entspannung zu fördern.
Tipp: Stellen Sie sich ein Glas Wasser bereit, um in den Wehenpausen zu trinken. Die tiefe Atmung kann zu einem trockenen Mund führen.
Übergangsphase: Gleichmäßige und tiefe Atemzüge
Die Übergangsphase ist die intensivste Phase der Geburt. Die Wehen werden stärker, häufiger und länger. Der Muttermund ist fast vollständig geöffnet, und das Kind beginnt, in den Geburtskanal zu rutschen. Diese Phase kann sehr anstrengend sein, aber sie ist auch ein Zeichen dafür, dass die Geburt bald abgeschlossen ist.
Empfohlene Atemtechnik:
- Ruhige und tiefe Atemzüge: Atmen Sie gleichmäßig und tief ein und aus. Vermeiden Sie es, zu schnell oder zu flach zu atmen, da dies zu Hyperventilation führen kann.
- Langsame Ausatmung: Atmen Sie auch in dieser Phase länger aus, als Sie einatmen. Konzentrieren Sie sich auf die Entspannung beim Ausatmen.
- Visualisierung: Stellen Sie sich vor, wie Ihr Baby durch den Geburtskanal gleitet. Dies kann Ihnen helfen, die Wehen besser zu bewältigen und die Geburt zu visualisieren.
Tipp: Lassen Sie sich von Ihrer Hebamme oder Ihrem Partner unterstützen und ermutigen. Ihre Anwesenheit und Unterstützung kann Ihnen in dieser Phase sehr helfen.
Austreibungsphase: Pressen mit der Atmung
Die Austreibungsphase beginnt, wenn der Muttermund vollständig geöffnet ist. Jetzt setzen die Presswehen ein, die Ihrem Baby helfen, den Geburtskanal zu durchqueren. Diese Phase ist die intensivste und anstrengendste Phase der Geburt.
Empfohlene Atemtechnik:
- Pressen mit der Atmung: Halten Sie den Atem an und pressen Sie in Richtung Ihres Enddarms, als ob Sie Stuhlgang verrichten möchten. Halten Sie den Druck für 10 bis 20 Sekunden aufrecht und atmen Sie dann wieder normal ein und aus.
- Gleichmäßige Atmung: Achten Sie darauf, dass Sie auch während des Pressens weiterhin ausreichend Sauerstoff bekommen. Atmen Sie zwischen den Presswehen tief ein und aus.
- Anleitung durch die Hebamme: Lassen Sie sich von Ihrer Hebamme anleiten, wie Sie am besten pressen können. Sie wird Ihnen die richtige Atemtechnik und die richtigen Druckpunkte zeigen.
Tipp: Vertrauen Sie Ihrem Körper. Er weiß, was zu tun ist. Lassen Sie sich von den Wehen leiten und geben Sie Ihrem Baby die Kraft, auf die Welt zu kommen.
Praktische Tipps für die Atemtechnik bei der Geburt
Die richtige Atemtechnik ist ein wertvolles Werkzeug, das Ihnen helfen kann, die Geburt besser zu bewältigen. Hier sind einige praktische Tipps, die Ihnen dabei helfen können:
- Üben Sie die Atemtechniken im Vorfeld: Üben Sie die Atemtechniken schon in der Schwangerschaft, um sich mit den verschiedenen Atemzügen vertraut zu machen.
- Finden Sie Ihre eigene Atemtechnik: Es gibt keine richtige Atemtechnik. Jeder Mensch ist anders, und jeder findet seine eigene, passende Atemtechnik. Experimentieren Sie mit verschiedenen Techniken und finden Sie heraus, welche Ihnen am besten hilft.
- Konzentrieren Sie sich auf die Atmung: Wenn Sie sich während der Wehen unwohl fühlen, lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihre Atmung. Konzentrieren Sie sich auf den Ein- und Ausatem und lassen Sie die Schmerzen in den Hintergrund treten.
- Verwenden Sie Visualisierungen: Stellen Sie sich vor, wie Sie ruhig und entspannt atmen. Visualisieren Sie, wie Ihr Baby durch den Geburtskanal gleitet. Diese Visualisierungen können Ihnen helfen, die Schmerzen besser zu bewältigen und die Entspannung zu fördern.
- Lassen Sie sich von Ihrer Hebamme oder Ihrem Partner unterstützen: Ihre Hebamme oder Ihr Partner kann Ihnen während der Geburt wertvolle Unterstützung bieten. Sie können Ihnen die richtige Atemtechnik zeigen, Sie ermutigen und Ihnen Kraft geben.
- Verwenden Sie Mantras: Wenn Sie es angenehm finden, können Sie sich während der Wehen Mantras wiederholen. Positive Affirmationen wie ich schaffe das oder mein baby kommt bald können Ihnen helfen, die Schmerzen zu bewältigen und die Entspannung zu fördern.
Zur Atemtechnik bei der Geburt
Was passiert, wenn ich während der Geburt hyperventiliere?
Hyperventilation kann während der Geburt auftreten, wenn Sie zu schnell und zu tief atmen. Dies kann zu Schwindel, Kribbeln in den Fingern und Händen, Übelkeit und sogar Ohnmacht führen. Wenn Sie Anzeichen von Hyperventilation verspüren, atmen Sie bewusst langsamer und tiefer ein und aus. Konzentrieren Sie sich auf Ihren Atem und versuchen Sie, sich zu entspannen. Ihre Hebamme kann Ihnen helfen, die Hyperventilation zu stoppen.
Kann ich die Atemtechnik auch ohne Kurs erlernen?
Ja, Sie können die Atemtechnik auch ohne Kurs erlernen. Es gibt viele Bücher, Videos und Online-Ressourcen, die Ihnen die verschiedenen Atemtechniken erklären. Sie können auch mit Ihrer Hebamme sprechen und sich von ihr anleiten lassen.
Wann sollte ich die Atemtechnik anwenden?
Sie können die Atemtechnik schon in der Schwangerschaft üben, um sich mit den verschiedenen Atemzügen vertraut zu machen. Während der Geburt können Sie die Atemtechnik immer dann anwenden, wenn Sie sich unwohl fühlen oder die Schmerzen stärker werden. Ihre Hebamme kann Ihnen während der Geburt helfen, die richtige Atemtechnik zu finden.
Was passiert, wenn ich die Atemtechnik falsch anwende?
Wenn Sie die Atemtechnik falsch anwenden, kann dies zu Hyperventilation führen. Dies kann zu Schwindel, Kribbeln in den Fingern und Händen, Übelkeit und sogar Ohnmacht führen. Wenn Sie Anzeichen von Hyperventilation verspüren, atmen Sie bewusst langsamer und tiefer ein und aus. Konzentrieren Sie sich auf Ihren Atem und versuchen Sie, sich zu entspannen. Ihre Hebamme kann Ihnen helfen, die Hyperventilation zu stoppen.

Kann ich die Atemtechnik auch bei einer Kaiserschnittgeburt anwenden?
Ja, auch bei einer Kaiserschnittgeburt kann die Atemtechnik helfen, die Entspannung zu fördern und die Schmerzen zu lindern. Konzentrieren Sie sich auf Ihren Atem und versuchen Sie, sich zu entspannen. Ihre Hebamme kann Ihnen helfen, die richtige Atemtechnik zu finden.
Fazit: Atemtechnik als wertvolles Werkzeug für eine positive Geburtserfahrung
Die Atemtechnik ist ein wertvolles Werkzeug für eine positive Geburtserfahrung. Sie kann Ihnen helfen, die Schmerzen besser zu bewältigen, Ihren Körper zu entspannen und den Geburtsprozess zu unterstützen. Üben Sie die Atemtechniken schon in der Schwangerschaft und lassen Sie sich von Ihrer Hebamme oder Ihrem Partner unterstützen. Vertrauen Sie Ihrem Körper und Ihrem Baby, und genießen Sie die Kraft der Atmung.
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