Aspirin, ein weit verbreitetes Schmerzmittel, wird oft als Mittel zur Vorbeugung von Herzinfarkt und Schlaganfall eingesetzt. Doch ist Aspirin wirklich so unbedenklich, wie es oft dargestellt wird? In den letzten Jahren haben Studien gezeigt, dass die Vorteile von Aspirin in der Primärprävention, also bei Menschen ohne Vorerkrankungen, deutlich geringer sind als bisher angenommen. Gleichzeitig sind die Risiken, insbesondere das Risiko für innere Blutungen, nicht zu unterschätzen. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Erkenntnisse zur Aspirin-Einnahme und erklärt, warum eine kritische Betrachtung des Risikos und Nutzens unerlässlich ist.
Aspirin: Risikofaktor für Blutungen
Aspirin gehört zur Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) und wirkt entzündungshemmend, schmerzstillend und fiebersenkend. Seine wichtigste Eigenschaft in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist die Hemmung der Blutplättchenaggregation. Dies bedeutet, dass Aspirin die Bildung von Blutgerinnseln verhindert, wodurch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall reduziert werden kann.
Allerdings birgt die blutverdünnende Wirkung von Aspirin auch Risiken. Eine der häufigsten Nebenwirkungen ist die Entstehung von inneren Blutungen. Das Risiko für Blutungen steigt mit dem Alter und bei Vorliegen bestimmter Erkrankungen, wie z. B. Magengeschwüren oder einer gestörten Blutgerinnung.
Risiken von Aspirin im Überblick:
- Innere Blutungen : Magen-Darm-Blutungen, Hirnblutungen, Blutungen im Auge
- Allergische Reaktionen : Hautausschlag, Atemnot, Schock
- Reizmagen : Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen
- Tinnitus : Ohrgeräusche
- Leberschäden : Bei Langzeiteinnahme
- Nierenschäden : Bei Langzeiteinnahme
Aspirin in der Primärprävention: Nutzen versus Risiko
Die Frage, ob Aspirin zur Vorbeugung von Herzinfarkt und Schlaganfall bei gesunden Menschen eingesetzt werden sollte, ist umstritten. Eine Reihe von Studien hat gezeigt, dass die Vorteile von Aspirin in der Primärprävention begrenzt sind.
Die große Studie ASPREE, an der über 1000 Menschen teilnahmen, ergab, dass Aspirin ein gesundes Leben nicht verlängert und das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall nur geringfügig reduziert. Gleichzeitig wurde ein leicht erhöhter Todesrisiko unter Aspirin festgestellt.
Weitere Studien, wie z. B. ASCEND und ARRIVE, haben ähnliche Ergebnisse gezeigt. Die Ergebnisse dieser Studien legen nahe, dass Aspirin bei gesunden Menschen ohne Vorerkrankungen nur einen geringen Nutzen hat, während das Risiko für Blutungen nicht zu vernachlässigen ist.
Wer sollte kein Aspirin zur Primärprävention einnehmen?
Die folgenden Personen sollten kein Aspirin zur Primärprävention einnehmen:
- Gesunde Senioren : Das Risiko für Blutungen steigt mit dem Alter. Gesunde Senioren ohne Vorerkrankungen sollten kein Aspirin zur Primärprävention einnehmen.
- Menschen mit erhöhtem Blutungsrisiko : Personen mit Magengeschwüren, einer gestörten Blutgerinnung oder anderen Erkrankungen, die das Blutungsrisiko erhöhen, sollten kein Aspirin einnehmen.
- Personen mit Allergien gegen Aspirin : Aspirin kann schwere allergische Reaktionen auslösen.
Aspirin in der Sekundärprävention: Ein Muss für viele Patienten
Im Gegensatz zur Primärprävention ist Aspirin in der Sekundärprävention, also bei Menschen, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben, ein wichtiges Medikament. Studien haben gezeigt, dass Aspirin das Risiko für einen erneuten Herzinfarkt oder Schlaganfall deutlich senken kann.
In diesem Fall überwiegen die Vorteile von Aspirin die Risiken. Es ist jedoch wichtig, dass die Dosis von Aspirin und die Dauer der Einnahme in Absprache mit dem Arzt festgelegt werden.
Aspirin und die individuelle Risikobewertung
Die Entscheidung, ob Aspirin eingenommen werden soll, muss individuell getroffen werden. Es ist wichtig, dass der Arzt das individuelle Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall sowie das Risiko für Blutungen sorgfältig abwägt.
Der Arzt wird die Krankengeschichte des Patienten, seine Lebensgewohnheiten und seine Risikofaktoren berücksichtigen. Auch die Einnahme anderer Medikamente spielt eine Rolle.
Häufig gestellte Fragen zu Aspirin
Wie viel Aspirin ist unbedenklich?
Die empfohlene Dosis von Aspirin hängt vom individuellen Bedarf ab. In der Regel werden für die Primärprävention niedrig dosierte Aspirin-Präparate mit 75-100 mg täglich empfohlen. Für die Sekundärprävention kann die Dosis höher sein. Die genaue Dosis sollte immer mit dem Arzt abgesprochen werden.
Kann ich Aspirin einfach absetzen?
Nein, Aspirin sollte nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt abgesetzt werden. Ein abruptes Absetzen von Aspirin kann zu einem Rebound-Effekt führen, der das Risiko für einen Herzinfarkt erhöht.
Welche Alternativen zu Aspirin gibt es?
Es gibt eine Reihe von Alternativen zu Aspirin, die zur Vorbeugung von Herzinfarkt und Schlaganfall eingesetzt werden können. Dazu gehören z. B. Clopidogrel, Ticagrelor und Prasugrel. Diese Medikamente wirken ähnlich wie Aspirin, haben aber ein geringeres Blutungsrisiko.
Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?
Wenn Sie unter starken Schmerzen, Fieber oder anderen Beschwerden leiden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Wenn Sie unter unerwünschten Nebenwirkungen von Aspirin leiden, wie z. B. Blutungen, sollten Sie ebenfalls einen Arzt aufsuchen.
Zusammenfassung
Aspirin ist ein wirksames Medikament zur Vorbeugung von Herzinfarkt und Schlaganfall, aber es birgt auch Risiken. Die Entscheidung, ob Aspirin eingenommen werden soll, muss individuell getroffen werden.

In der Primärprävention, also bei gesunden Menschen ohne Vorerkrankungen, überwiegen die Risiken von Aspirin oft die Vorteile. In der Sekundärprävention, also bei Menschen, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben, ist Aspirin ein wichtiges Medikament, dessen Vorteile die Risiken überwiegen.
Es ist wichtig, dass Sie mit Ihrem Arzt über die Risiken und Vorteile von Aspirin sprechen, bevor Sie es einnehmen.
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