Stillen ist ein wunderschönes und intimes Erlebnis, das eine tiefe Verbindung zwischen Mutter und Kind schafft. Doch für viele frischgebackene Mütter kann das Stillen auch eine Herausforderung sein. Schmerzen in den Brustwarzen, Verspannungen oder Milchstau sind häufige Probleme, die das Stillen zu einer Belastung machen können. Doch die gute Nachricht ist: Die meisten dieser Stillprobleme lassen sich vermeiden, indem die richtige Anlegetechnik angewendet wird.
In diesem Artikel erfahren Sie alles Wissenswerte über die richtige Anlegetechnik beim Stillen. Wir geben Ihnen Schritt für Schritt Anleitungen, Tipps und Tricks, um das Stillen von Anfang an zu einem entspannten und angenehmen Erlebnis für Sie und Ihr Baby zu machen.
Die 7 Grundregeln für die richtige Anlegetechnik
Die richtige Anlegetechnik ist der Schlüssel zu einem erfolgreichen und schmerzfreien Stillen. Wenn Sie die folgenden sieben Grundregeln beachten, können Sie sich und Ihrem Baby ein entspanntes Stillerlebnis ermöglichen:
Gute Vorbereitung
Stillen ist nicht nur ein schneller Snack, sondern eher ein ausgiebiges Menü. Ihr Baby trinkt zunächst die durstlöschende, kalorienarme Vordermilch, bevor es die nahrhaftere, kalorienreiche Hintermilch erhält. Daher sollten Sie Ihrem Baby die Zeit geben, die es zum Stillen benötigt. Dies kann bis zu einer Stunde dauern. Daher ist es wichtig, dass Sie sich gut vorbereiten:
- Bequeme Sitzposition: Wählen Sie eine bequeme Sitzposition, in der Sie sich entspannen können. Polster, Stillkissen oder gerollte Handtücher können Ihnen dabei helfen, eine ergonomische Position einzunehmen.
- Alles in Griffweite: Halten Sie alles, was Sie während des Stillens benötigen, in Griffweite. Dies können ein Buch, eine Zeitschrift, Kopfhörer oder ein Getränk sein.
- Toilettengang: Gehen Sie vor dem Stillen auf die Toilette, um unnötige Unterbrechungen zu vermeiden.
Bequeme Haltung
Eine bequeme Haltung ist wichtig, um Verspannungen und Schmerzen zu vermeiden. Achten Sie darauf, dass Ihr Rücken gerade ist und Ihre Schultern entspannt sind. Verwenden Sie gegebenenfalls Stillkissen oder Polster, um eine ergonomische Position einzunehmen.
Haltung des Babys
Die richtige Haltung Ihres Babys ist entscheidend für ein erfolgreiches Stillen. Achten Sie auf folgende Punkte:
- Nase oder Oberlippe vor der Brustwarze: Die Nase oder Oberlippe Ihres Babys sollte direkt vor Ihrer Brustwarze positioniert sein.
- Arme rechts und links der Brust: Die Arme Ihres Babys sollten rechts und links Ihrer Brust ruhen.
- Ohr, Hüfte und Füße in einer Linie: Achten Sie darauf, dass Ohr, Hüfte und Füße Ihres Babys in einer Linie liegen, um seine Wirbelsäule zu schonen.
- Bauch an Bauch: Ihr Baby sollte Ihnen stets mit seinem Körper zugewandt sein, um eine enge Verbindung zu fördern.
Kind zur Brust, nicht Brust zum Kind
Um Verspannungen zu vermeiden und eine optimale Position zu gewährleisten, sollten Sie immer Ihr Baby zur Brust bringen, anstatt die Brust zum Baby zu führen. So können Sie sicherstellen, dass Ihr Baby die Brustwarze richtig umschließt und ein effektives Saugen ermöglicht.
Anbieten der Brust
Um Ihrem Baby die Brust anzubieten, verwenden Sie den sogenannten C-Griff:
- C-Griff: Umfassen Sie Ihre Brust mit allen Fingern von unten, nur der Daumen ruht in 3 bis 4 Zentimetern Entfernung vom Warzenhof oben auf.
- Streichen über die Oberlippe: Streichen Sie mit Ihrer Brustwarze leicht über die Oberlippe Ihres Babys, um den Saugreflex auszulösen.
- Mund weit geöffnet: Sobald der Mund Ihres Babys weit geöffnet ist, führen Sie es zügig an Ihre Brust und lassen Sie es andocken .
Asymmetrisches Anlegen
Beim asymmetrischen Anlegen liegt die Brustwarze im oberen Mundraum des Babys und ist nach hinten-oben Richtung Gaumen gerichtet. Das hat mehrere Vorteile:
- Tieferer Sitz der Brustwarze: Die Brustwarze sitzt tiefer im Mund des Babys, was das Saugen erleichtert und die Brustwarze schont.
- Effektivere Entleerung der Brust: Das asymmetrische Anlegen ermöglicht eine effektivere Entleerung der Brust, was die Gewichtszunahme des Babys sicherstellt.
- Kein Doppelkinn: Ein Zeichen für ein symmetrisches Anlegen ist ein sichtbares Doppelkinn beim Baby. Beim asymmetrischen Anlegen ist der Kopf des Babys leicht gestreckt und es berührt mit seinem Kinn Ihre Brust.
Regelmäßiger Positionswechsel
Wechseln Sie regelmäßig zwischen den verschiedenen Stillpositionen. Dies verhindert eine einseitige Belastung, die zu wunden Brustwarzen und Verspannungen führen kann. Außerdem wird durch den Positionswechsel die Brust gleichmäßig entleert, was einem Milchstau vorbeugt.
Häufige Stillprobleme und Lösungen
Auch wenn Sie die richtige Anlegetechnik beherrschen, kann es zu Stillproblemen kommen. Hier sind einige häufige Probleme und ihre Lösungen:
Schmerzen in den Brustwarzen
Schmerzen in den Brustwarzen sind ein häufiges Problem beim Stillen. Die Ursachen können vielfältig sein, z.B. Eine falsche Anlegetechnik, ein zu tiefes Eindringen des Zungenbändchens oder eine Infektion. Wenn Sie Schmerzen in den Brustwarzen haben, sollten Sie sich von einer Stillberaterin oder Hebamme beraten lassen.
Milchstau
Ein Milchstau entsteht, wenn die Milch nicht ausreichend aus der Brust abgepumpt oder abgesaugt wird. Dies kann zu Schmerzen, Schwellungen und Rötungen führen. Um einem Milchstau vorzubeugen, sollten Sie regelmäßig anlegen und die Brust vollständig entleeren.
Verspannungen im Rücken und Nacken
Verspannungen im Rücken und Nacken können durch eine ungünstige Stillhaltung entstehen. Achten Sie darauf, dass Sie sich beim Stillen bequem und ergonomisch positionieren. Verwenden Sie gegebenenfalls Stillkissen oder Polster, um Ihre Haltung zu optimieren.
Saugschwäche des Babys
Wenn Ihr Baby Schwierigkeiten beim Saugen hat, kann dies an einer Saugschwäche oder einem zu tiefen Zungenbändchen liegen. Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt oder einer Stillberaterin, um die Ursache zu klären.
Häufig gestellte Fragen zum Stillen
Wie oft sollte ich mein Baby stillen?
In den ersten Wochen sollte Ihr Baby etwa 8-12 Mal pro Tag gestillt werden. Es ist wichtig, dass Sie Ihrem Baby die Zeit geben, die es zum Stillen benötigt. Lassen Sie Ihr Baby selbst entscheiden, wann es satt ist.
Wie lange dauert eine Stillmahlzeit?
Die Dauer einer Stillmahlzeit variiert von Baby zu Baby. Manche Babys stillen nur wenige Minuten, andere brauchen bis zu einer Stunde. Es ist wichtig, dass Sie Ihrem Baby die Zeit geben, die es zum Stillen benötigt.
Wie erkenne ich, ob mein Baby genug Milch bekommt?
Ihr Baby bekommt genug Milch, wenn es nach dem Stillen zufrieden wirkt, gut zunimmt und mindestens 6 nasse Windeln pro Tag hat.
Was kann ich tun, wenn mein Baby nicht richtig anlegen will?
Wenn Ihr Baby nicht richtig anlegen will, sollten Sie sich von einer Stillberaterin oder Hebamme beraten lassen. Sie kann Ihnen helfen, die richtige Anlegetechnik zu finden und eventuelle Probleme zu lösen.

Wie lange sollte ich stillen?
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, Ihr Baby mindestens 6 Monate lang ausschließlich zu stillen. Danach können Sie die Beikost langsam einführen und Ihr Baby bis zum zweiten Lebensjahr weiter stillen.

Fazit: Stillen ist ein wundervolles Erlebnis
Die richtige Anlegetechnik ist der Schlüssel zu einem erfolgreichen und schmerzfreien Stillen. Wenn Sie die sieben Grundregeln beachten, können Sie sich und Ihrem Baby ein entspanntes Stillerlebnis ermöglichen. Bei Problemen oder Fragen sollten Sie sich von einer Stillberaterin oder Hebamme beraten lassen.
Stillen ist eine wundervolle Erfahrung, die eine tiefe Verbindung zwischen Mutter und Kind schafft. Genießen Sie diese besondere Zeit und vertrauen Sie auf Ihren Instinkt.
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