Der Begriff Albtraumgeburt, auch bekannt als Geburtstrauma, beschreibt sowohl physische als auch psychische Beeinträchtigungen, die bei Babys in Folge des Geburtsvorgangs auftreten können. Während das Wort trauma im medizinischen Kontext zunächst eine Verletzung oder Verwundung durch äußere Gewalteinwirkung bezeichnete, hat es sich in der Psychologie zu einem Begriff für psychische Traumata entwickelt.
Physisches Geburtstrauma
Im körperlichen Bereich bezieht sich ein Geburtstrauma auf Verletzungen von Geweben und Organen, die durch die physischen Kräfte während der Geburt entstehen. Dazu gehören auch Langzeitfolgen wie z. B. Beeinträchtigungen des Gehirns oder kognitiver Funktionen, die mit Schädel- oder Hirnverletzungen verbunden sind.
Geburtsphasen und Verletzungen
Geburtsverletzungen stellen ein eigenständiges medizinisches Gebiet dar und werden im ICD-10 unter den Codes P10 bis P15 klassifiziert. Man unterscheidet zwischen Hirnverletzungen, die durch Geburtstraumen verursacht werden, und solchen, die durch intrauterine Asphyxie (Sauerstoffmangel im Mutterleib) entstehen. Im engeren Sinne bezieht sich ein Geburtstrauma nur auf Schädigungen, die durch mechanische Krafteinwirkungen während der Geburt entstehen.
Die Folgen einer traumatischen Geburt können sowohl das Baby als auch die Mutter betreffen. Obwohl Geburtstraumen in der westlichen Welt als selten gelten, treten sie in Entwicklungsländern häufiger auf. Im Westen sind Geburtsfolgeschäden bei etwa 1,1 % der Geburten zu beobachten.
Mehrere körperliche Faktoren erhöhen das Risiko für das Auftreten von Geburtsschäden, darunter:
- Beckenenge der Mutter
- Große Kopfgröße des Babys
- Ungünstige Lage des Babys im Mutterleib
- Komplikationen während der Schwangerschaft
- Geburtsgewicht des Babys (zu hoch oder zu niedrig)
- Frühgeburt
- Mehrlingsschwangerschaft
Beim Neugeborenen können verschiedene Störungen als Folge der Geburt auftreten. Die Kindliche Plexusparese, eine Lähmung der Nerven im Schulterbereich, tritt bei 0,4 bis 5,1 Babys pro 1000 Geburten auf. Weitere typische Geburtsschäden sind:
- Kopftraumen und Hirnschädigungen
- Geburtsgeschwulst (Cephalhämatom)
- Intrakranielle Blutungen
- Schlüsselbeinbruch (Klavikulafraktur)
- Hämatom im Musculus sternocleidomastoideus (mit möglichem Schiefhals)
- Fazialisparese (Lähmung des Gesichtsnervs)
- Obere Plexuslähmung (Erb-Duchenne)
- Untere Plexuslähmung (Klumpke)
- Hypopituitarismus (Unterfunktion der Hirnanhangdrüse)
- Luxation des Nasenknorpels
Evolutionäre Besonderheiten der menschlichen Geburt
Die Geburt des Menschen ist durch einzigartige körperliche Merkmale geprägt, die sich im Laufe der Evolution der Hominiden entwickelt haben. Die Entwicklung des aufrechten Ganges führte zu Veränderungen im Skelett und den Skelettmuskeln. Insbesondere die Anpassungen der Wirbelsäule und des Beckengürtels sind im Zusammenhang mit der Geburt relevant.
Der Beckenkanal, den der Fötus bei der Geburt durchqueren muss, ist im Vergleich zu anderen Menschenartigen sehr eng. Seine Innenmaße entsprechen fast der Kopfgröße des Neugeborenen. Gleichzeitig ist der menschliche Schädel aufgrund der evolutionären Entwicklung des Gehirns (Zerebralisation) im Vergleich zu anderen Primaten sehr groß. Die Breite der Schultern übertrifft ebenfalls die Breite des fötalen Schädels.
Dieses evolutionär bedingte Missverhältnis zwischen Schädelgröße des Kindes und Größe des Beckenrings der Mutter führt dazu, dass sowohl die Mutter als auch das Neugeborene ein erhöhtes Risiko für eine traumatische Geburt tragen. Der große Kopf und die breiten Schultern des Kindes müssen sich durch den engen Geburtskanal bewegen, was eine komplizierte Geburtsmechanik erfordert.
Der kindliche Kopf muss eine Schraubenbewegung durch das Becken der Mutter ausführen. Dabei kann das Kind steckenbleiben, insbesondere wenn ein ausgeprägtes Missverhältnis zwischen mütterlichem Becken und kindlichem Kopf die Vorwärtsbewegung behindert. Das empfindliche Gehirn des Kindes ist durch die beweglichen Knochenplatten des Schädels geschützt, die erst nach der Geburt vollständig verknöchern. Diese Verformbarkeit des Schädels ist eine evolutionäre Anpassung, die es dem Kind ermöglicht, den vaginalen Geburtskanal zu passieren.
Die oben genannten Verletzungen des Schädels und des Gehirns sind die Folge dieser anatomischen Besonderheiten. Nach der Geburt müssen sich das Neugeborene auf die Lungenatmung umstellen, Nahrung oral aufnehmen und sich an die Reize der Außenwelt gewöhnen. Dieser Prozess kann als Stressgeschehen betrachtet werden.
Psychisches Geburtstrauma
Der Begriff Geburtstrauma wird auch im Zusammenhang mit negativen psychischen Folgen der Geburt verwendet. Dieser Ansatz geht auf Otto Rank zurück, der 1924 das Buch das trauma der geburt und seine bedeutung für die psychoanalyse veröffentlichte. Darin untersuchte er die psychischen Folgen der Geburt und das pränatale Erleben des Fötus.
Rank vermutete, dass die Geburt ein überwältigendes Angsterlebnis für den Fötus darstellt. Dieses Trauma könne die Ursache für zahlreiche spätere Ängste sein, darunter die Angst vor dem weiblichen Genital. Er glaubte, dass sich die Geburtsthematik in Träumen, Symbolen, Mythen und Kunstwerken widerspiegelt. Rank entwickelte eine Pränatalpsychologie, die er auf kulturelle Aspekte anwandte.
In der Psychoanalyse sind die Annahmen zum Erleben der Geburt uneinheitlich und umstritten. Freud erkannte zwar die Geburt als erstes Angsterlebnis des Menschen an, glaubte aber, dass dieses Ereignis keinen psychischen Inhalt habe, da der Fötus noch kein Objekt besitzt. Die meisten psychoanalytischen Theorien gehen davon aus, dass sich die Objekte, das Selbst und das Bewusstsein nach der Geburt entwickeln.
Einige Psychoanalytiker nehmen jedoch an, dass dem Fötus bereits ein Erleben zugesprochen werden kann. Sie argumentieren, dass der Fötus frühzeitig emotionale Erfahrungen macht, wie z. B. Wahrnehmungen in verschiedenen Sinnesmodalitäten, Sauerstoffmangelzustände, Angstsituationen, Schmerz- und Stresserfahrungen. Diese Erfahrungen können verinnerlicht werden und unter bestimmten Umständen zu einem traumatischen Geburtserleben führen.
In Psychotherapien können entsprechende Erinnerungen an die Geburt auftauchen. Donald W. Winnicott beschrieb beispielsweise, wie ein fünfjähriger Patient während einer Therapiesitzung auf ihm herumkletterte und durch seine Jacke kroch. Winnicott interpretierte dieses Spiel als Regression und Wiederholung der Geburt. Er nahm an, dass manche Babys aufgrund von Problemen bei der Geburt (z. B. Sauerstoffmangel) ein paranoides Erleben entwickeln.
Wichtige Impulse für die tiefenpsychologische Betrachtung des prä- und perinatalen Erlebens stammen aus der LSD-Forschung der Psychiater Hanscarl Leuner und Stanislav Grof. Leuner beschrieb 1962 in die experimentelle psychose die Erlebnisse seiner Patienten unter LSD-Einfluss. Diese halluzinativen Szenen ähneln Reaktivierungen prä- und perinataler Erlebnisse.
Grof interpretierte 1975 in topographie des unbewussten die Erlebnisse seiner Patienten im LSD-Rausch mit Hilfe seiner prä- und perinatalpsychologischen Konzeptionen (den sog. perinatalen matrizen ). Er stellte diese Überlegungen zu Erinnerungen an die eigene Geburt in einen quasimystischen Zusammenhang mit umfassenden Weltentwürfen.
Lloyd deMause, ein US-amerikanischer Sozialwissenschaftler, kombinierte in einem Essay von 1981 die diversen psychoanalytischen Theorieansätze zur Pränatalzeit mit empirischen Befunden zu den physiologischen Besonderheiten der menschlichen Ontogenese. Er nahm an, dass es in jeder Schwangerschaft, insbesondere gegen Ende, zu Problemen der Sauerstoffversorgung des Fötus kommt. Prä- und perinatales Erleben erzeuge ein psychisches Skript, eine Art Schablone, auf der die späteren Erlebnisse eingeordnet und verinnerlicht würden.
Was sind die häufigsten Symptome eines Geburtstraumas?
Die Symptome eines Geburtstraumas können je nach Art des Traumas und der individuellen Empfindlichkeit stark variieren. Häufige Symptome sind:
- Körperliche Beschwerden : Schmerzen, Verspannungen, Schlafstörungen, Verdauungsstörungen, chronische Müdigkeit
- Emotionale Störungen : Angst, Depression, Panikattacken, Wut, Schuldgefühle, Scham, Trauer
- Soziale Schwierigkeiten : Schwierigkeiten mit Nähe und Intimität, Isolation, Probleme in Beziehungen
- Kognitive Beeinträchtigungen : Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisprobleme, Verwirrung, Desorientierung
- Verhaltensauffälligkeiten : Vermeidungsverhalten, Suchtverhalten, Selbstverletzung
Wie kann ein Geburtstrauma diagnostiziert werden?
Die Diagnose eines Geburtstraumas erfolgt in der Regel durch einen Psychotherapeuten oder Psychiater. Es gibt keine spezifischen Tests, um ein Geburtstrauma zu diagnostizieren. Der Therapeut wird mit dem Patienten über seine Erfahrungen während der Geburt sprechen, die Symptome und die Auswirkungen auf sein Leben.
Wie kann ein Geburtstrauma behandelt werden?
Die Behandlung eines Geburtstraumas ist individuell auf den Patienten abgestimmt. Häufige Therapieformen sind:
- Psychotherapie : Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie, Traumatherapie
- Medikamente : Antidepressiva, Anxiolytika
- Entspannungstechniken : Progressive Muskelentspannung, Yoga, Meditation
- Selbsthilfegruppen : Austausch mit anderen Betroffenen
Kann ein Geburtstrauma die Entwicklung des Kindes beeinflussen?
Ja, ein Geburtstrauma kann die Entwicklung des Kindes beeinflussen. Es kann zu emotionalen, kognitiven und sozialen Problemen führen. Die Auswirkungen können je nach Schweregrad des Traumas und der individuellen Vulnerabilität des Kindes unterschiedlich stark sein.
Was kann man tun, um ein Geburtstrauma zu verhindern?
Es gibt keine Garantie, dass ein Geburtstrauma verhindert werden kann. Aber es gibt einige Dinge, die man tun kann, um das Risiko zu minimieren:
- Frühzeitige Vorsorgeuntersuchungen : Regelmäßige Kontrollen während der Schwangerschaft können Komplikationen frühzeitig erkennen.
- Geburtsvorbereitungskurse : Kurse können die Frau auf die Geburt vorbereiten und ihr helfen, mit den Herausforderungen umzugehen.
- Geburtsbegleitung : Eine vertraute Person kann während der Geburt emotionalen Halt geben.
- Offene Kommunikation mit dem Arzt : Die Frau sollte ihre Ängste und Sorgen mit dem Arzt besprechen.
Zusammenfassung
Ein Geburtstrauma kann sowohl physische als auch psychische Folgen für das Baby haben. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von mechanischen Krafteinwirkungen während der Geburt bis hin zu psychischen Belastungen, die mit dem Geburtserleben verbunden sind. Es ist wichtig, sich der verschiedenen Facetten eines Geburtstraumas bewusst zu sein, um die betroffenen Kinder und Familien bestmöglich zu unterstützen.
Die Behandlung eines Geburtstraumas erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die körperlichen als auch die psychischen Bedürfnisse des Betroffenen berücksichtigt. Frühzeitige Intervention und professionelle Unterstützung können dazu beitragen, die Folgen eines Geburtstraumas zu minimieren und den Betroffenen zu helfen, ein erfülltes Leben zu führen.
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