Abraham, im Arabischen Ibrāhīm (arabisch إبراهيم ), spielt eine herausragende Rolle im Islam. Er gilt als einer der wichtigsten Propheten und als Begründer der monotheistischen Religion an der Kaaba in Mekka. Seine Bedeutung wird durch die zahlreichen Erwähnungen im Koran unterstrichen: Er wird in 25 Suren insgesamt 69 Mal namentlich genannt, die 1Sure ist sogar nach ihm benannt. Abraham wird im Islam oft als freund gottes (Ḫalīl Allāh) bezeichnet, ein Titel, der auf Sure 4:125 zurückzuführen ist, wo es heißt, dass Gott Abraham zu seinem Freund erwählte. Diese Bezeichnung findet sich auch in der Bibel, beispielsweise in Jesaja 41,8 EU und Jakobus 2,23 EU.
Abraham im Koran
Im Koran erscheint Abrahams Name durchgängig als Ibrāhīm, obwohl es auch eine abweichende Lesung von Abū Mūsā al-Aschʿarī gab, die den Namen als Ibrāhām aussprach.
Abrahams Weg zum Monotheismus
Die Suren der mekkanischen Periode des Korans schildern Abrahams Weg zum Verkünder des monotheistischen Glaubens. Er kämpfte gegen den Widerstand seines Vaters Azar, dessen Götzenbilder er zerstörte (Sure 6:74; Sure 21:52–58; Sure 37:88–96). Als Folge seiner Handlungen wurde er von seinem Volk ins Feuer geworfen, doch auf wundersame Weise gerettet (Sure 21:68f., siehe dazu Balıklıgöl). Dieses Wunder führte dazu, dass sich einige seiner Landsleute, darunter Lot (Sure 29:26), zum Glauben an Gott bekehrten.
Abraham bat Gott um den Schutz Mekkas, damit seine Nachkommen als künftige Bewohner des unfruchtbaren Gebietes in Sicherheit leben und ihren Lebensunterhalt finden konnten (Sure 14:35–41). Ähnlich wie in Mose 22,1-19 EU wird in Sure 37:101–107 berichtet, dass Abraham von Gott einer schweren Prüfung unterzogen wurde. Gott befahl ihm, seinen Sohn zu opfern. Als Abraham seine Bereitschaft zu diesem Opfer demonstrierte, griff Gott ein und ersetzte Abrahams Sohn durch ein Schlachtopfer (37:107).
Abrahams Bedeutung für die neue Religionsgemeinschaft
Die Suren der medinischen Periode des Korans stellen Abraham als Vorläufer der neuen Religionsgemeinschaft dar. An mehreren Stellen aus dieser Zeit wird die Aufforderung ausgesprochen, der Religion der gemeinschaft abrahams (millat Ibrāhīm) zu folgen (z. B. Sure 2:130; 4:125). Der Koran betont, dass Abraham weder Jude noch Christ noch Götzendiener war, sondern ein Muslim und Hanīf, der schon lange vor Mohammed erkannte, dass es nur einen einzigen Gott gibt (vgl. Sure 3:67; 95). Die koranischen Passagen über Abraham dienten auch zur Rechtfertigung der Neuausrichtung der Qibla weg von Jerusalem hin zum altarabischen Heiligtum in Mekka. Es wird erklärt, dass Abraham zusammen mit seinem Sohn Ismael die Grundmauern dieses hauses errichtete (Sure 2:127). Dieses mekkanische Heiligtum wird an zwei Stellen des Korans (2:125; 3:97) als der standplatz abrahams (maqām Ibrāhīm) bezeichnet. In Sure 22:26f wird Abraham aufgefordert, unter den Menschen zum Haddsch aufzurufen, damit sie von überall her zu Fuß oder auf Kamelen reitend zu ihm kommen.

Religionsgeschichtlicher Hintergrund
Die ältere Forschung zu den koranischen Abrahamserzählungen konzentrierte sich auf den Nachweis einer literarischen Abhängigkeit des Korans von der biblischen Überlieferung. Heute streben vergleichende Gegenüberstellungen eher danach, die unterschiedliche Intention biblischer und koranischer Verkündigung in ihrem jeweiligen historischen Kontext herauszuarbeiten.
Die Aussagen im Koran über Abraham knüpfen zum Teil an Vorstellungen an, die im vorislamischen Arabien mit dieser Figur verbunden waren. In Versen, die von ʿAbd al-Muttalib ibn Hāschim, dem Großvater Mohammeds, überliefert werden, heißt es:
Naḥnu ahlu Llāhi fī baldati-hī
Lam yazal ḏāka ʿalā ʿahdi (A)braham
Wir sind die Leute Allāhs in seiner Stadt,
Dies gilt noch immer nach dem Bundesschluss Abrahams
In den Kreisen der Hanīfen gab es auch das Konzept einer monotheistischen Religion Abrahams (dīn Ibrāhīm), die dem heidnischen Götzendienst, der in diesen Städten vorherrschend war, gegenübergestellt wurde. Man nahm an, dass diese Religion über arabische Vorfahren direkt von Abraham übermittelt worden war. Der Hanīf Zaid ibn ʿAmr behauptete, unter den Quraisch der Einzige zu sein, der an dieser religion abrahams festhielt. Er betete in Richtung der Kaaba und sah diese als einen Bau an, der von Abraham und Ismael errichtet worden war. Einige Überlieferungen beschreiben ihn sogar als den Mentor Mohammeds. Aber auch Abū ʿĀmir ar-Rāhib, ein hanifischer Gegner Mohammeds in Medina, sah sich als Anhänger der religion abrahams. Er warf Mohammed vor, diese Religion durch Neuerungen verfälscht zu haben.
Die Regeln der Fitra
Der Koran berichtet, dass Gott Abraham mit worten (bi-kalimāt) auf die Probe stellte. Nachdem Abraham diese erfüllt hatte, machte Gott ihn zum Imam der Menschen (Sure 2:124). Im Islam knüpft sich an diese Geschichte die Vorstellung von bestimmten Normen, die bereits von Abraham in den Islam eingeführt wurden. Die Anzahl und Art dieser Normen, über die Abraham von Gott befragt wurde, sind unterschiedlich. Nach einer Überlieferung, die über Hanasch auf ʿAbdallāh ibn ʿAbbās zurückgeführt wird, handelt es sich um insgesamt zehn Normen. Sechs davon betreffen den Menschen, nämlich:
- Das Rasieren des Schamhaars
- Die Beschneidung
- Das Auszupfen des Achselhaars
- Das Schneiden der Fingernägel
- Das Schneiden des Schnurrbarts
- Die Waschung am Freitag
Die anderen betreffen die Riten (mašāʿir) bei der Wallfahrt, nämlich:
- Den Tawaf
- Das Laufen zwischen Safa und Marwa
- Das Werfen der Steine in Mina
- Das Herausströmen (ifāda) aus der Ebene ʿArafat am Abend des Dhu l-hiddscha
Diese Regeln werden auch als die Sunan al-Fitra ( regeln der fitra ) bezeichnet.
Die Kontroverse um Abrahams Sohn
Im Gegensatz zur Bibel (Gen 22 EU) wird der Name des Sohnes, den Abraham opfern will, im Koran nicht genannt. Bis zum frühen Jahrhundert wurde in Anknüpfung an den biblischen Bericht allgemein angenommen, dass es sich um Isaak, den Stammvater der Juden, handelt. In der Zeit des Kalifen ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz (reg. 717–720) wurde zum ersten Mal die Vorstellung aufgebracht, dass dieser Sohn Ismael, der Stammvater der Araber, sein muss. Es wurde argumentiert, dass Sure 37 zunächst die intendierte Opferung eines Sohnes von Abraham erwähnt (Vers 101–107) und erst danach die Ankündigung der Geburt Isaaks (Vers 112 f.). Hieraus wurde geschlossen, dass sich der vorausgehende Bericht über die intendierte Sohn-Opferung auf Ismael beziehen muss. Diese Lehre hat sich später auch allgemein im Islam durchgesetzt.
Das an Stelle von Abrahams Sohn geopferte Tier gilt bis heute als Vorbild für das rituelle Opfern von Schlachtvieh während der Wallfahrtszeit in der Nähe von Mekka und das jährliche Islamische Opferfest.
Heilige Orte, die mit Abraham in Verbindung gebracht werden
In der Heiligen Moschee in Mekka wird ein heiliger Stein mit zwei Fußabdrücken aufbewahrt, die Abraham zugeschrieben werden. Nach der islamischen Überlieferung hat sich Abraham auf diesen Maqām Ibrāhīm ( standplatz abrahams ) genannten Stein gestellt, als er die Kaaba erbaute, und benutzte ihn auch beim Gebet. Wie die Juden, verehren auch die Muslime Abrahams Grab in der Stadt Hebron, die nach Abrahams Beinamen auf Arabisch al-Chalīl genannt wird. Der Bau, der das Grab Abrahams enthält, gilt seit dem 1Jahrhundert als Haram.
Ein weiterer Ort, der von Muslimen mit Abraham in Beziehung gesetzt wird, ist Şanlıurfa im Südosten der Türkei. Die lokale Legende besagt, dass hier Abraham geboren wurde und auch auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden sollte. Gott verwandelte jedoch das Feuer in Wasser, woraus der Balıklıgöl an der Halil-Rahman-Moschee entstand, der heute noch mit den darin schwimmenden Karpfen als Heiliger Teich verehrt wird. Ein weiteres Abraham-Heiligtum befand sich lange Zeit in der Zitadelle von Aleppo. Auch der arabische Name Aleppos ḥalab wird mit einem Besuch Abrahams in der Stadt in Verbindung gebracht. Abraham soll nämlich auf dem Zitadellenhügel sein Vieh gemolken (ḥalaba) haben.
Abraham im Denken der modernen Muslime
Zu den muslimischen Denkern, die sich in der Moderne mit der Abraham-Figur auseinandersetzten, gehört der ägyptische Literat ʿAbbās Mahmūd al-ʿAqqād (1889–1964). Er veröffentlichte in den frühen 1960er Jahren eine Biographie Abrahams mit dem Titel abraham, vater der propheten (Ibrāhīm, abū l-anbiyāʾ).
Wie alt war Abraham bei der Geburt von Isaak?
Die Bibel gibt an, dass Abraham 100 Jahre alt war, als Isaak geboren wurde (Mose 21,5). Der Koran erwähnt das Alter Abrahams bei Isaaks Geburt nicht explizit, aber es wird angenommen, dass er bereits sehr alt war, als er Isaak zeugte.
Was ist mit Abraham passiert?
Abraham wurde von Gott auf die Probe gestellt, indem er aufgefordert wurde, seinen Sohn zu opfern. Abraham war bereit, dies zu tun, aber Gott griff ein und ersetzte seinen Sohn durch ein Schlachtopfer. Diese Geschichte zeigt Abrahams unerschütterlichen Glauben und seine Hingabe an Gott.
Was sagt die Bibel über Abraham?
Die Bibel beschreibt Abraham als den Vater des jüdischen Volkes. Er gilt als der Stammvater der drei großen monotheistischen Religionen: Judentum, Christentum und Islam. In der Bibel wird Abraham als ein Mann des Glaubens, der Gehorsam und der Treue zu Gott dargestellt. Er war bereit, seinen einzigen Sohn Isaak zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen.
Welche Bedeutung hat Abraham für die heutige Zeit?
Abraham ist ein Vorbild für seinen unerschütterlichen Glauben, seine Hingabe an Gott und seine Bereitschaft, sich für seine Überzeugungen einzusetzen. Seine Geschichte dient als Inspiration für Menschen aller Religionen und Kulturen. Er lehrt uns, dass wir an unsere Überzeugungen glauben und für sie kämpfen sollten, selbst wenn es schwierig ist. Er steht für die Werte der Toleranz, des Friedens und der Menschlichkeit, die in der heutigen Welt so wichtig sind.
Zusammenfassung
Abraham ist eine zentrale Figur im Islam und spielt eine wichtige Rolle in der Geschichte der drei großen monotheistischen Religionen. Er wird als freund gottes verehrt und sein Leben und seine Taten sind ein Vorbild für Gläubige aller Religionen. Seine Geschichte lehrt uns, an unsere Überzeugungen zu glauben, für sie einzustehen und die Werte der Toleranz, des Friedens und der Menschlichkeit zu fördern.
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