Schweine schwangerschaft: trächtigkeit, geburt & haltung

Die Schwangerschaft beim Schwein, auch bekannt als Trächtigkeit, ist ein faszinierendes Thema, das viele Aspekte der Biologie und des Verhaltens dieser intelligenten Tiere umfasst. Dieser Artikel befasst sich mit allen wichtigen Aspekten der Schweineschwangerschaft, von der Geschlechtsreife bis zur Geburt und den Besonderheiten der modernen Schweinehaltung.

Inhaltsverzeichnis

Die Entwicklung der Schweine

Schweine sind seit der Jungsteinzeit domestiziert und haben eine lange Geschichte der Beziehung zum Menschen. Durch selektive Züchtung entstanden zahlreiche Schweinerassen, die sich in ihren Eigenschaften und ihrem Aussehen unterscheiden. Die bekanntesten sind die Mastschweine, die auf schnelles Wachstum und Fleischproduktion gezüchtet werden. Andere Rassen, wie das Mangalitza-Schwein, sind seltener geworden und werden eher für ihre besonderen Eigenschaften wie ihren Wollmantel geschätzt.

Die Geschlechter des Schweins

Der Begriff schwein ist ein Oberbegriff, der sich auf alle Tiere der GattungSusBezieht. Je nach Geschlecht und Alter werden sie wie folgt bezeichnet:

  • Ferkel: Jungtiere, sowohl männlich als auch weiblich. Ein Spanferkel ist ein besonders junges Ferkel, das noch an der Zitze saugt.
  • Sau: Erwachsenes weibliches Tier.
  • Eber: Erwachsenes männliches Tier.

Die Fortpflanzung des Schweins

Hausschweine werden in der Regel ab dem neunten Lebensmonat geschlechtsreif. Sauen können das ganze Jahr über trächtig werden, allerdings erfolgt die Befruchtung heute fast ausschließlich durch künstliche Befruchtung. Dies geschieht meist zweimal jährlich, um den Nachwuchs und die Fleischproduktion zu optimieren.

Die Trächtigkeit

Die Trächtigkeit bei Sauen dauert etwa 113 Tage, wobei die tatsächliche Dauer zwischen 112 und 119 Tagen liegen kann. Während dieser Zeit wachsen die Föten im Bauch der Sau heran. Die Anzahl der Ferkel pro Wurf liegt im Durchschnitt bei zehn, wobei jedes Ferkel bei der Geburt etwa ein Kilogramm schwer ist.

Die Geburt

Der Geburtsvorgang, auch als Abferkeln bezeichnet, ist ein komplexer Prozess, der verschiedene Stadien umfasst.

Anzeichen für eine bevorstehende Geburt

Einige Tage bis Wochen vor dem Abferkeln zeigen Sauen verschiedene Anzeichen, die auf die bevorstehende Geburt hindeuten:

  • Vergrößerung des Bauches: Durch das Wachstum der Föten dehnt sich der Bauch der Sau deutlich aus.
  • Entwicklung der Milchdrüsen: Die Milchdrüsen entwickeln sich und werden größer, um die Ferkel nach der Geburt mit Milch zu versorgen.
  • Kolostrum: In den Tagen vor dem Abferkeln kann aus den Brustwarzen bereits eine kleine Menge Kolostrum austreten, eine besonders nährstoffreiche Vormilch, die den Ferkeln wichtige Antikörper liefert.

Unmittelbar vor der Geburt

In den Stunden vor dem Abferkeln zeigen die Sauen weitere eindeutige Anzeichen:

  • Milchaustritt: Aus den Zitzen kann jetzt Milch gedrückt werden.
  • Eingesunkener Rücken: Die Sau kann einen eingesunkenen Rücken zeigen.
  • Geschwollene Vulva: Die Vulva kann anschwellen, sich röten und entspannen.
  • Nestbauverhalten: Zwischen 12 und 24 Stunden vor dem Abferkeln zeigen Sauen das typische Nestbauverhalten. Sie wühlen im Stroh, kratzen mit ihren Hufen am Boden und beißen in die Gitterstäbe, um ein Nest für ihre zukünftigen Ferkel zu bauen.
  • Erhöhte Atemfrequenz: Die Atemfrequenz der Sau steigt in den Stunden vor der Geburt von etwa 20 auf 60 Atemzüge pro Minute.
  • Unruhe: Die Sau wird unruhig, legt sich hin und steht wieder auf, bevor sie sich zum Abferkeln auf die Seite legt.

Der Abferkelvorgang

Der Abferkelvorgang selbst ist ein kraftvoller und anstrengender Prozess für die Sau.

  • Presswehen: Die Sau drückt mit ihren Bauchmuskeln und spreizt ihre Hinterbeine, um das Ferkel durch den Geburtskanal zu befördern.
  • Geburtsabstände: Die Ferkel werden in der Regel in Abständen von 15-20 Minuten geboren, können aber auch in schneller Folge oder in längeren Abständen von mehr als 30 Minuten geboren werden.
  • Nabelschnur: Die Ferkel werden in der Regel mit intakter Nabelschnur geboren, die aber durch ihre Bewegungen reißt, so dass sie innerhalb von etwa 20 Minuten die Milchdrüsen erreichen können.
  • Totgeburten: Totgeburten können durch verminderte Kontraktionen der Sau oder durch ihre Ermüdung auftreten. Wenn die Zeitspanne seit der Geburt des letzten Ferkels mehr als 20 Minuten beträgt und die Sau sich anzustrengen scheint, ist dies ein Hinweis auf mögliche Probleme.
  • Plazenta: Nach der Geburt des letzten Ferkels lösen Blutfluss und Druck die Plazenta aus der Gebärmutter, und die Sau treibt sie aus.

Die Bedeutung der Beobachtung

Ein rechtzeitiges Eingreifen bei Problemen während des Abferkelns erfordert die Kenntnis der Intervalle, in denen die Ferkel geboren werden, und die Beobachtung der Sau. Das Verständnis der Prozesse, die das Abferkeln steuern, und das Erkennen der Anzeichen der verschiedenen Stadien kann den Erzeugern helfen, effektive Managementpläne für die Sau, die Einrichtungen und das Personal zu entwickeln, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass die Ferkel lebend geboren werden.

Sinnesleistungen und Verhalten

Schweine sind intelligente und sozial lebende Tiere mit ausgeprägten Sinnesleistungen.

Der Rüssel

Der Rüssel ist das wichtigste Sinnesorgan des Schweins. Mit ihm kann es gut tasten und vor allem riechen. Der Geruchssinn des Schweins ist ähnlich fein wie der eines Hundes und wird unter anderem genutzt, um mit Schweinen unterirdische Trüffel aufzuspüren.

Hörvermögen und Sehvermögen

Schweine hören auch recht gut, dafür sehen sie umso schlechter. Sie sind jedoch hochintelligente und neugierige Tiere. Experimente haben gezeigt, dass sie ein Zeitverständnis haben, zählen können, sich ihren Namen merken und sich selbst im Spiegel erkennen können.

Soziales Verhalten

Schweine sind hochsoziale Tiere, die gerne in Gruppen von 20 bis 30 Tieren, sogenannten Rotten, leben. Diese Gruppen setzen sich aus Säuen und ihrem Nachwuchs zusammen. Männliche Tiere verlassen die Rotte nach der Geschlechtsreife und bilden eigene Junggesellengruppen. Ältere Eber leben meist als Einzelgänger.

schweine schwangerschaft - Wann bekommen Schweine Ferkel

Stress und Krankheiten

In der modernen Massentierhaltung werden Schweine oft in großen Gruppen auf engstem Raum gehalten, ohne Auslauf ins Freie. Dies entspricht nicht den natürlichen Bedürfnissen der Tiere und führt zu Stress, psychischen Störungen, aggressivem Verhalten, Verletzungen und manchmal Kannibalismus.

Enge, wenig Körperpflege- und Bewegungsmöglichkeiten sowie Stress machen Intensiv-Mastschweine auch anfällig für Krankheiten. Um dies zu verhindern, wird häufig mit Medikamenten wie Antibiotika gearbeitet.

Ernährung und Lebensdauer

Schweine sind Allesfresser und haben einen großen Appetit.

Natürliche Ernährung

In ihrer natürlichen Umgebung ernähren sich Schweine von Eicheln, Kastanien, Wurzeln, Knollen, Pilzen, Insekten, Würmern, Obst und Gemüse. In der Vergangenheit wurden sie auch auf Bauernhöfen mit Speiseresten und anderen organischen Abfällen gefüttert. Schweine verbringen etwa sieben Stunden pro Tag mit Nahrungssuche und Fressen, wobei sie mit ihrem Rüssel in der Erde wühlen.

Industrielle Ernährung

In der Massentierhaltung werden Mastschweine hauptsächlich mit Kraftfutter aus Gerste, Soja, Weizen und Mais gefüttert, um ein schnelles Wachstum zu erreichen.

Lebensdauer

Grundsätzlich können Hausschweine 8 bis 12 Jahre alt werden. In der Intensivtierhaltung werden sie jedoch üblicherweise nach etwa acht bis neun Monaten geschlachtet, da sie dann ihr ideales Schlachtgewicht von etwa 110 kg erreicht haben.

Zahlen und Fakten

Weltweit werden etwa 1 Milliarde Schweine gehalten, allein die Hälfte davon in China. In Österreich sind es 2,77 Millionen (Stand 2019).

Schweinehaltung in Österreich

In Österreich gibt es 2000 Betriebe mit Schweinehaltung (Stand 2017) – mit durchschnittlich mehr als 110 Schweinen pro Hof. 1995 waren es noch 35 Tiere pro Betrieb. Der Bio-Anteil bei österreichischen Schweinen steigt zwar, lag 2019 aber nach wie vor auf niedrigem Niveau: bei 3 %.

Schweinefleischkonsum

In Österreich werden jährlich 5,15 Mio. Schweine geschlachtet (entspricht 1100 täglich). Sie liefern 5000 Tonnen Fleisch (Stand jeweils 2018). Das entspricht grob der Hälfte Gesamt-Fleischproduktion in Österreich. Herr und Frau Österreicher konsumierten im Jahr 2019 jeweils 37 Kilo Schweinefleisch. Das sind 0,7 kg pro Person und Woche. Damit ist Schweinefleisch die am häufigsten konsumierteste Fleischsorte. Von ihr wird dreimal so viel verzehrt wie von der zweitbeliebtesten Fleischquelle: Hühnern.

Wie erkennt man, ob ein Schwein trächtig ist?

Es gibt verschiedene Anzeichen, die auf eine Trächtigkeit bei Schweinen hindeuten. Zu den häufigsten gehören:

  • Vergrößerter Bauch: Der Bauch der Sau dehnt sich durch das Wachstum der Föten deutlich aus.
  • Entwicklung der Milchdrüsen: Die Milchdrüsen entwickeln sich und werden größer.
  • Kolostrum: In den Tagen vor dem Abferkeln kann aus den Brustwarzen bereits eine kleine Menge Kolostrum austreten.
  • Nestbauverhalten: Die Sau zeigt ein typisches Nestbauverhalten, indem sie im Stroh wühlt, mit ihren Hufen am Boden kratzt und in die Gitterstäbe beißt.

Wie lange dauert die Trächtigkeit bei Schweinen?

Die Trächtigkeit bei Sauen dauert in der Regel zwischen 115 und 116 Tagen, kann aber auch von 112 bis 119 Tagen betragen.

Wie viele Ferkel bringt eine Sau durchschnittlich zur Welt?

Eine Sau bringt im Durchschnitt etwa zehn Ferkel zur Welt, wobei jedes Ferkel bei der Geburt etwa ein Kilogramm schwer ist.

Wie oft kann eine Sau im Jahr trächtig werden?

Sauen können das ganze Jahr über trächtig werden. In der modernen Schweinehaltung erfolgt die Befruchtung meist zweimal jährlich, um den Nachwuchs und die Fleischproduktion zu optimieren.

schweine schwangerschaft - Wie erkennt man ob ein Schwein trächtig ist

Wie lange leben Schweine?

Grundsätzlich können Hausschweine 8 bis 12 Jahre alt werden. In der Intensivtierhaltung werden sie jedoch üblicherweise nach etwa acht bis neun Monaten geschlachtet.

Was sind die wichtigsten Sinnesorgane des Schweins?

Der Rüssel ist das wichtigste Sinnesorgan des Schweins. Mit ihm kann es gut tasten und vor allem riechen. Schweine hören auch recht gut, dafür sehen sie umso schlechter.

Was ist eine Rotte?

Eine Rotte ist eine Gruppe von Schweinen, die in der Regel aus Säuen und ihrem Nachwuchs besteht. Männliche Tiere verlassen die Rotte nach der Geschlechtsreife und bilden eigene Junggesellengruppen.

Welche Probleme gibt es in der Massentierhaltung von Schweinen?

Die Massentierhaltung von Schweinen führt zu Stress, psychischen Störungen, aggressivem Verhalten, Verletzungen und manchmal Kannibalismus. Enge, wenig Körperpflege- und Bewegungsmöglichkeiten sowie Stress machen Intensiv-Mastschweine auch anfällig für Krankheiten.

Zusammenfassung

Die Schwangerschaft beim Schwein ist ein komplexer und faszinierender Prozess, der viele Aspekte der Biologie und des Verhaltens dieser intelligenten Tiere umfasst. Von der Geschlechtsreife bis zur Geburt und den Besonderheiten der modernen Schweinehaltung bietet dieser Artikel einen umfassenden Einblick in die Welt der Schweineschwangerschaft.

Es ist wichtig, sich der Herausforderungen und der ethischen Aspekte der modernen Schweinehaltung bewusst zu sein. Die Optimierung der Lebensbedingungen für Schweine, die Reduzierung von Stress und die Förderung ihres natürlichen Verhaltens sind wichtige Aspekte, die bei der Haltung von Schweinen berücksichtigt werden sollten.

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