Die Frage, ob ein Schnuller für ein Baby sinnvoll ist, beschäftigt viele Eltern. Während einige auf den Schnuller schwören, um ihr Baby zu beruhigen, warnen andere vor möglichen negativen Auswirkungen. Hebammen, die sich für eine natürliche Geburt und Stillförderung einsetzen, haben oft eine klare Meinung zum Thema Schnuller. In diesem Artikel beleuchten wir die Argumente für und gegen den Schnullergebrauch und geben Ihnen einen umfassenden Überblick über die aktuelle wissenschaftliche Erkenntnislage.
Warum sollte man keinen Schnuller geben?
In babyfreundlichen Geburtskliniken, die nach den 10 schritten zum erfolgreichen stillen arbeiten, wird der Einsatz von Schnullern in den ersten Wochen nach der Geburt kritisch betrachtet. Der neunte Schritt dieser Leitlinien lautet:
Gestillten kindern keine künstlichen sauger anbieten. eltern zu anwendung und risiken von flaschen, saugern und schnullern beraten.
Der Grund für diese Empfehlung liegt darin, dass der Schnuller das Stillen in den ersten Wochen nach der Geburt negativ beeinflussen kann. Das Saugen am Schnuller unterscheidet sich vom Saugen an der Brust und kann die Stilltechnik des Kindes beeinträchtigen. Dies kann zu Stillproblemen wie Saugverwirrung, Milchstau oder einer unzureichenden Gewichtszunahme führen.

Besonders in den ersten 4-6 Wochen nach der Geburt, ist es wichtig, dass sich das Stillen gut etabliert. In dieser Phase sollte der Schnuller daher möglichst vermieden werden. Wenn Eltern sich nach einer ausführlichen Beratung dennoch für den Schnuller entscheiden, können sie diesen natürlich verwenden. Es ist jedoch wichtig, dass Eltern über die möglichen Risiken aufgeklärt werden, um eine fundierte Entscheidung zu treffen.
Die Aufgabe von Fachpersonal ist es, Eltern durch korrekte und industrie-unabhängige Informationen zu unterstützen. So können Eltern ihre eigene Entscheidung treffen, die am besten zu ihrem Kind und ihrer Familie passt.
Welche Risiken birgt der Schnuller?
Neben den bereits genannten Risiken für das Stillen, gibt es weitere Aspekte, die Eltern bei der Entscheidung für oder gegen einen Schnuller berücksichtigen sollten:
Auswirkungen auf die Entwicklung des Mundraums
Der Schnuller kann die Entwicklung des Mundraums beeinflussen. Studien zeigen, dass der häufige und langfristige Schnullergebrauch zu Zahnfehlstellungen, Kieferfehlstellungen und Saugstörungen führen kann. Die Zunge hat weniger Platz im Mund, was zu einer Veränderung der Zungenposition und -funktion führen kann. Dies kann sich wiederum auf die Sprachentwicklung auswirken.
Schlafstörungen
Der Schnuller kann zu Schlafstörungen führen. Studien belegen, dass Kinder, die einen Schnuller benutzen, einen leichteren Schlaf haben und häufiger erwachen. Dies liegt daran, dass der Schnuller die auditive Erregungsschwelle senkt, was bedeutet, dass Kinder leichter durch Geräusche aus dem Schlaf geweckt werden.
Risiko für plötzlichen Kindstod (SIDS)
Die Forschung zum Einfluss des Schnullers auf das SIDS-Risiko ist uneinheitlich. Einige Studien deuten darauf hin, dass der Schnuller das SIDS-Risiko senken kann, während andere keine eindeutigen Ergebnisse zeigen. Es wird vermutet, dass der Schnuller während des Schlafs die Atemwege frei hält und so das Risiko für einen Atemstillstand verringert.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass der Schnuller nur ein kleiner Teil der SIDS-Prävention ist. Die wichtigsten Maßnahmen zur SIDS-Prävention sind:
- Rückenlage beim Schlafen
- Nicht-Rauchen in der Schwangerschaft und im Haushalt
- Kein Überdecken des Babys
- Stillen
Einfluss auf die Bindung
Der Schnuller kann die Bindung zwischen Eltern und Kind beeinflussen. Wenn das Kind immer einen Schnuller im Mund hat, kann es weniger Kontakt zu den Eltern suchen und die Eltern haben weniger Gelegenheit, ihr Kind durch Körperkontakt und Nähe zu beruhigen.
Wann sollte man Schnuller geben?
Die Entscheidung, ob und wann ein Kind einen Schnuller bekommt, ist eine individuelle Entscheidung der Eltern. Wenn Eltern sich für den Schnuller entscheiden, sollten sie einige Punkte beachten:

- Erst nach der Etablierung des Stillens: Der Schnuller sollte erst nach dem Aufbau einer stabilen Stillbeziehung eingeführt werden, um die Stilltechnik des Kindes nicht zu beeinträchtigen.
- Nur bei Bedarf: Der Schnuller sollte nicht als ständiges Beruhigungsmittel eingesetzt werden, sondern nur bei Bedarf, zum Beispiel zum Einschlafen.
- Alternativen zum Schnuller: Es gibt viele alternative Möglichkeiten, ein Baby zu beruhigen, zum Beispiel durch Tragen , Wiegen , Singen oder Kuscheln .
- Schnuller mit therapeutischem Hintergrund: In einigen Fällen kann der Schnuller mit therapeutischem Hintergrund eingesetzt werden, zum Beispiel bei Frühgeborenen oder Säuglingen mit Saugproblemen.
- Schnuller-Entwöhnung: Wenn Eltern den Schnuller abgewöhnen möchten, sollten sie dies schrittweise tun.
Alternative Möglichkeiten, ein Baby zu beruhigen
Es gibt viele alternative Möglichkeiten, ein Baby zu beruhigen, ohne einen Schnuller zu verwenden. Hier sind einige Beispiele:
- Tragen: Das Tragen in einem Tragetuch oder einer Babytrage kann das Baby beruhigen und ihm ein Gefühl von Sicherheit geben.
- Wiegen: Sanftes Wiegen kann dem Baby helfen, sich zu entspannen und einzuschlafen.
- Singen: Das Singen von Liedern oder das Vorlesen von Geschichten kann das Baby beruhigen und ihm helfen, sich zu entspannen.
- Kuscheln: Körperkontakt und Nähe können dem Baby ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln.
- Massage: Eine sanfte Massage kann das Baby entspannen und ihm helfen, sich zu beruhigen.
- Badezeit: Ein warmes Bad kann das Baby entspannen und ihm helfen, sich zu beruhigen.
- Ruhige Umgebung: Eine ruhige Umgebung ohne laute Geräusche kann dem Baby helfen, sich zu entspannen und einzuschlafen.
Schnuller und Stillen: Studien und Empfehlungen
Die wissenschaftliche Literatur zum Thema Schnuller und Stillen ist uneinheitlich. Einige Studien zeigen negative Auswirkungen des Schnullers auf die Stilldauer, während andere keine eindeutigen Ergebnisse liefern.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, den Schnuller erst nach der Etablierung des Stillens zu verwenden. Die American Academy of Pediatrics (AAP) empfiehlt, den Schnuller gezielt und mit therapeutischem Hintergrund zu verwenden, zum Beispiel bei Frühgeborenen oder Säuglingen mit Saugproblemen.
Eine Meta-Analyse von Gabriela dos Santos Buccini et al. (2017) ergab, dass die Qualität der Studien zum Schnuller bisher meist unzureichend ist und keine direkten Rückschlüsse über die Gründe für bestimmte Ergebnisse zulassen. Die Autorinnen sehen aber ausreichende Gründe, weiterhin die WHO-Empfehlungen zum Schnullergebrauch zu unterstützen.
Es gibt jedoch auch Studien, die positive Effekte des Schnullers auf das SIDS-Risiko zeigen. So ergab eine Studie von Franco et al. (2000), dass Säuglinge, die während des Schlafens einen Schnuller benutzten, niedrigere auditive Erregungsschwellen hatten als solche, die ohne Schnuller schliefen.
Die AAP hat im Jahr 2011 ein Statement herausgegeben, in dem sie den Schnuller als SIDS-Prophylaxe empfiehlt.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Forschung zum Thema Schnuller noch nicht abgeschlossen ist. Es werden weitere Studien benötigt, um die Auswirkungen des Schnullers auf die Entwicklung des Kindes und das Stillen besser zu verstehen.
Zum Thema Schnuller
Wann sollte man mit dem Schnuller anfangen?
Die WHO empfiehlt, den Schnuller erst nach der Etablierung des Stillens zu verwenden. Dies bedeutet, dass das Baby mindestens 4-6 Wochen alt sein sollte und das Stillen gut funktioniert.
Wie lange kann man den Schnuller benutzen?
Es gibt keine allgemeingültige Empfehlung, wie lange ein Kind einen Schnuller benutzen kann. Es ist jedoch ratsam, den Schnuller schrittweise abzugewöhnen, wenn das Kind 18 Monate alt ist.
Kann der Schnuller zu Zahnfehlstellungen führen?
Ja, der Schnuller kann zu Zahnfehlstellungen führen, insbesondere wenn er über einen längeren Zeitraum und häufig verwendet wird.
Kann der Schnuller das SIDS-Risiko senken?
Einige Studien zeigen, dass der Schnuller das SIDS-Risiko senken kann, während andere keine eindeutigen Ergebnisse liefern. Die AAP empfiehlt den Schnuller als SIDS-Prophylaxe.
Wie kann man den Schnuller abgewöhnen?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Schnuller abzugewöhnen. Wichtig ist, dass man dies schrittweise und geduldig tut. Man kann zum Beispiel den Schnuller nur noch zum Einschlafen geben, dann nur noch tagsüber und schließlich ganz weglassen.
Fazit
Die Entscheidung, ob ein Baby einen Schnuller bekommt, ist eine individuelle Entscheidung der Eltern. Hebammen empfehlen, den Schnuller in den ersten Wochen nach der Geburt zu vermeiden, um das Stillen nicht zu beeinträchtigen.
Eltern sollten sich gut über die möglichen Risiken und Vorteile des Schnullers informieren und eine Entscheidung treffen, die am besten zu ihrem Kind und ihrer Familie passt.
Es gibt viele alternative Möglichkeiten, ein Baby zu beruhigen, ohne einen Schnuller zu verwenden. Eltern sollten diese Möglichkeiten kennenlernen und ausprobieren.
Die Forschung zum Thema Schnuller ist noch nicht abgeschlossen. Es werden weitere Studien benötigt, um die Auswirkungen des Schnullers auf die Entwicklung des Kindes und das Stillen besser zu verstehen.
Wenn Sie sich unsicher sind, ob Ihr Kind einen Schnuller braucht, sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme.
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